Dienstag, 10. Mai 2011

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Dienstag, dem 10. Mai 2011


Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

in dieser Woche schaue ich mit Ihnen gemeinsam ins Losungsbüchlein der Herrnhuter Brüdergemeine. Für jeden Tag finden wir darin zwei Bibelworte, eines aus dem Alten, eines aus dem Neuen Testament, und dazu noch einen Liedvers, ein Gebet oder ein Zitat.

Heute sind beide Losungsworte Teil eines Gebets. Sie sprechen Gott persönlich an.
Da heißt es:  HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk (Jesaja 64,7).

Gott als Vater anzureden, ist normal geworden. Gott als Töpfer zu bezeichnen, ist ungewöhnlich.

Was ein Töpfer tut, wie er arbeitet, davon haben wir sicher eine Vorstellung. Vielleicht hat der eine oder die andere ja auch schon mal selber getöpfert: Aus schmierigem Ton werden Gefäße oder Gegenstände geformt, meistens glasiert und immer gebrannt. Das Material, der Ton also, gehorcht den Händen des Töpfers. Im Idealfall entspricht das Ergebnis - die Tasse, der Krug, was auch immer - genau seinen Vorstellungen.
Im Bild gesprochen ist nun Gott der Töpfer und wir Menschen sind der Ton. Er formt uns nach seinen Vorstellungen.

Dieses Bild beeindruckt mich. Gerade, weil ich mich nicht als leicht formbares Material in Gottes Hand fühle, sondern als etwas Eigenständiges, Widerständiges. Ich möchte mich nicht einfach formen lassen, sondern würde am liebsten mit Gott besprechen und verhandeln, was aus mir werden soll.

Das zweite Losungswort, der so genannte Lehrtext, der zu dem ersten ausgewählt wurde, ist uns wohl bekannt: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden (Matthäus 6,10). – Eine Zeile aus dem Vaterunser.

Habe ich das bisher so verstanden wie in dem Bild vom Topfer: Dein Wille geschehe? – Ich möchte von dir Gott so geformt werden, wie du es willst? Nicht selber bestimmen, sondern mich von dir bestimmen lassen?
Das fällt mir schwer. Wenn überhaupt, dann kann ich es nur deshalb, weil ich weiß, dass Gott mein Vater ist, der für mich immer und auf jedem Fall das Allerbeste will.