Sonntag, 2. August 2015

Predigt am 2. August 2015 (9. Sonntag nach Trinitatis)

Jesus sprach: „Es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann fünf weitere dazu.
Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.
Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.
Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: ,Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.‘ Sein Herr sprach zu ihm: ,Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!‘
Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: ,Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen.‘ Sein Herr sprach zu ihm: ,Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!‘
Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: ,Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.‘ Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: ,Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.‘“
Matthäus 25, 14-30

Zentnerweise
Zentnerweise Silber.
Für die Knechte im Gleichnis.
Fünf Zentner. Zwei Zentner. Ein Zentner.
Je nach Tüchtigkeit.
Selbst ein Zentner ist unermesslich viel.
Zentnerweise Gnade.
Für Gottes Knechte. Und Mägde.
Fünf Zentner. Zwei Zentner. Ein Zentner.
Wie auch immer.
Selbst ganz wenig von Gottes Gnade ist unermesslich viel.
Zentnerweise Segen.
Zentnerweise gute Worte.
Zentnerweise Liebe.
Hat Gott uns überlassen.
Mehr als wir fassen können.
Mehr als wir verbrauchen können.
Geistliches Kapital.
Mach was draus!
*
Außer Landes
Es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging.
So ist das mit Gott.
Manchmal.
Er ist im Ausland, und du bist hier.
Oder er ist nach Hause gegangen, und du bist hier geblieben:
Im Ausland. Im Elend. In der Fremde. Allein. Mutterseelen-. Gottverlassen.
Nein, es ist nicht selbstverständlich, dass Gott da ist, um uns, in uns.
Manchmal ist er weg.
Ganz weit.
Unerreichbar.
Handy abgestellt.
Und du möchtest ihn so gerne fragen:
Was das alles soll.
Wie es weitergeht.
Was du jetzt machen sollst.
Aber er geht nicht ran.
Kann gerade nicht.
Oder will gerade nicht.
Dann bist du angewiesen auf das, was du hast.
Auf das, was du kannst.
Auf das, was du weißt.
Angewiesen auf das, was er dir dagelassen hat. Anvertraut hat.
Angewiesen auf seine anvertrauten Zentner.
Auf seinen Segen.
Auf seine Worte.
Auf seine Liebe.
Geistliches Kapital für die Zeit, wenn er nicht da ist.
*
Segen
Zentnerweise Segen.
Segen klingt immer so abstrakt:
Wenn wir zum Geburtstag gratulieren und es soll besonders christlich klingen, dann wünschen wir Gottes Segen.
In der Bibel ist Segen konkret:
Reichtum und viel Vieh - das ist Segen.
Söhne und Töchter, möglichst viele - das ist Segen.
Gesundheit und langes Leben - das ist Segen.
Frieden und gerechte Lebensverhältnisse - das ist Segen.
Was immer dein Leben gut und schön und reich macht - das ist Segen.
Manchmal ist Gott weit weg.
Aber von seinem Segen hat er eine ganze Menge zurückgelassen in deinem Leben:
Geistliches Kapital.
Mach was draus!
*
Worte
Zentnerweise gute Worte.
Worte verschwinden ja nicht, wenn sie ausgesprochen sind.
Sie klingen und schwingen weiter.
Wir behalten sie im Ohr. Im Kopf. Im Herzen. Im Mund. Und auch in den Händen und Füßen.
Seine Worte:
Hundertfach weitergesagt.
Tausendfach abgeschrieben.
Millionenfach gedruckt.
Milliardenfach gelesen.
Und durchgedacht.
Und durchgebetet.
Ausgelegt.
Und gepredigt.
Gesungen.
Und gelebt.
Manchmal ist Gott weit weg.
Aber seine Worte hat er zurückgelassen.
In deiner Bibel.
In meiner Predigt.
In unseren Liedern und Gebeten.
Im Ohr und im Kopf.
In Herzen, Mund und Händen.
Geistliches Kapital.
Mach was draus!
*
Liebe
