Samstag, 10. Dezember 2011

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Samstag, dem 10. Dezember 2011


Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

in vielen Advents- und Weihnachtsliedern ist die Rede vom Morgenstern, ein Bild für Jesus Christus. Am eindrücklichsten und bewegendsten ist für mich das Lied: Die Nacht ist vorgedrungen:


Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Bei diesem Lied kann ich den Dichter und sein Geschick nicht vergessen. Es ist Jochen Klepper. Und er weiß, wovon er dichtet, wenn er von der Nacht und vom Dunkel schreibt. Unter dem Lied steht die Jahreszahl 1938. Es ist der Advent nach den Pogromen vom 9. November. Fast jeder Tag bringt neue Einschränkungen, neue Schreckensnachrichten für die Juden. Und Jochen Klepper ist mit einer Jüdin verheiratet.

Ja, es ist Nacht. Aber die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. Der Morgenstern ist schon aufgegangen, der die Sonne ankündigt. Es sind Verse, die wirklich aus Tränen geboren sind – und aus dem Lichtschein von Advent und Weihnachten.

Kleppers Tagebuch beginnt jeden Tag mit einem Bibelwort aus den Losungen. Diese Worte sind ihm Lichtstrahlen im Dunkel.

Aber es ist nur erst der Morgenstern, noch nicht die Sonne selbst. Der Glanz des neuen Tages ist noch nicht aufgegangen. So ist unsere Welt im Advent:


Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.

Vier Jahre später, im Advent 1942 ist das Dunkel um ihn herum so tief geworden, dass es in dieser Welt keine Hoffnung mehr für ihn und für seine Frau gibt: Die Zwangsscheidung steht bevor und die Deportation seiner Frau ins Vernichtungslager. Gemeinsam kommen sie dem zuvor.

Auf der letzten Seite seines Tagebuchs stehen die folgenden Sätze:
“Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst.
Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. 
Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.”

Der heutige 10. Dezember ist der Todestag von Jochen und Hanni Klepper.