Montag, 10. Februar 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Montag, dem 10. Februar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

Im Anfang war das Wort. So beginnt bekanntlich das Johannesevangelium im Neuen Testament.

Vielleicht erinnern sich manche von Ihnen an Goethes Faust, der sich daran macht, diesen Satz zu übersetzen und schnell darüber ins Schlingern gerät: Ich kann das Wort so hoch nicht schätzen; ich muss es anders übersetzen. – Vielleicht doch lieber: Im Anfang war der Sinn oder Im Anfang war die Kraft? Schließlich schreibt er: Im Anfang war die Tat.

Goethe, der Meister der Worte, hat in dieser Szene eingefangen, was der Geist seiner Zeit war und vielleicht auch noch unser Zeit ist: Worte zählen nicht, auf Taten kommt es an. Schon ganz zu Beginn des Stücks hieß es ja: Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen! Und auch wir sind manchmal der vielen Worte leid, wenn ihnen keine Taten folgen.

Um Worte vor allem, soll es in den Zündfunken dieser Woche gehen. Die Bibel jedenfalls hält das Wort für grundlegend: Im Anfang war das Wort. Die Bibel selber besteht ja auch aus ganz vielen Worten, und Christen sind überzeugt: Das ist Gottes Wort. Meine Arbeit als Pfarrer besteht auch zum allergrößten Teil aus Worten – die ich sage, lese, schreibe, auslege. Und auch diese kleine Morgenandacht ist ja nichts weiter als eine Ansammlung von Worten. Wenn ich der Meinung wäre, dass Worte nichts bewirken, könnte ich das gleich sein lassen.

Genau genommen sind Wort und Tat keine Gegensätze. Worte sind auch Taten, sie bewirken etwas. Denken wir an die Worte eines Gesetzes: Sie bewirken, dass alle – oder fast alle – sich daran halten. Denken wir an die Worte eines Richters: Sie entscheiden, wem etwas gehört, wer etwas tun darf oder unterlassen muss, wer bestraft wird und wer frei gesprochen wird. Und denken wir auch an die Worte, die wir so tagein tagaus hören. Was kann doch ein Wort wie „Du Rindvieh!“ in uns auslösen, oder aber auch „Du bist ein Schatz!“ Und denken wir daran, wie es unsere Einstellung verändern kann, wenn wir über jemanden etwas Schlechtes gehört haben – oder etwas Gutes. – Worte bewirken etwas. Worte sind Taten.

Unterschätzen wir nicht die Macht der Worte!