Sonntag, 22. März 2015

Predigt am 22. März 2015 (Gemeindefest – Judika)

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gingen zu Jesus und sprachen: „Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden.“
Er sprach zu ihnen: „Was wollt ihr, dass ich für euch tue?“
Sie sprachen zu ihm: „Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.“
Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“
Sie sprachen zu ihm: „Ja, das können wir.“
Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.“
Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“
Markus 10, 35- 45


Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Frühlingsfest ist heute wieder.
Abschiedsfest für manche auch.
Denn das ist bei vielen Brauch,
dass sie, wie die Vögel ziehen,
Herbstens in den Süden fliehen,
wird es aber wieder März
ziehen sie bald heimewärts,
wo schon Kinder, Enkel warten,
nicht zuletzt der eigne Garten,
alte Freunde und Kollegen:
man muss die Gemeinschaft pflegen.
Sind wir dort auch sehr willkommen,
hier wird Abschied jetzt genommen.
Und auch darum feiern wir
Fincafest mit Wein und Bier,
Kaffee, Kuchen, Mittagessen,
dass wir es ja nicht vergessen:
Hier mit euch ist es so schön.
Hier wolln wir uns wiedersehn,
wenn im Herbst die Vögel ziehen
und wir wieder südwärts fliehen.

Solange es den Menschen gibt,
er immer schon das Feiern liebt.
Geburt und Hochzeit, Erntezeit,
ein Grund zum Feiern ist nie weit.
Willkommen, Abschied, Wiedersehn,
das feiern wir, denn das ist schön.
Ja, wo auch immer Menschen leben,
dort wird es schöne Feste geben.

Auch Jesus feiert gerne Feste,
mischt sich unter die Hochzeitsgäste
in Kana, und ihr wisst vielleicht:
als damals dort der Wein nicht reicht,
macht er aus Wasser besten Wein.
Sie stoßen an, sie schenken ein,
und merken bei der Festtagsfreud’
’ne Spur von Gottes Herrlichkeit.
Oft spricht der Herr von Gottes Reich,
und es ist mehr als ein Vergleich,
erzählt er von dem Hochzeitsmahl
in Gottes Himmelsehrensaal,
wohin wir alle eingeladen
aus seiner wunderbaren Gnaden:
zum Fest in Gottes Ewigkeit
mit Glanz und großer Herrlichkeit.
Hier unser Fest ist kein Vergleich
mit Gottes schönem Himmelreich.
Und doch ist es schon hier so schön.
Und darum können wir verstehn,
was Jesus meint mit dem Vergleich
von Festtagsmahl und Himmelreich.

Jesus – das ist euch bekannt –
hat sich der Jünger zwölf ernannt;
er schenkte ihnen sein Vertraun:
sie sollten seine Kirche baun.
Vor allem Jakob und Johannes,
die Brüder, Söhne eines Mannes,
die fanden das besonders fein
und bildeten sich viel drauf ein,
dass Jesus grade sie erwählte
und sie zu den Aposteln zählte.
Sie dachten an das Hochzeitsfest,
das Gott im Himmel feiern lässt,
und malten es sich herrlich aus,
das Leben dort, den Festtagsschmaus
mit Jesus, ihrem großen Herrn;
an seiner Seite wärn sie gern:
im Himmel so wie schon auf Erden,
nur wird es dort viel schöner werden.
So kommt es ihnen in den Sinn:
Wir gehen gleich zu Jesus hin;
wir wollen keine Zeit verlieren
und heut schon Plätze reservieren –
die besten Plätze, die es gibt,
für die, die er besonders liebt –
rechts und links an Jesu Seit
in Gottes Himmelsherrlichkeit.
Sie sagen Jesus ihre Bitte:
„Du bist doch gern in unsrer Mitte;
und wir wärn gern an deiner Seit
in Gottes Himmelsherrlichkeit.“
Jesus traut kaum seinem Ohr,
so seltsam kommt ihm das hier vor.
Da wollen zwei von seinen Leuten,
‘nen Extra-Platz für sich erbeuten,
‘ne Extra-Wurst vor allen andern,
die doch genau so mit ihm wandern,
die mit ihm leben, kämpfen, leiden.
Sind sie denn besser, diese beiden?
Er sagt: „Ihr habt ja keine Ahnung!
Wisst ihr denn auch bei eurer Planung
für Gottes Fest in Herrlichkeit:
der Weg dorthin führt durch das Leid?
Ich muss den Kelch des Leidens trinken
und in die Todestiefe sinken.
Meint ihr, den Weg könnt ihr auch gehn?“
– „Wir können es, du wirst es sehn!“,
so antworten sie ihm, die beiden,
und Jesus weiß: Sie werden leiden;
es stimmt, sie werden für ihn sterben
und ihren Platz im Himmel erben.
Nur welcher Platz, weiß Gott allein,
ER selbst wird Platzanweiser sein
bei seinem großen Festtagsmahl
im wunderschönen Himmelssaal.

