Freitag, 9. November 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 9. November 2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

wir können uns Gott nicht vorstellen wie ein körperliches Wesen. Denn Gott ist anders als alles, was wir kennen. Wir sollen uns kein Bild von ihm machen.


Und trotzdem macht uns die Bibel starke Bilder von Gott. Sozusagen Nahaufnahmen, die uns etwas ganz Wesentliches von ihm zeigen, ohne dass wir jemals ein vollständiges Bild von ihm hätten.


Ein typischer Bildausschnitt von Gott zeigt uns immer wieder seine Hände. Himmel und Erde hat er mit seinen Händen gemacht, so heißt es. Er hält die ganze Welt in seiner Hand, singt ein alter Spiritual.


“Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand”, heißt es in einem Lied von Arno Pötzsch. Besonders bekannt geworden ist dieses Wort durch eine gefallene Bischöfin.


In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott. So sagt es die heutige Tageslosung aus Psalm 31 (Vers 6).


Mich fasziniert, dass in diesem Gebet nicht mein Leib in Gottes Geist versenkt wird, sondern umgekehrt mein Geist von Gottes Leiblichkeit, von seinen Händen, gehalten oder aufgefangen wird.


Welch ein Gottvertrauen spricht aus diesem Satz! Wenn ich nur wenig von Gott weiß, so kenne ich doch seine Hände, die vor allem eines tun: mich festhalten, mich auffangen, dass ich nicht ins Bodenlose falle.


Dieser alte Gebetsvers hat traditionell seinen Platz im Nachtgebet der Kirche: In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott. – Wenn ich mich schlafen lege, bin ich nicht mehr Herr über meinen Geist. Er versinkt in wirrer Unbewusstheit, aus der Träume aufsteigen, die ich normalerweise nicht beeinflussen kann. Wie gut, dass ich, wenn ich nicht mehr Herr meiner selbst bin, doch in Gottes Hand wissen darf!


Und wie gut, dass, wenn mein Geist den Körper ganz verlassen wird, er noch immer und gerade in Gottes Hand ist.


Jesus Christus hat nach der Schilderung des Lukasevangeliums diese Worte in seinem Sterben gesprochen: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! (Lukas 23,46)


Wir sollen gewiss sein, auch wenn wir nur wenig über Gott wissen: Er hat starke Hände, die uns halten und uns auffangen im Leben und im Tod.