Freitag, 27. Juli 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 27. Juli 2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Das ist eines der bekanntesten Kirchenlieder. Es erinnert von seiner Sprache und seinem Inhalt her an alte Kirchenlieder aus der Bibel; die heißen dort Psalmen. Auch da wird Gott ganz oft König genannt.


Wahrscheinlich liegt uns das heute nicht mehr so nahe, Gott als König zu bezeichnen. Ich würde ihn wahrscheinlich von mir aus auch nicht so anreden. Die Zeiten einer Königsherrschaft, einer absoluten Monarchie sind vorbei. Wir leben in der Demokratie. Und weder mit heutigen Bundeskanzlern oder Präsidenten noch mit den Königen der wenigen konstitutionellen Monarchien, die es noch gibt, so wie hier in Spanien, würden wir Gott vergleichen.


Als man in biblischen Zeiten begann, Gott König zu nennen, lag das auch nicht daran, dass man die eigenen Könige und Herrscher so toll fand. Im Gegenteil: Die Könige waren, wie sie waren. Die meisten verfolgten ihre eigenen Machtinteressen und fühlten sich weder ihrem  Volk noch ihrem Gott gegenüber besonders verantwortlich. Wenn das Volk nun aber Gott als König bezeichnete, dann drückte es damit aus, dass es Gott als einen echten, guten, gerechten und mächtigen König verehrten, der noch über ihre schlechten, ungerechten und selbstsüchtigen Könige regierte. Gott als König anzubeten, das war geradezu subversiv. Es beinhaltete die Kritik an jeder Herrschaft, die sich nicht nach Gottes Willen ausrichtete. In einem Gebet aus dieser Zeit heißt es: HERR, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du, aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens (Jesaja 26, 13).


Selbst heute in unübersichtlichen Zeiten, wo wir das Gefühl haben, wir sind zwar nicht unbedingt Königen, aber doch irgendwelchen mächtigen Regierenden, Strippenziehern oder Finanzmärkten ausgeliefert, ist es ganz tröstlich zu wissen, dass über allen ein Größerer ist, der alles so herrlich regieret: Gott, der Herr, der mächtige König der Ehren.