Donnerstag, 4. August 2011

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Donnerstag, dem 4. August 2011

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

“am schönsten ist es zu Hause” – noch ein alter Schlagertext ist mir eingefallen. Wo ist das, Ihr Zuhause? – Ich glaube, wir hätten sofort viel zu erzählen, wenn wir beginnen würden uns über unser Zuhause, unsere Heimat zu unterhalten.

Für mich würde ich sagen: Es gibt mehrere Orte, die mir Heimat sind. Natürlich zuerst die Häuser und Straßen meiner Kindheit. Aber dann auch andere Orte, wo ich gelebt habe, studiert habe, wo es immer noch Menschen gibt, denen ich verbunden bin. Und jetzt wird auch die Fremde, in der ich lebe, diese Insel hier, ein Stück Heimat für mich.

Was ist es, was aus einem beliebigen Stück Erde für Menschen Heimat werden lässt? – Ich glaube, es ist die Vetrautheit. Wo ich zu Hause bin, da kenne ich mich aus, da finde ich mich zurecht, und – das ist wohl das Wichtigste – da sind Menschen, die ich kenne. Heimat hat zu tun mit Vertrautheit.

Was uns Heimat ist, können wir nicht vergessen. Wir tragen unsere Heimat immer in unserem Herzen. Menschen, die ihre Heimat verloren haben, kommen oft ein Leben lang nicht darüber hinweg.

Die Bibel hat ein eigentümlich distanziertes Verhältnis zur Heimat. Ihre Protagonisten sind eher heimatlos. Abraham wird von Gott aus seiner Heimat in ein fremdes Land geschickt. Josef macht fern der Heimat Karriere. Und der andere Josef, der menschliche Vater von Jesus, muss seine Heimat verlassen, gerade als seine Verlobte ein Kind erwartet. Jesus wird in der Fremde geboren. Die Apostel durchreisen fremde Länder, um die Botschaft von Jesus in die Welt zu tragen. Heimatlose Gesellen, sollte man meinen …

Einer von ihnen, Paulus, hat einmal geschrieben: “Unsere Heimat ist im Himmel”. Er denkt daran, dass wir hier auf der Erde nur für eine Zeitlang unterwegs sind, und dass es hier keinen Ort gibt, wo wir für immer zu Hause sein können. “Unsere Heimat ist im Himmel”.

Ich habe gesagt: Heimat hat mit Vertrautheit zu tun. – Aber ist uns denn der Himmel, ist uns Gottes Welt vertraut? – Ich bin überzeugt, dass Gott uns viele Möglichkeiten gibt, mit seiner Welt, mit dem Himmel vertraut zu werden. Und ich glaube, das ist gerade unsere Aufgabe als Christen, als Kirchen, dass wir etwas vom Himmel auf die Erde bringen, damit uns der Himmel vertraut wird, ja, zur Heimat wird.




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