Sonntag, 7. April 2013

Predigt am 7. April 2013 (Sonntag Quasimodogeniti)

Als Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen warn und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht.
Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.
Zuletzt als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.
Und er sprach zu ihnen: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden.“
Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.
Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.
Markus 16, 9-20



Liebe Schwestern und Brüder!

Nichts wird so fest geglaubt wie das, was wir am wenigsten wissen. Dieser Satz von Montaigne ist mir gestern über den Weg gelaufen, und ich dachte sofort: Das passt. Nichts wird so fest geglaubt wie das, was wir am wenigsten wissen.

Natürlich: So ein Satz wird gerne religionskritisch verstanden: Diese komischen Religionsanhänger, Christen und Katholiken, die glauben so fest, weil sie so wenig wissen; die sind alle ein bisschen dumm. Leider bedienen auch manche von uns Christen dieses Vorurteil, indem sie so tun, als könnte ein bisschen Wissen dem Glauben schaden.

Aber sollten wir den Spieß nicht lieber umdrehen und ihn auf die eingebildeten Ungläubigen anwenden? – Wo sie nämlich am wenigsten Ahnung von haben, davon behaupten sie das meiste zu wissen: Dass es keinen Gott gibt, keine Auferstehung, keine Seele, keinen Geist; keine Engel und Dämonen, keine Wunder – und letztlich: keinen Sinn. – Nur Physik, Chemie, Biologie:  Hirnfunktionen, Evolution. Sie wissen ganz genau, dass ein Verstorbener, den man ins Grab gelegt hat, dort verwest. Und wenn er nicht mehr da ist, dann wurde er woandershin gelegt, gestohlen, verbrannt, was auch immer. Aber auferstanden sein kann er bestimmt nicht. Das wissen sie. – Das wissen sie? Nein, das wissen sie nicht. Davon haben sie keine Ahnung, aber sie glauben es ganz fest.

Genau so, oder so ähnlich haben schon die ersten Jünger Jesu gedacht. Sie hatten zwar keine Ahnung, was wirklich geschehen war, weil sie fortgelaufen waren und sich eingeschlossen hatten, aber dass Jesus auferstanden sein sollte, wie Maria behauptete – wir haben ihre Geschichte am Ostersonntag gehört –, dass er zweien aus dem weiteren Jüngerkreis lebendig begegnet sein sollte, als sie zu Fuß unterwegs waren, dass er mit ihnen gesprochen und das Brot geteilt haben sollte, wie sie behaupteten, das konnte gar nicht sein. Tot ist tot. Daran glaubten sie ganz fest.

Sie glaubten, weil sie es nicht besser wussten. Weil sie sich auf ihr Wissen und ihre Erfahrungen verließen, aber nicht darauf, dass es immer noch viel mehr gibt, was wir nicht wissen, viel mehr als das bisschen, was wir wissen.

Das ist der Glaube der Ungläubigen: Er hält sich für wissend, weil er das bisschen, was er wirklich weiß, für die ganze Wahrheit hält. Es ist ein falscher Glaube: Es ist Unglaube. Und Jesus nennt diesen Unglauben hartherzig.

Ja, hartherzig ist dieser Unglaube, weil er sich weigert, selbst denen zu glauben, die doch glaubwürdige Zeugen sind, die bisher zum engsten Kreis der Freunde und Vertrauten gehört haben: Maria und die beiden Emmaus-Jünger. Ist es nicht hartherzig, gemein und unverschämt, sie einfach als Lügner oder Spinner abzustempeln, nur damit sie, die ungläubigen Jünger in ihrem traurigen Weltbild hängen bleiben können, nach dem alles so bleibt, wie es war, weil sie es eben nicht anders wissen? Sie wollen sich doch bei ihrer schöne Trauermahlzeit nicht von der Auferstehungsbotschaft stören lassen.

Sind wir das gar, die da sitzen – als ungläubige Jünger Jesu? Genau wie sie damals sind wir heute darauf angewiesen jenen zu glauben, die ihn gesehen haben als Auferstandenen, die ihm schon begegnet sind auf ihrem Weg. Und wir stehen jetzt vor der Wahl: Glauben wir, vertrauen wir ihnen, oder glauben wir lieber unseren festgefügten Gewissheiten, unserer unumstößlichen Erfahrung: Tot ist tot?

