Sonntag, 10. März 2013

Predigt am 10. März 2013 (Sonntag Lätare – Gemeindefest)

Jesus sprach zu den Menschen: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“ „Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“

Johannes 6, 35. 48-51. 58


Liebe Freunde, liebe Festgemeinde,


wir haben gehört von dem Brot, das vom Himmel gekommen ist: Manna, die Wunderspeise der Israeliten in der Wüste*. Es hatte einen Geschmack wie Semmel mit Honig, heißt es. Lecker, jeden Morgen frisch geschmierte Honigbrötchen. Ich kann mir ein schlechteres Frühstück vorstellen. Und am Abend frisches Fleisch: Wachteln. Vielleicht ein bisschen klein, aber auf jeden Fall zart und schmackhaft.


Sie hatten’s nicht schlecht, die Israeliten in der Wüste. Und trotzdem wurden sie dessen überdrüssig. Jeden Morgen hatten sie wieder Hunger, und jeden Morgen gab’s dieselben Honigbrötchen. Tage, Wochen, Monate, Jahre. Das Wunder hatte seinen Reiz verloren. Man gewöhnt sich halt dran. Und rund herum war immer noch Wüste. Und irgendwann starb der eine und die andere. Sie hatten vom Himmelsbrot gegessen, aber sie waren nicht wirklich satt geworden.


Die Zuhörer von Jesus, seine Fans, die hatten auch ihr Brotwunder erlebt. Brot für alle, für fünftausend Menschen. Sie waren begeistert wie die Israeliten an jenem ersten Morgen, als sie das Manna fanden. Was ist das?, fragten auch sie. Wer ist das, der uns alle satt machen kann? – Und sie wollten ihn zu ihrem König machen, ihrem Brotkönig. – Aber Jesus verweigert sich. Er ist nicht der Brotkönig, er selbst ist das Brot des Lebens, das Brot, das vom Himmel kommt.


Liebe Freunde, Brot fällt nicht einfach vom Himmel. Brot macht Mühe. Essen macht Mühe. Gebratene Tauben fliegen nicht umher, so dass wir einfach nur den Mund aufsperren müssten – wie im Schlaraffenland. – Nicht mal hier ist es so. Ihr müsst euch anstellen, ihr müsst bezahlen, damit ihr euren Schweinebraten und euren Kuchen kriegt. Und erst müsst ihr noch diesen Gottesdienst über euch ergehen lassen. Und andere hatten noch viel mehr Mühe mit diesem Essen …


Das tägliche Brot fällt nicht einfach vom Himmel. Es will erarbeitet sein. Es macht uns unzufrieden, wenn’s da Leute gibt, die auch vom Nichtstun gut leben können. Manche träumen vom bedingungslosen Grundeinkommen. Wer Lust hat, mag arbeiten, aber alle dürfen den Schnabel aufsperren, wie die kleinen Vögelchen im Nest, und Mutter Staat soll gefälligst die fetten Würmer herbeibringen. Nicht Brot vom Himmel, sondern Brot vom Staat. Brotkönig 2.0.


Brot fällt nicht einfach vom Himmel. Brot macht Mühe. Mindestens die Mühe, abzubeißen und zu kauen.
Davor aber muss das Brot geschmiert werden. Meistens stehen nicht schon die belegten Brote auf dem Tisch. Und wenn: Wer macht’s?
Vor dem Schmieren muss das Brot geschnitten werden.
Und bevor wir ein Brot anschneiden, muss es gebacken werden. Oder aus dem Laden geholt, und dort wurde es gebacken.
Und vor dem Backen? – Da braucht es Mehl und noch ein paar andere Zutaten. Das Mehl musste gemahlen werden.
Und bevor es gemahlen wurde, war es Korn, Getreide. Das wurde aus den Ähren gedroschen, und zuvor vom Feld geerntet. Mähen und Dreschen geschehen heute in einem Zug: Jeder kennt Mähdrescher.
Und davor? – Nun, da ist es auf dem Feld gewachsen. Da brauchte es vor allem Zeit und gutes Wetter.
Und davor wurde es ausgesät.


Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen (Lukas 8, 5). So erzählt es Jesus, so fing es an. Und nach all der Mühe essen wir unser Brot. Es ist nicht vom Himmel gefallen. Es hat Arbeit gekostet, und die soll auch uns etwas kosten. Und dann schmeckt es uns, das Brot. Ob Honigbrötchen oder Fettbemme. Ob Toast Hawai oder Käsebaguette. – Oder eben Schweinebraten mit Rotkraut. Auch das ist Brot, wenigstens im weiteren Sinne.


Es ging ein Säman aus zu säen seinen Samen. So fing es an. So fing es an mit dem Reich Gottes. Jesus hat gesät, und heute essen wir von seinem Brot. Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! (Lukas 14, 15)


Das Brot des Lebens ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Aber Jesus ist vom Himmel gekommen, hat gesät, ist selber das Weizenkorn gewesen, das in die Erde fällt und erstirbt, um Frucht zu bringen (Johannes 12, 24. Wochenspruch). Andere haben geerntet, gemahlen, gebacken und zubereitet. So ist es zu uns gekommen, das Brot des Lebens, Jesus Christus.


Liebe Freunde, wir sind hier, um zu essen und zu trinken und zu feiern. Es ist Gemeinde-Fest, Kirchen-Fest, Jesus-Christus-Fest. Ohne ihn wären wir nicht hier. Wir nehmen uns Zeit für Gott, und wir nehmen uns Zeit füreinander. Und wir spüren, dass uns das Leben schmeckt. – Ich sage euch: Das ist der Geschmack vom Reich Gottes.


Vor einer Woche waren viele von uns in der Kirche, in unserem Gottesdienst in Los Cristianos oder Las Américas, und auch da haben wir gegessen und getrunken und gefeiert. Anders als hier: nur ein kleines Stück Brot, nur einen kleinen Schluck Wein. Aber wir haben darin wohl das Reich Gottes geschmeckt. Das ist mein Leib. Das ist mein Blut, hat Jesus gesagt. Ich bin das Brot des Lebens. Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit.


Einmal wird für uns nur noch Ewigkeit sein. Nur noch Reich Gottes. Nur noch Leben. Jesus malt uns das Bild vom großen Abendmahl vor Augen: Essen und Trinken und Feiern mit ihm als Gastgeber.



* 1. Lesung aus 2. Mose 16