Freitag, 30. August 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 30. August 2013


Guten Morgen, liebe Hörer,

gestern habe ich die kleine Beispielgeschichte von Jesus erzählt: von dem Landwirt, der einfach seine Ernte heranwachsen lässt, ohne etwas zu tun. Er muss einfach nur warten und es wachsen lassen.

Jesus hat diesem Gleichnis noch eine kleine Ergänzung hinzugefügt (Matthäus 13, 24-30). Da kommen die Knechte dieses Mannes aufgeregt vom Feld und berichten: Es wächst lauter Unkraut zwischen dem guten Weizen. So viel, so schlimm, dass sie vermuten, dass da einer bewusst Unkraut ausgesät hat, um Schaden anzurichten. Jetzt, sagen die Knechte, ist es mit dem Warten und Wachsenlassen aber vorbei. Sollen wir etwas unternehmen und das Unkraut ausjäten? – Aber ihr Herr sagt: Nein. Ihr könntet ja etwas von dem guten Weizen mit ausreißen. Lasst lieber beides miteinander wachsen. Bei der Ernte kann das Unkraut besser von dem guten Weizen getrennt und verbrannt werden.

Das Warten kann so richtig schwer werden, wenn auch Schlechtes wächst und man nichts dagegen tun kann. Wenn Unkraut wächst und die Ernte gefährdet.

Immer wieder haben Menschen – im Grunde genommen mit den besten Absichten – andere für Unkraut erklärt und mit Gewalt bekämpft: die Volksfeinde und Klassenfeinde, die rassisch und sozial Minderwertigen, die Ketzer und die Ungläubigen. Auch die Kirche hat das getan – trotz dieses Gleichnisses Jesu. Statt es Gott und dem jüngsten Gericht zu überlassen, die Guten von den Bösen zu scheiden, wollte man vorher schon selber das Himmelreich auf Erden schaffen, wo nur noch das Gute wächst und alle schädlichen Einflüsse ausgerottet sind. Aber das funktioniert nicht. Wer das Böse ausrotten will, steht in der großen Gefahr, darüber selber böse zu werden.

Zu den großen Herausforderungen des Lebens gehört es, dass wir es aushalten müssen, dass zwischen vielem Guten auch viel Schlechtes wächst, dass manchmal sogar der Teufel seine Hand im Spiel hat. Das Schlimmste aber ist nicht das böse Unkraut, das er aussäht; das Schlimmste ist, wenn es ihm gelingt uns selber böse zu machen.

Ich möchte es mit Geduld ertragen, dass in dieser Welt auch Unkraut wächst. Und ich kann es mit Geduld ertragen, weil ich weiß, dass am Ende das Gute zählt, das gewachsen ist.