Mittwoch, 9. Oktober 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Mittwoch, dem 9. Oktober 2013

Guten Morgen, liebe Hörer,

„und was sagt man da?“, wurden wir als kleine Kinder ermahnt, wenn jemand uns ein Bonbon oder irgendwas Anderes geschenkt hatte. – „Danke“ – das war die richtige Antwort. Wahrscheinlich haben wir es uns eingeprägt, und wir sagen ganz selbstverständlich Danke, wenn jemand uns was gibt oder schenkt oder was Gutes tut. Und wahrscheinlich – hoffentlich! – haben wir es unseren Kindern auch beigebracht, Danke zu sagen.

Danke sagt man, wenn man etwas bekommt, worauf man keinen Anspruch hat.

Wenn mein Arbeitgeber mir meinen vertraglich festgesetzten Lohn überweist, brauche ich nicht Danke zu sagen. So wenig, wie er sich bei mir bedanken muss, dass ich meine Arbeit gemacht habe. Hier und an vielen anderen Stellen besteht eine vertragliche Pflicht, die keinen Dank verdient.

Wenn ich eine Gehaltserhöhung bekomme, wenn ich eine Prämie oder Auszeichnung erhalte oder ein Geschenk, dann ist das etwas anderes. Darauf habe ich keinen Anspruch, und deshalb werde ich mich dafür bedanken.

Es ist ein bisschen paradox. Es besteht keine gegenseitige Verpflichtung, und gerade deshalb bin ich zum Dank verpflichtet.

Dank ist eine kleine, symbolische Gegenleistung für etwas Größeres, das ich empfangen habe.

Wir leben davon, dass wir einander nicht nur geben, wozu wir verpflichtet sind, sondern immer auch ein bisschen mehr: ein kleines Geschenk – vielleicht sogar außer der Reihe; eine Hilfe oder Unterstützung, wo wir alleine nicht so gut klarkommen; ein gutes Wort, ein freundliches Lächeln; vielleicht sogar, dass jemand über einen Fehler hinwegsieht, den wir gemacht haben. Und wir leben auch davon, dass wir einander Danke sagen.


Vielleicht fällt Ihnen ja heute jemand ein, dem Sie einfach mal Danke sagen sollten – mit einem guten Wort, mit einem kleinen Geschenk, und vielleicht lächelt er und sagt seinerseits Danke! Und schon ist das Leben ein bisschen schöner.