Sonntag, 14. April 2013

Predigt am 14. April 2013 (Sonntag Miserikordias Domini, Konfirmation)



Jesus sprach: „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ist bereit, sein Leben für die Schafe herzugeben. Einer, der gar kein Hirte ist, sondern die Schafe nur gegen Bezahlung hütet, läuft davon, wenn er den Wolf kommen sieht, und lässt die Schafe im Stich, und der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander. Einem solchen Mann, dem die Schafe nicht selbst gehören, geht es eben nur um seinen Lohn; die Schafe sind ihm gleichgültig.
Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, genauso wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben für die Schafe her.
Ich habe auch noch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen; sie werden auf meine Stimme hören, und alle werden eine Herde unter einem Hirten sein.
Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden niemals verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles; niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen. Ich und der Vater sind eins.
Johannes 10, 11-16. 27-30


Liebe Sandra, liebe Sabrina, liebe Gemeinde,

Jesus, der Gute Hirte. Bilder, wie das Kirchenfenster auf dem Liedblatt gibt es unzählige: Jesus mit dem Hirtenstab, Schafe an seiner Seite, ein Schäflein auf seinem Arm oder auch auf seiner Schulter. Ein idyllisches Bild. Zumindest auf den ersten Blick. Die friedlichen Schäfchen und der gute Heiland.
Wir haben uns vor Kurzem noch mit Psalm 23 beschäftigt, dem Psalm vom Guten Hirten, Standardlerntext aller Konfirmanden und einer der schönsten und segensreichsten Bibeltexte überhaupt. Ihr habt das Bild vom Hirten versucht für euch verständlich zu machen und anschaulich: Ihr habt coole Hirten, lustige Schafe, Wiesen, Wasser und Straßen gemalt: auch nur eine etwas andere Darstellung dessen, was wir auf dem Kirchenfenster sehen.
Was euch deutlich geworden ist: Ein guter Hirte schützt seine Schafe, er versorgt und ernährt seine Schafe, er führt sie dorthin, wo es ihnen gut geht, und rettet sie, wo es gefährlich ist.
Als Jesus gekommen ist, da kannte er den Psalm 23, und die Leute, zu denen er gesprochen hat, die kannten ihn auch. Als er sich hinstellte und sagte: Ich bin der gute Hirte, da mussten sie gleich an diesen Psalm denken: Der Herr ist mein Hirte. Und sie haben es genau verstanden, was Jesus damit sagen wollte: „Ich bin für euch wie Gott: ja ich bin Gott. Ich und der Vater sind eins.“
Das ist Jesus Christus für uns: Der Gute Hirte, der uns schützt, der für uns sorgt, der uns führt und der uns rettet.
Konfirmation heißt Bestätigung, Bekräftigung. Das ist für Spanisch sprechende Menschen nicht schwer zu kapieren. Es ist eine wechselseitige Bestätigung, eine Bestätigung dessen, was eigentlich schon mit eurer Taufe begonnen hat: dass Jesus euer Guter Hirte ist, und ihr seine Schäfchen seid. Ihr sagt heute zu Jesus: „Ja, das wollen wir: zu deiner Herde gehören, zu deinen Schafen, zu den anderen Christenmenschen, zur christlichen Gemeinde.“ Und Jesus sagt zu euch: „Ja, das will ich: euer Guter Hirte sein, euch schützen, euch versorgen, euch führen, euch retten. Das habe ich bisher schon getan; aber heute bestätige ich es euch noch mal ganz ausdrücklich, mit Handschlag und Segen.“
Warum das für euch gut und wichtig ist, das möchte ich euch jetzt kurz erklären:
Jesus will euch schützen. – Ihr seid dabei, groß zu werden. Eure Eltern können euch schon lange nicht mehr immer und überall schützen und vor allen Gefahren bewahren. Natürlich habt ihr gelernt, selber achtzugeben, euch vorzusehen, Gefahren zu erkennen und aus dem Weg zu gehen. Trotzdem gibt’s im Leben kein Rundum-Sorglos-Schutzpaket. Das Leben ist nun mal lebensgefährlich. Vieles kann schief gehen. – Wie gut und wie tröstlich, wenn einer da ist, der aufpasst. Einer, der euch in Gefahren beisteht. – Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich. Die Worte aus Psalm 23 drücken das aus: Da ist einer bei mir, der die Raubtiere fernhält, und der auch im Dunkel bei mir ist. – Jesus will euch schützen.
Jesus will euch versorgen. – Ihr lebt in einer Zeit und in einer Welt, in der die Versorgung mit den lebensnotwendigen Dingen, die wir auch unser tägliches Brot nennen, kein Problem ist. Verhungern und verdursten werdet ihr sicher nicht. Kleidung und Wohnung sollten auch nicht das Problem sein. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sagt Jesus. Und er sagt auch: Du kannst alles haben, was die Welt dir bietet, und trotzdem kann deine Seele vor die Hunde gehen. Wörtlich: Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele. Der Mensch braucht im Leben auch, was seiner Seele gut tut. Nun, gute Worte, ehrliche Freundschaft, Zuneigung, Liebe, das werdet ihr hoffentlich auch da und dort finden. Ganz sicher aber findet ihr diese Seelennahrung bei Jesus Christus. Also: im Glauben an Gott, im Miteinander der Christen, in den Worten der Bibel. Ich bin ja gerade dabei, euch ein paar davon mitzugeben. Und dann sind da noch eure Konfirmationssprüche. Gute Worte, die ihr euch selber ausgewählt habt und die wunderbar zu dem passen, was ich euch heute sage. Merkt sie euch, lernt sie, hängt sie euch irgendwo hin. Solche Worte sind wunderbare Begleiter. Solche Worte sind manchmal auch eine Notration für die Seele. Denn, ja: Jesus will euch versorgen.
Jesus will euch führen. – Als erwachsene Menschen führen wir unser Leben selber. Und dazu wollen wir euch als Heranwachsende auch befähigen, dass ihr euer Leben selber führen könnt. Dass ihr selber entscheiden könnt, wo ihr hin wollt im Leben. Dass ihr euch realistische Ziele setzt und sie erreicht. Und wenn ihr sie erreicht habt, dass ihr damit auch glücklich seid. Ja, so möge es sein. – Und trotzdem: Meistens kommt dann doch etwas anders, als wir es uns denken. Unsere Pläne gehen nicht immer auf. Unsere Wünsche gehen nicht immer in Erfüllung. Und manchmal wissen wir noch nicht mal, welche Ziele wir eigentlich verfolgen sollen. – Wie gut, wenn dann einer da ist, der weiß, wo es lang geht: Jesus, der Gute Hirte. – Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, und wahrscheinlich könnt ihr fragen, wen ihr wollt, wir alle, die wir zur Herde des Guten Hirten gehören, haben die Erfahrung gemacht: Wir sind losgegangen, und er hat uns woanders hingeführt, als wo wir hinwollten, aber am Ende war es das Beste für uns. So ist das mit dem Guten Hirten: Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Darauf dürft ihr euch verlassen: Jesus will euch führen.
Und: Jesus will euch retten. – Jetzt wird’s dramatisch. Weil es auch im Leben manchmal dramatisch wird. Wenn euch Menschen oder übermenschlich böse Mächte übel mitspielen. Wenn alle gegen euch sind. Wenn ihr keine Chance mehr habt. Wenn ihr gar noch selber gegen euch seid. Euch nicht mehr ausstehen könnt, weil ihr selber alles vergeigt habt. Dann ist einer da, der euch aus dem Dreck zieht und euch rettet. – Zu den Bildern und Geschichten vom Guten Hirten, gehört immer auch das verlorene Schaf, das sich einsam und allein irgendwo im Dornengestrüpp verfangen hat und aus eigener Kraft nicht mehr freikommt, nicht mehr heimkommt; und dann kommt der Gute Hirte, findet es, rettet es, trägt es heim zu den anderen. So, gerade so, will Jesus für euch sein: Jesus will euch retten.
Und Jesus sagt ganz deutlich, was das heißt: Er läuft nicht weg, wenn’s gefährlich wird. Er kämpft für seine Schafe. Er lässt sein Leben für die Schafe. Lieber sollen die Raubtiere ihn verschlingen, als die Herde. – Das ist ein Bild dafür, was Jesus für uns getan hat, als er sich am Kreuz geopfert hat.
Ja, und warum tut er das – für uns, für euch? – Er tut es, weil er euch lieb hat. Weil ihm unendlich viel an euch, an jedem von uns allen, liegt. Ihr seid ihm nicht gleichgültig. Er kennt euch mit Namen und Adresse. Er kennt euer Herz und eure Seele. Ihm liegt alles an euch. Er liebt euch. Denn er ist euer Gute Hirte. Und er will nicht, dass ihr verloren geht.
Darum vertraut ihm. Vertraut euch ihm an. Sagt Ja zu ihm. Er hat schon lange Ja gesagt zu euch.


