Sonntag, 22. Januar 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Sonntag, dem 22. Januar 2012


Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

ein Freiheitskämpfer des christlichen Glaubens war Martin Luther. Er hatte die innere Freiheit, zunächst ganz allein mit seinen Einsichten, die er für richtig erkannt hatte, an die Öffentlichkeit zu gehen und sie gegen eine große Mehrheit Andersdenkender zu verteidigen. Er hatte die Freiheit, der damaligen römischen Kirche zu widersprechen – selbst auf die Gefahr hin, seine körperliche Freiheit, ja sein Leben zu verlieren. Luther berief sich auf die Wahrheit der Bibel, die ihn frei machte, und er berief sich auf sein Gewissen, in dem er sich frei wusste.

Mit dem Thema Freiheit hat er sich auch in seinen Schriften beschäftigt; so in einer seiner wichtigsten und bekanntesten: Von der Freiheit eines Christenmenschen. Darin fallen zwei ganz entscheidende Sätze: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Und: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Der zweite Satz scheint dem ersten zu widersprechen. Da wird doch die Freiheit zurückgenommen und davon gesprochen, dass Christen doch Knechte sein sollen.

Gemeint ist damit aber etwas anderes. Gemeint ist die Frage, was denn ein Christ mit seiner Freiheit anstellen soll. Soll er seine Freiheit rücksichtslos ausleben, soll er Gottes Gebote und die Regeln des Zusammenlebens vergessen, weil er ja so frei ist? – Natürlich nicht. Denn wer frei ist, der ist auch verantwortlich dafür, was er mit seiner Freiheit anstellt. Und das Beste und Verantwortlichste, was ein Mensch mit seiner Freiheit tun kann, ist, anderen zu der Freiheit zu verhelfen, die er selber gefunden hat. Wer wirklich frei ist, wird zum Diener der Freiheit.

Altmodisch ausgedrückt: Freiheit verwirklicht sich in der Nächstenliebe. Freiheit ist eben nicht nur die Freiheit, die ich mir nehme, sondern auch die Freiheit, die ich gebe.

Martin Luther hat für sich eine große Freiheit im Sinne von innerer Unabhängigkeit gefunden. Und gerade deshalb hat er seine Freiheit aufs Spiel gesetzt. Er hat sich in Freiheit zum Knecht derer gemacht, denen er die christliche Freiheit nahebringen wollte.

Ich jedenfalls hoffe, ich konnte es Ihnen in diesen Tagen nahebringen, die Freiheit, die Sie genießen, noch ein bisschen höher zu schätzen.