Wenn wir ihnen glauben, den Auferstehungszeugen – und es sind immer noch neue hinzugekommen, die dem lebendigen Herrn begegnet sind –, wenn wir ihnen glauben, dann wissen wir nicht weniger, sondern dann wissen wir mehr als die anderen, mehr als die, die gar nicht wissen, dass sie nichts wissen.

Als Jesus selber in ihre Mitte tritt, da wissen sie, dass sie nichts wussten, und sie glauben, was zuvor unglaublich war. Und weil sie jetzt dieses Wissen des Glaubens, diese Glaubensgewissheit haben, die andere nicht haben, darum schickt Jesus sie los in alle Welt zu allen Menschen: Ihr wisst jetzt mehr, darum sagt es ihnen! Sie sollen ja nicht unwissend sterben, sie sollen ja nicht ungläubig leben. Sie sollen glauben und getauft werden und selig werden. Wie ihr!

Ich weiß, das gilt heute schon als Unverschämtheit, wenn wir behaupten, dass wir mehr wissen, dass wir mit unserer Botschaft rechthaben und dass sie heilsnotwendig ist. – Nur, die eingebildeten Ungläubigen, die dürfen so tun, als hätten sie die Wahrheit gepachtet!

Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Das wissen wir, daran glauben wir, und darum sagen wir es es weiter.

Wisst ihr, warum die Taufe dabei so wichtig ist? – Unseres Glaubens sind wir nie ganz sicher. Ich glaube, dass ich glaube. Ich kann aber auch zweifeln, ob ich wirklich glaube. Ich weiß es nicht sicher. Ich glaube, hilf meinem Unglauben! – Aber ich weiß es sicher, dass ich getauft bin. Das kann nicht mal der größte Zweifler bezweifeln. Dafür gibt es Zeugen; darüber gibt es sogar eine Urkunde. Und das hilft mir wiederum zu glauben.

Der Glaube braucht Vergewisserung. Er braucht sichtbare Zeichen. Als die ungläubigen Jünger den Auferstandenen gesehen haben, da wussten sie, dass er lebt. Da war es nicht mehr schwer zu glauben. Unser Glaube, der vom Hörensagen, vom Hören und vom Weitersagen lebt, der hat es da ein bisschen schwerer. – Aber die Taufe ist ein sichtbares Zeichen, dass wir zu Jesus Christus gehören. Sie macht uns das Glauben ein bisschen leichter. Und das Heilige Abendmahl.

Der auferstandene Herr ist unsichtbar. Aber er gibt uns sichtbare Zeichen, Lebenszeichen. Und wir sollen diesen Zeichen glauben: den heiligen Sakramenten, Taufe und Abendmahl.

Jesus spricht hier noch von anderen Zeichen: Zeichen, die den Glaubenden folgen: dass sie böse Geister vertreiben, dass sie in neuen Sprachen sprechen, dass Schlangen und Gift ihnen nichts anhaben und dass durch ihr Segnen Kranke geheilt werden.

Das alles gab es immer wieder und gibt es dort, wo Menschen glauben. Nicht zwingend, nicht berechenbar. Aber wo der Glaube damit rechnet, dass der auferstandene Herr unter uns wirkt, da werden wir auch sichtbare Zeichen entdecken.

Der Ungläubige wird wieder ganz genau wissen, zu wissen meinen, dass das alles nichts ist: Zufall, Psychologie, mentales Training, Placeboeffekte, Einbildung …, und er wird ganz fest daran glauben, dass es hier nichts zu glauben gibt, weil er schon alles weiß.

Der Gläubige wird vielleicht sagen: Ich weiß es nicht.  Aber ich glaube. Ich glaube, dass der Herr mir geholfen hat. Wer glaubt, der wird immer auch Zeichen dafür finden, die es ihm bestätigen: Ja, die Mächte des Bösen müssen weichen. Ja, ich werde vor Gefahren bewahrt; und wenn nicht an meinem Leib, dann an meiner Seele. Ja, mit Jesus wird alles gut.

Wisst ihr, was für mich das größte Zeichen des Glaubens ist? – Dass es immer noch und immer wieder Menschen gibt, die glauben. Dass es uns gibt. Wir als Kirche, wir als Christen, wir sind das Lebenszeichen des Auferstandenen in der Welt.

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