Samstag, 27. August 2011

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Samstag, dem 27. August 2011


Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

Sie kennen alle den Werbespruch “BILD dir deine Meinung”. Die Zeitung, die so wirbt, hilft uns, möglichst schnell zu allem und zu allen eine Meinung zu haben. Dafür reichen wenige Informationen plus ein paar mehr Emotionen und die bereits vorgefasste Meinung der Redaktion. So ähnlich funktioniert das meistens, wenn wir uns unsere eigene Meinung bilden: Aus wenigen Informationen, vermengt mit Emotionen und beeinflusst von dem, was andere denken, haben wir uns sehr schnell ein eigenes Urteil gebildet.

Nach diesem Urteil gilt uns der eine Politiker oder Star als sympathisch, kompetent, klug und ehrlich. Der andere dagegen als unsympathisch, inkompetent, böse und unmorlisch. In Wirklichkeit wissen wir über den einen so wenig wie über den anderen. Aber wir haben uns eine Meinung, ein Urteil gebildet. Meistens nur ein Vorurteil.

Und natürlich ist das nicht nur bei Stars und Politikern so. Auch über unsere nächsten Mitmenschen haben wir meistens ein gepflegtes Vorurteil. Umso klarer ausgeprägt, je weniger wir mit ihnen und je mehr wir über sie geredet haben.

Das Gute an Vorurteilen ist, dass man sie korrigieren kann. Sie sind ja nur vor-läufige Urteile, keine endgültigen. Andernfalls werden aus Vorurteilen schnell Verurteilungen …

Jesus spricht in der Bergpredigt auch über das Urteilen und Verurteilen. Und er sagt: Vorsicht mit deinem Urteil über andere! Vielleicht siehst du in ihren Augen ja auch nicht besser aus. “Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet”, sagt er wörtlich. Und dann folgt das bekannte Wort, vom Splitter im Auge des Bruders, den wir gerne entfernen wollen, ohne zuvor den Balken im eigenen Auge überhaupt wahrgenommen zu haben. Wer nicht möchte, dass über ihn gerichtet, geurteilt und verurteilt wird, der möge selber vorsichtig sein mit seinen Urteilen.

“Bild dir deine Meinung …, aber bleibe bereit, sie zu ändern”, so könnte man ergänzen. Das endgültige Urteil über einen Menschen, das kann doch nur Gott fällen.