Freitag, 16. September 2011

Zündfunke (Rundkfunkandacht) am Freitag, dem 16. September 2011


Guten Morgen, liebe Hörer,

ich habe mich gefragt, wie es eigentlich kommt, dass gerade in der Bibel so viele Sprichworte stehen, so viel Alltags- und Lebensweisheit. Wo wir doch von der Bibel eher Hochgestochenes und Anspruchsvolles erwarten.

Wenn wir in der Bibel lesen, dann merken wir, dass da neben dem Anspruchsvollen, neben dem schwer Verdaulichen, ganz viel Menschliches, Allzumenschliches steht. Die Bibel ist eben nicht nur und nicht mal in erster Linie ein Buch, das von Gott spricht; sie ist vor allem ein Buch, das vom Menschen spricht: Wie der Mensch so ist, und wie er sein kann und sein soll.

Und weil die Bibel so ein menschliches Buch ist, können wir sie auch so gut als Spiegel benutzen, in dem wir uns selber wiedererkennen: wir Menschen mit unseren Stärken und Schwächen, mit unseren angenehmen und unangenehmen Seiten.

Dabei ist es doch erstaunlich, dass so ein alter Spiegel noch funktioniert. Offenbar hat sich der Mensch in den vergangenen zwei Jahrtausenden kaum verändert.

Ein Sprichwort gewordener Satz aus der Bibel bringt unsere menschliche Stärke und Schwäche wunderbar auf den Punkt: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach (Markus 14, 38).

So fremdartig die Ausdrucksweise ist – Geist und Fleisch –, so gut verstehen wir doch, was gemeint ist: Wir sind im Allgemeinen durchaus gutwillig, hilfsbereit, fleißig, ehrlich usw. – Aber, aber uns fällt es ausgesprochen schwer, auch nach unseren guten Vorsätzen zu leben. Das merken wir vielleicht immer so ein paar Tage nach Neujahr, wenn die alten schlechten Angewohnheiten wieder da sind, die wir doch gerade zum Jahreswechsel sein lassen wollten. Und dann sagen wir vielleicht: Ja, so ist das eben: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Etwas prosaischer wird das in der Bibel auch so beschrieben: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht (Römer 7, 18b).

Die Frage ist, wie gehen wir damit um? – Hören wir einfach auf, das Gute zu wollen – oder fangen wir doch lieber an, das Gute auch zu vollbringen?

Die Bibel spricht von Gottes Geist, der unserem Geist beispringt, damit das Gute in uns siegt.