Freitag, 11. Oktober 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 11. Oktober 2013

Guten Morgen, liebe Hörer,

gestern habe ich über Dankgebete gesprochen. Aber nicht jeder möchte Gott seinen Dank abstatten.

Wir alle kennen wahrscheinlich genug Menschen, die nicht – oder nicht mehr – an Gott glauben. Und wenn es für sie Gott nicht gibt, warum sollten sie ihm dann danken?

Andere sind mit Gott unzufrieden. Es geht ihnen nicht gut, sie sind krank oder behindert, haben keinen Erfolg im Leben, sind unglücklich. Warum sollten sie Gott danken?

Wieder anderen geht es gut; sie haben etwas getan für ihren Erfolg, haben sich etwas erarbeitet und mit den eigenen Händen aufgebaut. Was sie sind, verdanken sie sich selbst. Warum sollten sie Gott danken?

Wahrscheinlich ist es am einfachsten, dieser letzten Gruppe zu antworten: Ja, sicher, du verdankst dir selber sehr viel. Das verdient Anerkennung. Aber war dein Erfolg einfach so vorprogrammiert, oder waren da nicht auch glückliche Umstände, die dazu beigetragen haben und die du nicht in der Hand hattest? Und wenn dir dein Erfolg, dein Geschick und dein Lebensglück schon in die Wiege gelegt war – wer hat es dir dort hineingelegt? – Vielleicht doch Gott? Vielleicht hat er dir schon im Voraus gegeben, womit du dein Leben erfolgreich und glücklich gestalten konntest. Vielleicht hast gerade du Grund, Gott zu danken!

Schwieriger ist es, den Unglücklichen und Gescheiterten zu antworten. Hat Gott sie nicht wirklich vergessen und benachteiligt? – Ich kann sicher niemandem einreden, dass Gott es auch da gut mit ihm meint, wo es für ihn nicht gut ist. Aber ich kann daran erinnern, dass ich Menschen kenne, denen es wahrlich nicht gut geht und die trotzdem Gutes in ihrem Leben entdecken und die glauben und spüren können, dass sie gerade auch im Unglück nicht allein sind und die Gott dafür danken.

Ja, und dann sind da die, für die es Gott gar nicht gibt. Aber das Schöne ist: Auch die meisten von ihnen kennen das Gefühl der Dankbarkeit: für Gutes, für Glück, dafür, dass sie auf der Welt sind. Sie staunen, dass sie leben und ihrem Leben Sinn geben können. Vielleicht sind sie dem Leben dankbar, dem Universum, dem Sein. Vielleicht meinen sie damit sogar dasselbe wie wir, wenn wir es Gott nennen.

Wenn Sie namentlich Gott nicht danken können, vielleicht können Sie ja dennoch dankbar sein.