Freitag, 27. Februar 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 27. Februar 2015

Guten Morgen, liebe Hörer,

mit der biblischen Gestalt des Hiob kreisen wir in dieser Woche um die Frage nach dem Leiden des Menschen.

Hiob schien alles Unheil, das über ihn gekommen war, mit stoischer Gelassenheit und unerschütterlichem Gottvertrauen hingenommen zu haben. Diesen Eindruck hat man nach den ersten beiden Kapiteln des Hiob-Buches.
Ein bisschen bewunderungswürdig, aber vielleicht auch ein bisschen unglaubwürdig.
Wer hält das aus, was er einstecken musste an Schicksalsschlägen?
Fast alles hatte er verloren: seinen Besitz, seine Kinder, seine Gesundheit.

Im dritten Kapitel aber erleben wir keinen stoischen, gottergebenen Hiob mehr.
Hiob tat seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.So beginnt es.
Eine einzige Klage und Anklage gegen Gott:
„Wäre ich doch nicht geboren worden!
Wäre ich doch gleich bei meiner Geburt gestorben!
Läge ich doch schon im Grab und hätte meine Frieden!
Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen – denen, die auf den Tod warten, und er kommt nicht?Meine schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden, wovor mir am meisten graute, das hat mich getroffen.
Warum?“

Eine einzige Klage und Anklage gegen Gott.
Ein einziges großes Fragezeichen:
WARUM?

Kurz zuvor hatte es noch geheißen: In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.Gilt das jetzt immer noch?
 – Ich glaube ja.
So sehr er klagt, so schlimm er leidet, so verzweifelt er fragt – er versündigt sich nicht.
Er hat alles Recht zu fragen, zu kämpfen, zu zweifeln.
Eben weil es so schlimm ist.
Eben weil es ihm so sinnlos erscheint.
Eben weil er seinen Gott, an dem er immer festgehalten hat, nicht mehr versteht.

Für mich ist das immer wichtig und tröstlich, dass das so in der Bibel steht.
Nicht nur hier. Auch an anderen Stellen klagen Menschen und hadern mit Gott.
Viel schlimmer wäre es, sie würden es nicht mehr tun und würden sich ganz von ihm abwenden.

Wenn Menschen über Gott klagen oder besser noch: sich bei Gott beklagen, dann haben sie ja doch wenigstens noch die Hoffnung, dass da einer ist, der sie hört, der dem Sinnlosen vielleicht doch noch Sinn geben kann und der das Unglück vielleicht doch noch wenden kann.

Hiob macht Gott verantwortlich für sein Schicksal.
Und das ist richtig so.