Sonntag, 15. April 2012

Predigt am 15. April 2012 (Quasimodogeniti)

Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.
Kolosser 2, 12-15





Kommt ein Handwerksmeister an der Himmelstür an: „Wieso habt ihr mich jetzt schon geholt? Ich bin doch erst 45!“ - Sagt Petrus: „Wir haben die Stunden zusammengezählt, die du deinen Kunden berechnet hast; danach bist du schon 84.
Ja, liebe Schwestern und Brüder, jetzt bleibt noch die spannende Frage: Kommt er überhaupt rein in den Himmel oder nicht?

Wer kommt überhaupt in den Himmel?

Ein Evangelischer ist neu angekommen im Himmel und bekommt von Petrus eine Führung. Nachdem es eine ganze Menge angenehmer Dinge zu sehen gab, kommen sie an eine hohe Mauer und Petrus bedeutet dem Evangelischen, leise zu sein. „Warum?“, fragt der. Sagt Petrus: „Hinter der Mauer sind die Katholiken, und die glauben, sie wären alleine hier!“

Tja, das wäre schlimm, wenn es noch getrennte Himmel für getrennte Konfessionen gäbe. Und noch schlimmer, wenn nur die wirklich Rechtgläubigen da ankommen würden.

Also: Wer kommt in den Himmel? Wer kommt mit seinem Leben wirklich bei Gott an?

Vor ein paar Tagen hatte ich eine kleine Diskussion, die wir nicht ganz zu Ende gebracht haben. Ich habe gesagt: „Wir wissen, dass wir in den Himmel kommen.“ Mein Gegenüber sagte: „Wir glauben, dass wir in den Himmel kommen. Wissen können wir es nicht.“ – Ich habe ihm Recht gegeben. Aber ich hätte es noch genauer erklären müssen: Dass wir zu Gott gehören und bei Gott ankommen werden, das können wir in der Tat nicht in der Weise wissen, wie wir wissen, dass 2 plus 2 gleich 4 sind oder dass die Erde um die Sonne kreist oder dass Eisen schwerer ist als Holz. Es ist kein Wissen, dass wir einfach so an der Wirklichkeit überprüfen oder nachmessen können. Und doch ist es genau so gewiss. Und wenn wir sagen, wir glauben es, dann meinen wir nicht, dass wir es vermuten. So nach dem Motto: „Ich glaube, morgen wird schönes Wetter.“ – Sondern: Wir sind dessen ganz gewiss. Wir vertrauen fest darauf.

Ich glaube an … die Auferstehung der Toten und das ewige Leben, bekennen wir im Glaubensbekenntnis. Und gemeint ist dabei nicht nur, dass es so was gibt, sondern dass es das für mich gibt: Ich werde bei Gott in Ewigkeit leben. Ich komme in den Himmel!

Es gibt eine ganze Reihe von Bibeltexten, die gegen die Ungewissheit des ewigen Heils anschreiben. Einer davon ist unser Predigttext. Das Argument ist ganz einfach: Die Auferstehung und das ewige Leben sind keine Angelegenheit der Zukunft, sondern sie sind schon Gegenwart, weil Gott in der Vergangenheit bereits das Entscheidende getan hat: Gott hat Christus von den Toten auferweckt und hat euch mit ihm lebendig gemacht.

Wie? – Durch die Taufe: Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn erweckt hat von den Toten.

Mit der Taufe bist du eingetaucht, hineingenommen in die Jesus-Christus-Geschichte: mit ihm begraben, mit ihm auferstanden. Im Taufwasser ist der alte Mensch ertrunken und der neue Mensch auferstanden. Aus dem Taufwasser bist du neu geboren zum ewigen Leben.

Wenn du zweifelst, ob du noch zu Gott gehörst oder schon zu Gott gehörst; wenn du meinst, du könntest vielleicht an der Himmelstür abgewiesen werden, weil du nicht gut genug bist für Gottes Anspruch, dann erinnere dich daran: Du bist getauft! Gott hat dich schon auferweckt zum ewigen Leben. Der Weg zum Himmel ist frei.

Mit der Taufe hat etwas Neues begonnen. Es gibt ein Davor und ein Danach. – Es heißt: Ihr wart tot in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und Gott hat uns alle Sünden vergeben.

Das Wort Unbeschnittenheit muss ich kurz erklären: Wie ihr sicher wisst, wird jüdischen Jungs am 8. Tag nach ihrer Geburt die Vorhaut beschnitten. Die Beschneidung ist das Zeichen für den Bund Gottes, den er nach biblischer Überlieferung mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hat. Unbeschnitten sein bedeutete, nicht zu Gott zu gehören, von Gott getrennt zu sein. Nun waren die griechisch sprechenden Völkerschaften Kleinasiens und Europas unbeschnittene Heiden. Sollten sie auch beschnitten werden, um so in Gottes Bund eingeschlossen zu werden? – Paulus und die Apostel haben diese Frage verneint. Denn durch Jesus Christus, hat Gott einen neuen Bund geschlossen, ein neues Testament, wie es dann im Lateinischen hieß, wo testamentum noch nicht so eng gefasst ist, wie wir das Wort Testament verstehen. Und Gott hat ein neues Zeichen für den neuen Bund eingesetzt: die Taufe. Wer durch die Taufe zu Jesus Christus gehört, ist im geistlichen Sinne nicht mehr unbeschnitten. Er ist nicht mehr getrennt von Gott, nicht mehr von Gottes Bund ausgeschlossen, wie die Heiden. – In diesem Sinne gebraucht der Apostel hier das Wort Unbeschnittenheit des Fleisches: nämlich in demselben Sinne wie das Wort Sünde, das auch da steht: Getrennt sein von Gott.

