Dienstag, 2. Dezember 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 2. Dezember 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

darf ich fragen, wer von Ihnen einen Adventskalender hat?

Eigentlich ist das ja Kinderkram. Jeden Tag ein Türchen öffnen, damit die Zeit bis Weihnachten schneller vergeht. Jeden Tag ein Stückchen Vorfreude. In Form von Schokolade. – Wir hatten früher nur Adventskalender mit Bildchen drin. – Die mit Schokolade waren in  späteren Jahren dann was besonderes, was wir armen Zonenkinder aus dem Westen geschenkt bekamen. Manchmal. – In manchen Jahren hatte unsere Mutter auch einen besonderen Adventskalender gebastelt, wo man sich jeden Tag ein kleines Päckchen abschneiden konnte…

Eigentlich ist das ja Kinderkram, so ein Adventskalender. Und trotzdem haben auch viele Erwachsene ihren Adventskalender. Wir haben in diesem Jahr auch zwei geschenkt bekommen. Und werden sie natürlich öffnen, Türchen für Türchen.

Ähnlich wie der Adventskranz kommt die Idee des Adventskalenders aus dem vorletzten Jahrhundert. Jeden Tag eine Kerze anzünden oder den Zeiger an einer Uhr weiterrücken – das sollte den Kindern das Warten auf Weihnachten erleichtern und verschönern. Dabei lernten sie gleich noch das Empfinden von Zeit: Wie lange sind vier Wochen oder 24 Tage, wenn man auf Weihnachten wartet? – Pädagogisch wertvoller Kinderkram also.

Der erste Adventskalender aus Papier und Pappe mit Türchen und Bildchen erschien 1908 in München. Innerhalb weniger Jahre wurden diese Adventskalender populär.

Ich erinnere mich daran, dass wir in den 60-er und 70-er Jahren immer einen Adventskalender mit christlichen Motiven, meistens aus der biblischen Weihnachtsgeschichte, hatten. Damals wussten wir, was uns hinter dem großen Türchen am 24. Dezember erwartete: die Krippenszene mit Maria und Josef und dem Jesuskind. Heute sind die Adventskalender meistens von Weihnachtsmännern und Rentieren geschmückt, wenn nicht gar mit völlig unweihnachtliche Comic-Figuren.

Ich finde: Wenn wir nicht mehr wissen, was uns Weihnachten eigentlich erwartet, wird der ganze Kinderkram hohl und sinnlos. Schokolade essen können wir auch so.

Aber vielleicht denken Sie, wenn Sie Ihren Adventskalender öffnen manchmal doch noch an Maria und Josef und das Jesuskind.


Viel Spaß beim Türchen-Öffnen wünscht Ihnen …