Konfilied 2013

Da ist einer, der mich kennt,
dessen Herz für mich entbrennt,
dessen Herz stets für mich schlägt
und der mich durchs Leben trägt. 

Da ist einer, der mich nährt,
der mich Gottes Worte lehrt,
der mir Gottes Wege zeigt,
denn er ist mir zugeneigt.

Da ist einer, der mich führt,
der mein Leben sanft berührt,
der sein Leben für mich gibt,
weil er mich unendlich liebt. 

Da ist einer, der mich hört,
der den bösen Mächten wehrt,
der den bösen Feind bedroht
und mich tröstet in der Not.

Da ist er, der für mich starb,
er, der mir das Heil erwarb,
er, der Gottes Heil mir schenkt,
er, der liebend an mich denkt.


Da bin ich, ich höre dich,
deine Stimme kenne ich,
deine Stimme sagt es mir,
dass ich sicher bin bei dir. 

Da bin ich, ich brauche dich.
Ohne dich verlier ich mich,
ich verlier des Leben Sinn,
wenn ich nicht mehr bei dir bin.

Da bin ich, ich komm zu dir.
Nimm mich an, jetzt bin ich hier.
Nimm mich auf in Gottes Land.
Halt mich fest an deiner Hand.
 (c) Roland Herrig

Bildnachweis:
Jesus, the Good Shepherd window at St. Matthew's Lutheran Church, Charleston, South Carolina. Attributed to the Quaker City Glass Company of Philadelphia, 1912. Autor: Cadetgray, CC BY-SA 3.0 (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jesus_the_good_Shepherd.jpg)