Dienstag, 9. September 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Dienstag, dem 9. September 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

evangelisch oder katholisch, das ist die Frage. – Ist das wirklich die Frage?

Wenn ich Sie fragen würde, warum Sie evangelisch oder katholisch sind, dann würde ich vemmutlich von vielen ein Schulterzucken als Antwort erhalten, oder Sie würden mir erzählen, dass Ihre Eltern eben das eine oder das andere waren, oder sich aus diesem oder jenem Grund entschieden haben, Sie evangelisch oder eben katholisch zu taufen. Und nun sind Sie es eben. Die wenigsten haben sich Ihre Konfession in einer bewussten Entscheidung ausgesucht.

In unseren evangelischen Gottesdiensten im Süden sind immer auch Katholiken dabei. Oft sprechen Sie mich nach dem Gottesdienst an, und ich sage: Habe ich schon gemerkt. Sie haben sich bekreuzigt. Und dann versichern wir uns, dass es zwar bei ihnen und bei uns ein bisschen unterschiedlich ist, aber dass das im Himmel dann auch nicht mehr so wichtig ist. Die Zeiten, wo man noch ernsthaft der Meinung war, die andere Konfession sei vom Teufel, die sind schon lange vorbei; Gott sei Dank!

Wenn ich gefragt werde: ob ich evangelisch oder katholisch bin, dann sage ich manchmal sogar: Beides. – Evangelisch bin ich, weil ich mich an das Evangelium von Jesus Christus halte; Evangelium – das ist die Gute Nachricht. Katholisch bin ich, weil ich zu der allgemeinen, umfassenden Kirche Jesu Christi gehöre; denn nichts anderes bedeutet katholisch: allgemein, allumfassend. Also bin ich auch katholisch, wenn auch nicht römisch-katholisch; und unsere römisch-katholischen Freunde sind auch evangelisch, weil auch sie sich an das Evangelium von Jesus halten.

Natürlich, es bleiben eine Menge Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Kirche, und das Schlagen des Kreuzeszeichens im Gottesdienst ist dabei noch der allerkleinste. Trotzdem: Unsere Gemeinsamkeiten im Glauben an Gott und Jesus sind allemal größer. Das, was uns verbindet, ist viel, viel mehr als das, was uns trennt.