Donnerstag, 26. Juli 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Donnerstag, dem 26. Juli 2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. – Am Anfang des christlichen Glaubensbekenntnisses sagen wir, wer Gott für uns ist: kein namenloses, abstraktes höheres Wesen, sondern der, den wir als Vater ansprechen, weil er uns liebt, aber auch der Allmächtige und der Schöpfer der ganzen Welt.


Wenn wir an Gott den Schöpfer denken, dann kommen möglicherweise die alten und befremdlichen Bilder der biblischen Schöpfungsgeschichte in uns hoch: In sieben Tagen soll Gott die ganze Welt geschaffen haben, und den Menschen aus Erde geformt und die Menschenfrau aus der Rippe des Mannes geschaffen haben. – Wer soll so was heute noch glauben?


Aber andererseits ist es für uns doch immer noch selbstverständlich von der Schöpfung zu reden, davon wie schön sie ist und wie gefährdet: Bewahrung der Schöpfung ist eine feststehende Formulierung geworden, die besser klingt als 'ökologische Verantwortung'.


Wenn wir über die Schönheit und Perfektion der Natur staunen, wenn wir die Vielfalt der Lebewesen sehen, uns vielleicht einfach nur wundern, wie perfekt die kleine unscheinbare Stubenfliege fliegt und landet und wie flink sie reagiert, wenn wir nach ihr schlagen, wenn wir bedenken, wie alles in der Natur aufeinander abgestimmt ist und zueinander passt, dann können wir es uns nur schwer vorstellen, dass dahinter nicht ein perfekter Plan steht, ein umfassender Sinn, ein mächtiger Schöpfergott.


Martin Luther beginnt die Erklärung dieses ersten Satzes aus dem Glaubensbekenntnis so: “Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat, samt allen Kreaturen”. – Ich selber muss doch staunen, dass ich da bin, ich, dieser ganz besondere, einmalige Mensch unter Milliarden anderen ganz besonderen, einmaligen Menschen und unter all den anderen Mitgeschöpfen. Offenbar habe ich einen Platz im großen Weltenplan. Gott hat mich geschaffen. Durch ihn hat mein Leben seinen Sinn. Das alles drücken wir aus, wenn wir Gott unseren Schöpfer nennen.