Im Hintergrund, da stehn die andern,
die alle auch mit Jesus wandern,
die mit ihm leben, kämpfen, leiden.
Ja, sind die denn verrückt, die beiden?
So fragen sie sich ganz betroffen.
Vielleicht sind sie ja auch besoffen.
Und haben dabei ganz vergessen,
dass alle Zwölf am Tisch gesessen
mit Jesus hier zu Erdenzeiten
und noch mit vielen andern Leuten?
Und rechts und links zu Jesu Seiten
da saßen nicht nur diese beiden.
Da saß mal Petrus, mal Matthäus,
mal Judas – oder auch Zachäus,
der zu den Zwölfen nicht gehörte,
den Jesus trotzdem so beehrte,
in seinem Haus an seiner Seite
ein Fest zu feiern voller Freude.
So ist die Stimmung ziemlich heiß
in Jesu feinem Jüngerkreis.
Will sagen: Man ist angepisst,
wenn einer gern der Größte ist,
von dem man meint, er ist es nich
(der Größte, das bin nämlich ICH),
wenn einer sich nach vorne drängt
und mir die eigne Sicht beschränkt,
wenn er dem Chef in’ Hintern kriecht
und dann entsprechend danach riecht,
wenn er zu seinen Schwächen schweigt
und mir den Stinkefinger zeigt,
nur stets die große Klappe hat
und half mir nicht, als ich ihn bat,
wenn er sich fromm und heilig gibt,
als ob nur er den Heiland liebt.
Mit solchen Leuten – hab ich recht? –
da ist die Stimmung einfach schlecht.
Doch so ist es damals gewesen;
Andrea hat es vorgelesen.
Zum Glück hat Jesus zugehört
und seine Jünger gleich belehrt:
„So geht es zu in dieser Welt,
dass jeder sich für größer hält
als andere und sie bedrängt,
weil jeder von sich selber denkt,
dass ihm der beste Platz gehört
und dass der andre dabei stört
(es sei denn dass er ihn verehrt
und seinen Glanz und Ruhm vermehrt).
Es geht um Ehre, Macht und Geld –
so geht es zu in dieser Welt.
Ganz anders ist’s im Himmelreich,
ganz anders ist es auch bei euch.
Wer groß ist, der macht sich ganz klein
und will der andern Diener sein.
Der beste Platz ist ihm nicht wichtig,
ein anderer sitzt dort ganz richtig.
Er gönnt dem anderen sein Glück
und wünscht ihm nicht das Missgeschick.
Wenn ihr einander Knechte seid
(und Mägde), dann seid ihr bereit
zu Gottes Fest in Ewigkeit.
Und schon in dieser Erdenzeit
trägt jede frohe Festlichkeit
‘ne Spur von Gottes Herrlichkeit.
So lebe ICH mit euch auf Erden;
so kann auf Erden Himmel werden.“

Und damit ihr’s nicht vergesst:
„Unser Leben sei ein Fest“ –
lasst uns dieses Lied jetzt singen,
und das Wort zum Klingen bringen,
dass wir im Geist Jesu leben,
wenn wir feiern, danken, geben
und den andern leben lassen
nach den eignen Lebensmaßen,
groß und klein und laut und leise,
jeder lebt auf seine Weise,
jeder ist von Gott geliebt,
seinen Platz er jedem gibt,
hier in dieser Erdenzeit
und einst in der Ewigkeit.

Abschied wird heut auch genommen.
Doch wir wollen wiederkommen,
wollen uns gern wiedersehn,
denn mit euch ist es so schön,
wiedersehn in dieser Zeit
oder in der Ewigkeit.
Friede nun auf allen Wegen
und zu allem Gottes Segen,
er erfülle unsern Sinn
und führ uns zu Christus hin!
Amen.