Sonntag, 24. Mai 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 24. Mai 2015

Guten Morgen, liebe Hörer,
eines der schönsten deutschen Wörter ist Trösten. Sofort ist dieses Gefühl wieder da: In kindlichem Schmerz und Verzweiflung laufe ich zu meiner Mutter, sie nimmt mich auf den Arm, wischt mir die Tränen ab und tröstet mich. Sie ist da, versteht mich, beschützt mich, lindert den Schmerz, sagt mir: Alles wird gut. – Ich kenne es auch anders: Mein Schmerz wird nicht ernst genommen, die Eltern lachen mich aus, weil ich wegen einer Kleinigkeit so viel Theater mache, und ich habe das Gefühl: keiner versteht mich; ich bin der elendste und verzweifeltste Mensch der Welt. Trostlos!
Kindliche Gefühle, die wir mitnehmen und die immer wieder in uns hochkommen: Der verzweifelte Schmerz, den keiner versteht. Aber auch der Trost, wenn uns jemand zeigt: Ich verstehe dich. Und: Alles wird gut.
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, sagt Gott in der Bibel. Ein mütterlicher, tröstlicher Gott, der seine Menschen in den Arm nimmt und ihnen sagt: Alles wird gut.
Heute feiern wir Pfingsten. Das Fest des Heiligen Geistes. Jesus nennt den Heiligen Geist Tröster. Jedenfalls hat Martin Luther ein schwieriges griechisches Wort so einfach übersetzt: Tröster. Jesus sagt: Wenn ich nicht mehr da bin, dann braucht ihr jemand, der euch tröstet, euch versteht, euch in den Arm nimmt, die Tränen trocknet und euch sagt: Alles wird gut. Dieser Jemand, das ist der Heilige Geist.

Der Heilige Geist ist kein Gespenst. Auch keine abstrakte Kraft oder Energie. Der Heilige Geist ist eure Trösterin, eure Mutter, der mütterliche Gott. Zu dem ihr hingehen könnt in eurem Schmerz und in eurer Verzweiflung. Damit ihr nicht trostlos und verloren seid in dieser Welt. Damit ihr wieder fröhlich werdet und daran glauben könnt, dass alles gut wird.