Freitag, 7. September 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 07.09.2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

immer wieder in der Bibel wird Gott Richter genannt. Gott der Richter – das gehört nicht zu den ganz populären Vorstellungen, die wir von Gott haben. Wir denken vielleicht an das Jüngste Gericht, an den strengen, unerbittlichen Richter, vor dem wir nichts verbergen können und vor dem wir uns nicht herausreden können. Und überhaupt, wer steht schon gerne vor Gericht?


Wenn Gott in der Bibel als Richter angerufen wird, dann nicht, weil die Menschen Angst haben vor seinem Gericht, sondern weil sie sich von ihm Gerechtigkeit erwarten. Wer übers Ohr gehauen und betrogen wird, wer sich dann den Gang durch irdische Instanzen nicht leisten kann oder wer befürchten muss, dass seine Gegner auch das Recht zu seinen Ungunsten beugen werden, der hofft auf Gott. Der hofft darauf, dass eines Tages eine höhere Gerechtigkeit siegt. “Es muss doch noch eine Gerechtigkeit geben!”, hören wir manchen sagen.
Gottvertrauen, das ist auch die Hoffnung, dass am Ende die Gerechtigkeit siegt. Gott ist schließlich der gerechte Richter.

Dabei hat man früher Gottes Gericht nicht erst am Ende der Zeiten erwartet, sondern man wusste: Gott ist ein gerechter Richter – und ein Gott, der täglich strafen kann (so steht es in der Bibel: Psalm 7, 12). – Wir kennen ja die Redensart: “Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort …” Dahinter steht die richtige Einsicht, dass Gott nicht ein unendliches Punktekonto für jeden führt und dann einmal und endgültig alles abrechnet. Manche Sachen, viele Sachen bringt er schon vorher in Ordnung.

Ja, das kann sogar bedeuten, dass Gott mich straft, jetzt und hier in diesem Leben. Aber das hat ja seinen Sinn. Und damit sind wir noch mal bei der Bedeutung des Wortes richten. Richten heißt ja eigentlich zurechtbringen. Wir richten ja auch unsere Wohnung her, oder wir richten die Bücher im Regal gerade aus. Wir geben den Dingen Richtung und Ordnung, wir bringen sie zurecht. Genau das tut auch Gott als Richter: Er will uns mit seiner Strafe nicht schaden, nicht für ewig verdammen, sondern er will uns zurechtbringen. Er möchte, dass unser Leben in Ordnung kommt.


Gott der Richter richtet unser Leben, er richtet über unser Leben, er gibt unserem Leben die richtige Richtung. – Eigentlich sollten wir ihm dafür dankbar sein.