Freitag, 12. September 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 12. September 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,
vor 15 Jahren haben die Katholische Kirche und die Evangelisch-Lutherischen Kirchen eine Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet.
Rechtertigungslehre – was ist das?, werden Sie vielleicht fragen, und: Was geht uns das an?
Nun, die Rechtfertigungslehre war vielleicht der zentrale Streitpunkt, an dem sich im 16. Jahrhundert evangelische und katholische Kirche voneinander getrennt haben.
Wie kommt die Beziehung zwischen Menschen und Gott in Ordnung?, war die Frage.  – Durch Gottes Gnade, das war klar. Aber wie kommt Gottes Gnade zu den Menschen? Kann und muss man etwas dafür tun? – Darüber gingen die Meinungen auseinander. Und für diese unterschiedlichen Meinungen hat man sich gegenseitig verurteilt und der jeweils anderen Seite den rechten Glauben abgesprochen.
Die Gemeinsame Erklärung von 1999 hat dann nach über 400 Jahren festgestellt: Wir haben uns damals missverstanden und aneinander vorbeigeredet. Die Verurteilungen von damals treffen uns heute in unserem Glaubensverständnis nicht mehr. Wir sind uns einig, dass Gottes Gnade uns zu Gott bringt und dass wir sie im Glauben annehmen müssen. Unsere eigenen guten Taten machen uns nicht zu besseren Menschen vor Gott, sondern Gottes Gnade verändert uns zum Besseren. – Alle Unterschiede, wie wir das im Detail interpretieren, sind zweitrangig. Sie müssen uns nicht mehr voneinander trennen.
Ich finde, das ist ein gewaltiger Fortschritt, wenn wir uns als Evangelische und Katholische sagen können: In der Grundfrage des Glaubens, in der Frage unserer Gottesbeziehung sind wir uns einig.
Das ist doch eine Basis, auf der wir weiter miteinander reden und uns auch in strittigen Fragen näher kommen können!