Donnerstag, 19. Januar 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Donnerstag, dem 19. Januar 2012


Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

Freiheit ist schön, aber Freiheit ist nicht einfach.

Ständig muss man sich entscheiden. Wenn ich im Supermarkt zwischen einer Sorte Butter und einer Sorte Margarine entscheiden müsste, wäre es einfach. Aber leider gibt es mindestens zehn Sorten Butter und zwanzig Sorten Margarine, und das macht das Einkaufen so schwer.

Wenn ich bei der Wahl meines Lebenspartners zwischen genau einer Frau und einem Mann entscheiden könnte, dann wäre die Wahl sehr einfach. Tatsächlich aber musste ich unter rund 3 Milliarden Frauen die richtige finden – für Männer interessiere ich mich zum Glück nicht, sonst wäre die Auswahl noch schwieriger geworden.

Diese Beispiele zeigen uns, warum wir uns mit der Freiheit mitunter so schwer tun. Freiheit heißt: Wir müssen auswählen, wir müssen uns entscheiden, und indem wir uns entscheiden, schließen wir andere Möglichkeiten aus. Wir haben eine so große Freiheit, und dann müssen wir uns doch irgendwie einschränken.

Auf der anderen Seite merken wir: nur zwischen Butter und Margarine, nur zwischen Weißkohl und Rotkohl, nur zwischen Sabine und Kerstin entscheiden zu können, das ist zu wenig. Das ist das Prinzip der Unfreiheit, der Bevormundung, der Diktatur.

In Gesellschaften, die die moderne Freiheit nicht kennen ist das so oder war das so. Das Angebot im Konsum damals in der DDR, wo ich herkomme, war so ähnlich. Keiner musste hungern oder frieren, aber Avocados und Oliven, irische Butter und französischen Käse gab es nicht zum Auswählen. Diktatur hieß: Andere entscheiden, was gut für dich ist und schränken deine Möglichkeiten ein.

Was das andere Beispiel, die Partnerwahl, betrifft, so ist das auch in den Parallelgesellschaften deutscher Städte nicht ungewöhnlich. Da entscheiden schon mal Eltern oder große Brüder, wer der richtige Mann für Aishe ist. – Vielleicht bequem für sie; wahrscheinlich aber macht es sie nicht glücklich, und jedenfall ist sie nicht frei dabei.

Freiheit ist nicht einfach, aber Unfreiheit ist viel schlimmer. Gott hat den Menschen so geschaffen, dass er selber entscheiden kann. Dass wir in Verhältnissen leben, wo das auch weitgehend möglich ist, darüber bin ich ausgesprochen froh und dankbar.