Donnerstag, 29. Oktober 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 27. Oktober 2015

Die Berge, liebe Hörer, können uns an Gott erinnern, an seine Größe, Macht und Herrlichkeit. Wenn wir hier in den Bergen unterwegs sind – mit Auto oder Bus durch die Cañadas, mit der Seilbahn auf den Teide oder zu Fuß über Stock und Stein im Teno- oder Anaga-Gebirge –, dann ahnen wir vielleicht etwas davon. Religiöse Gefühle stellen sich ein im Anblick der Schönheiten der Natur und der Berge insbesondere.
Schon immer waren Berge für Menschen Orte der Gottesbegegnung. Da oben, auf den unerreichbaren Bergen, da mochten sie wohnen, die Götter, oder dorthin stiegen sie herab, wenn die Menschen ihrerseits den Aufstieg wagten zu ihnen hin.
Das Alte Testament erzählt von Mose, einem der ersten Bergsteiger des Herrn. Im Sinaigebirge lag der Gottesberg. Dort hinauf stieg Mose, um den Herrn zu treffen, nicht nur einmal, sondern insgesamt siebenmal. Dort hinab stieg Gott, um Mose zu treffen und ihm seine Gebote mitzuteilen. Auf Steintafeln geschrieben brachte er sie dann zu den Menschen ins Tal, wollte sie ihnen erklären – und zerschmetterte sie am nächsten Felsen, als er sah, dass sie sich ohnehin nicht daran hielten. Gott versuchte es noch mal: Mose stieg wieder auf den Berg und brachte neue Tafeln mit – mit den alten Geboten. Die wurden dann in einem vergoldeten Holzkasten verwahrt, im Tempelheiligtum versteckt und sind schließlich verloren gegangen. Aber ihre Worte kennen wir noch: Die Zehn Gebote.
Gott ganz oben, so weit oben, dass er auf den Berg herabsteigen muss. Der Mensch ganz unten, so weit unten, dass er auf den Berg hinaufsteigen muss. Ein Wunder, dass sich Gott und Mensch überhaupt begegnen können. Gottes Gebote sollen dazu helfen, dass Oben und Unten, Gott und Mensch einander etwas näher kommen. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden, beten wir im Vaterunser. Wenn wir Gottes Gebote beachten, dann geschieht auch etwas von Gottes Willen bei uns, und es wird ein bisschen himmlischer.
Manchmal denke ich: Wie gut, dass es Berge gibt; sie erinnern uns daran, dass sich Himmel und Erde, Gott und Menschen ein bisschen näher kommen können.