Freitag, 28. September 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 28. September 2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

im Jahre 1820 begegneten sich in Göttingen zwei werdende Dichter. Der Name eines der beiden wird jedem von Ihnen bekannt sein: Heinrich Heine; für wenige Semester studierte er damals in Göttingen. Der Name des anderen wird Ihnen vielleicht begegnet sein, wenn Sie mit dem Evangelischen Gesangbuch und christlichem Liedgut vertraut sein sollten: Philipp Spitta.


Die Unterschiede des Charakters und der Lebensweise der beiden konnten nicht viel größer sein: Heine ein abenteuerlustiger, immer spöttischer, aber auch streitbarer junger Mann, Student der Rechtswissenschaften, der wenig Lust zum Studieren hatte. Spitta ein ruhiger, freundlicher und bescheidener Beobachter seiner Umgebung und seiner Seele, fleißiger Theologiestudent. Und doch kannten sich beide und waren für einige Zeit freundschaftlich miteinander verbunden – bis zum großen Krach vier Jahre später.

Was beide verband war die Liebe zur Sprache und die Begeisterung für die Dichtkunst. Was beide letztlich trennte, war der Glaube an Gott und, man muss wohl sagen: die Liebe zu den Menschen. Während Heine mit spitzer Feder alles ironisierte und jeden verspottete, wandte sich Spitta immer bewusster seinem Gott und den ihm als Seelsorger anvertrauten Menschen zu.

Davon zeugen bis heute seine Lieder, die in größerer Zahl auch ihren Platz in unseren Gesangbüchern gefunden haben: Bei dir, Jesu, will ich bleiben; Es kennt der Herr die Seinen; O komm, du Geist der Wahrheit und noch ein paar mehr. Man merkt diesen Liedern den Stil der Zeit an, gewiss. Man findet perfektes Versmaß, schöne Reime und gekonnte Formulierungen. Man spürt aber vor allem das echte Gottvertrauen, das sich hier ausspricht. Anders als bei Heine ist man nie unsicher, wie ein Wort gemeint ist, und von Ironie und Spott kann natürlich keine Rede sein:


Ich steh in meines Herren Hand / und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. / Und wenn zerfällt / die ganze Welt, / wer sich an ihn und wen er hält, / wird wohlbehalten bleiben.


So dichtet er, so glaubt er, so lebt er.


Sicher ist Heinrich Heine bekannter als Philipp Spitta. Sicher aber auch haben unzählig viel mehr Menschen die Verse von Spitta gesungen, gebetet und auswendig gewusst.

Philipp Spitta ist am 28. September 1859 in Burgdorf gestorben.