Zentnerweise Liebe.
Liebe bleibt, wenn der Geliebte geht.
Sie wächst sogar.
Wird sich ihrer selbst bewusst.
Denn sie weiß, was ihr fehlt, wenn der Geliebte außer Landes ist. (Haben wir gerade selber erlebt.)
Gottes Liebe bleibt, wenn er selber gegangen ist:
Er ist dir gut - auch aus der Ferne.
Er will dich, und du brauchst ihn.
Liebe im Modus der Sehnsucht.
Und das spürst du in deinem Herzen.
Das liest du aus seinen Worten.
Das merkst du an seinem Segen.
Und das lässt dich jeden Tag aufstehen und weitermachen.
Seine Liebe ist dein Kapital:
Mach was draus!
*
Kapitalismus
Mach was draus!
Das ist Gottes Auftrag an seine Knechte und Mägde.
Als er die Welt geschaffen hatte, sagte er den Menschen: Macht was draus!
Als Jesus seinen Auftrag vollendet hatte und zu Gott zurückkehrte, sagte er den Jüngern: Macht was draus!
Als er dir dein Leben gab mit allem Segen und allen guten Worten und aller seiner Liebe, da sagte er zu dir: Mach was draus!
Ich habe dir viel gegeben.
Und du kannst noch mehr daraus machen.
Mach was draus!
Das ist das Prinzip Kapitalismus.
Nicht ein begrenzter Kuchen, der irgendwie gerecht verteilt werden muss.
Sondern zentnerweise Güter und Gaben, aus denen du was machen kannst.
Wertzuwachs.
Gewinn.
Und wenn du es selber nicht kannst, dann lass halt jemand anderen machen und verdiene mit am Gewinn oder an den Zinsen.
Du hast Gottes Segen.
Du hast Gottes Worte.
Du hast Gottes Liebe.
Wie viel oder wenig auch immer.
Sei ein Kapitalist in geistlichen Dingen:
Mach was draus!
*
Verantwortung
Am Ende fragt dich Gott, was du draus gemacht hast.
Denn, was er dir gegeben hat - an Segen, an guten Worten und an Liebe -, das ist sein.
Und was du draus gemacht hast, ist auch sein.
Denn du bist sein.
Und du bist ihm verantwortlich.
Er fragt nach.
Und du wirst ihm Antwort geben.
Verantwortung heißt: Rechne damit, dass jemand nachfragt.
Rechne damit, dass Gott nachfragt.
*
Feigheit
Einer der Knechte hatte Angst vor der Verantwortung.
Wenn ich nichts mache, dann mache ich auch nichts falsch, dachte er.
Und er machte alles falsch.
Unberührt gab er dem Herrn zurück, was er empfangen hatte.
All der Segen, all die guten Worte, all die Liebe, die Gott ihm anvertraut hatte, sie hatten verborgen in der Erde gelegen.
Nichts davon hatte er angerührt oder auch nur angesehen.
Am besten alles so bewahren, wie Gott es uns gegeben hat, dachte er.
Nichts anrühren.
Nichts verändern.
Nichts kaputtmachen.
Nichts riskieren.
Ein Feigling.
Einer, der Gott missverstanden hatte.
Einer, der nicht dran glaubte, dass Gottes Segen noch wachsen, seine Worte noch Frucht bringen, seine Liebe noch etwas bewirken könnten.
Einer, der sich und Gott aufgegeben hatte.
Für ihn blieb nichts als Heulen und Zähneklappern.
Weil er nicht glauben mochte.
Nicht an sich und nicht an Gott.
*
Mut
Und dann war da noch der vierte Knecht.
Dem hatte sein Herr drei Zentner anvertraut.
Und er trat herzu und sprach: „Herr, du hast mir drei Zentner anvertraut; siehe, ich habe damit spekuliert und habe dabei zwei Zentner verloren.“ Sein Herr sprach zu ihm: „Auch du hast Recht getan, denn du hast getan, was du konntest, du hast etwas gewagt und dabei verloren. Weil ich aber kein harter Mann bin, will ich dir zwei Zentner erstatten von dem, was dein Mitknecht gewonnen hat. Geh auch du hinein zu deines Herrn Freude!“
*
Zentnerweise
Zentnerweise Gnade.
Für Gottes Knechte. Und Mägde.
Fünf Zentner. Zwei Zentner. Drei Zentner.
Wie auch immer.
Zentnerweise Segen.
Zentnerweise gute Worte.
Zentnerweise Liebe.
Hat Gott uns überlassen.
Mehr als wir fassen können.
Mehr als wir verbrauchen können.
Mach was draus!