Aber dieser Zustand – von Gott getrennt sein, in Sünde leben, geistlich tot sein –, dieser Zustand ist vorbei. Ist beendet durch die Taufe.

Menschen, die als Jugendliche, als Erwachsene zum Glauben kamen und getauft wurden, können oft von diesem Neuwerden erzählen, von dieser Zustandsänderung: Es gibt ein klares Davor und ein klares Danach: Erst getrennt von Gott, dann zugehörig zu Gott. Erst auf der Suche, oder in einer sinnlosen Tretmühle oder gar auf zerstörerischen Lebenswegen – und dann die radikale Veränderung. Ihr Leben ist anders geworden, mehr als anders, es ist neu geworden.

Mit der Taufe ist das überwunden, was mich von Gott getrennt hat: meine Sünde, meine Schuld, das, wofür ich mich schämen muss.

In unserer Bibelstelle ist das mit dem Bild vom Schuldschein ausgedrückt. Was das ist, können wir uns wohl vorstellen. Vielleicht besitzt ja mancher auch so was. Zum Beispiel Staatsanleihen von Griechenland. Wer so eine griechische Staatsanleihe gekauft hat, der hat nichts anderes gemacht, als dem griechischen Staat Geld zu leihen, mit dem Versprechen, das nach einer gewissen Zeit, vermehrt um Zinsen zurückzubekommen. Das Problem ist nun, dass Griechenland pleite ist, und die Besitzer von den Anleihen darum fürchten müssen, ihr Geld zurückzukriegen.

Allerdings sind wir vor Gott nicht die Gläubiger, sondern die Schuldner. Gott hat einen berechtigten Anspruch an uns. Einfach weil er uns geschaffen hat, und alles, was wir haben im Grunde nur von ihm geliehen ist. Darum hat Gott einen Anspruch an uns, dass wir ihm das, was er uns gegeben hat, um Zinserträge vermehrt zurückgeben. – Und wir, wir sind sozusagen in der Rolle von Griechenland. Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt und können Gottes Erwartungen nicht erfüllen.

Was nun? – Griechenland versucht man auf die Beine zu helfen, indem man einerseits Schulden stundet oder erlässt und indem man andererseits eine harte Disziplin beim Ausgeben von geliehenem Geld und beim Eintreiben von eigenem Geld erwartet. – Viele meinen, Gott würde das genau so machen: ein paar Schulden erlassen und größere Anstrengungen von uns erwarten, damit wir nicht zu tief in die roten Zahlen rutschen bei ihm.

Gott aber tut was anderes: Er verzichtet ganz und gar auf seine Ansprüche. Er schmeißt seine Schuldverschreibungen weg. Sie sind mit Jesus gekreuzigt, sagt der Apostel. Sie sind durchkreuzt, ungültig gemacht. – Und wir sind frei. Wir können aufatmen. Wir können ohne Schulden mit einer schwarzen Null neu beginnen.

Das bewirkt die Taufe.

Nun sagst du vielleicht: Da habe ich ein Problem. Ich bin als kleines Kind getauft worden, da war ich noch unschuldig, da hatte ich noch keine Schulden bei Gott. Die habe ich erst später zusammengetragen in meinem Leben.

Und da sage ich: Ja, das ist was Wahres dran. Auch der Getaufte, auch der als Erwachsene Getaufte, wird immer wieder schuldig. Aber das Verrückte, das Großartige, was Gott tut, ist, dass er die Taufe, den Neuanfang bei Null, immer wieder neu in Geltung setzt. Du darfst zu Gott kommen und sagen: Schau, da bin ich wieder schuldig geworden. Da bin ich dir wieder etwas schuldig geblieben. Aber ich bin getauft, und du hast mir in der Taufe alle meine Schulden vergeben, auch die, die inzwischen wieder neu hinzugekommen sind. Aber auch für die ist Christus am Kreuz gestorben.

Wenn wir Gott unsere Schuld bekennen und von ihm Vergebung erfahren, dann wird also eigentlich immer nur wieder das aktualisiert, was Gott uns in der Taufe schon gegeben hat. Denn die Taufe gilt ein für allemal.
Ich kann jeden Augenblick sagen: Gott hat mir schon vergeben, denn ich bin getauft.

Und darum kann ich auch jeden Augenblick gewiss sein, dass ich mit meinem Leben bei Gott ankommen werde, dass ich in den Himmel komme. Das, was zwischen Gott und mir gestanden hat, ist weggenommen ein für allemal durch die Taufe. Wenn ich das glaube, wenn ich darauf vertraue, dann ist es auch wahr und gewiss.

Und darum, zum Schluss: Wenn ich so durch die Taufe mit Christus verbunden bin, wenn ich schon mit ihm auferstanden bin, wenn nichts mehr zwischen Gott und mir steht, dann kann mich auch keine Macht der Welt mehr von Gott trennen. Die Mächte, die sich zwischen Gott und mich stellen wollen, sie sind entmachtet: Sünde, Tod und Teufel sind besiegt. Christus ist für mich gestorben und für mich auferstanden. Ich bin getauft. Ich bin erlöst. Ich bin befreit. – Ich bin bei Gott.