Sonntag, 1. März 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 1. März 2015

Guten Morgen, liebe Hörer,

warum müssen Menschen unverschuldet leiden?
Menschen, die plötzlich schwer erkranken, verunglücken, Freunde und Verwandte an den Tod verlieren, oftmals viel zu früh?
Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, wo ein Unglück geschieht oder ein Anschlag?
Menschen, die an etwas glauben und gerade dafür vertrieben, gefoltert oder getötet werden?
Warum müssen Menschen leiden, die es gewiss nicht verdient haben?
Menschen wie Hiob, über den ich in den vergangenen Tagen an dieser Stelle gesprochen haben?
Und wenn Menschen unverschuldet leiden, wie kann Gott das zulassen?

Das biblische Buch Hiob gibt darauf am Ende keine befriedigende Antwort.
Gott ergreift zwar selber das Wort, aber er erklärt nichts.
„Wer mit dem Allmächtigen rechtet, kann der ihm etwas vorschreiben?“, fragt er Hiob.
Und Hiob kann nur sagen: „Du hast Recht, und ich halte meinen Mund.“
Immerhin geht’s dem Hiob am Ende wieder gut.

Nein, befriedigend ist das nicht.
Aber in der Tat: Wer sind wir Menschen, dass wir beurteilen könnten, was Gott tut?
Was bringen am Ende unsere Theorien über Gottes Gerechtigkeit und das Übel in der Welt?
Es bleiben immer Fragen offen und Zweifel bestehen.

Die Bibel erzählt noch eine andere Geschichte über einen, der unverschuldet leidet.
Er hatte anderen geholfen, Kranke geheilt, Gutes gesagt.
Am Ende haben sie ihn gefoltert und öffentlich hingerichtet.
Das war nicht irgendeiner.
Das war der menschgewordene Gott.
Er war zu den Menschen hingegangen, um nicht mehr von oben herab zu ihnen zu reden – so wie zu Hiob.
Er hatte es den Menschen überlassen, die Verantwortung zu übernehmen über Recht und Unrecht und darüber, ob einer zu leiden hat.
Und siehe da: Es war nicht besser so.
Es traf wieder den Unschuldigen.
Es traf Gott selber.

Warum tut Gott das?
Weil Gott bei uns sein wollte in unserem Leiden.
Weil er es am eigenen Leib erfahren wollte, wie es einem Hiob geht und all den anderen, die da leiden, sterben, Unrecht und Unheil erfahren.
Weil er mit uns mitleiden wollte.

Ist das eine Antwort?
Ist das DIE Antwort?
Unser einziger Trost im Leben und im Sterben:
dass Gott mit uns lebt und leidet und stirbt – und am Ende doch lebt?
Und wir mit ihm?
– Ja, für mich ist das die Antwort.