Donnerstag, 4. Dezember 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 4. Dezember 2014

Guten Morgen, lieber Hörer,

an diesem 4. Dezember ist der Gedenktag der Heiligen Barbara. Manche verbinden mit diesem Tag einen besonderen Brauch: Sie schneiden einen Zweig vom Kirschbaum oder einem anderen Obstbaum, stellen ihn zu Hause ins Wasser, und Weihnachten sollte er dann blühen. – Nun ja, bei uns zu Hause in Mitteleuropa geht das; hier eher nicht.

Der Legende nach war Barbara eine junge Frau, eine Jungfrau, die um das Jahr 300 herum lebte. Sie war jung und schön, und die Männer standen Schlange, um um ihre Hand anzuhalten. Sie aber wies alle zurück, weil irgendwie keiner der richtige war. Sie lernte andere junge Frauen kennen, die sich als Christen zu erkennen gaben; sie kam zum Glauben und wurde selber Christin. Ihrem Vater passte das ganz und gar nicht; er wollte sie mit einem jungen Mann verheiraten, der kein Christ war, aber sie verweigerte sich. Daraufhin ließ der Vater eine Art Turmverlies für seine Tochter bauen und sperrte sie darin ein. Später ließ er sie sogar foltern und töten, weil sie nicht bereit war, dem Glauben abzusagen.

Es wurde erzählt, die Heilige Barbara sei auf dem Weg ins Gefängnis mit ihrem Kleid an einem Zweig hängengeblieben. Diesen Zweig stellte sie ins Wasser, und an dem Tag, als er zu blühen begann, wurde sie zum Tode verurteilt. Sie ging gefasst in den Tod, weil sie wusste, dass der Tod für sie der Weg ins Leben war – ins ewige Leben. Barbara war nur eine von unzähligen Christinnen, die ihr Leben für Jesus lassen mussten – so wie er seins für sie.

Der Barbarazweig passt gut in die Adventszeit. Er ist ein Symbol dafür, dass das Warten zum Leben gehört. Warten, bis ein Zweig Blüten treibt. Warten, bis der richtige Partner ins Leben tritt. Warten, bis ein Kind geboren wird. Warten, dass das Leiden der Menschen ein Ende hat. Warten auf die Erlösung. Warten, dass Gott kommt. Warten auf Weihnachten.


Adventszeit ist Wartezeit. Lebenszeit ist Wartezeit. Aber einmal werden die toten Zweige erblühen.