Sonntag, 25. Dezember 2011

Predigt am 24. Dezember 2011 (Heiligabend)


Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift , wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.
Jesaja 9, 1-6


Liebe Gemeinde,

Weihnachten ist der Lichtblick für die Welt. Weihnachten ist das Zeichen der Hoffnung. Denn uns ist ein Kind geboren. Und ein Kind, das ist immer ein Zeichen der Hoffnung.

Dieses Kind mehr noch als alle anderen. So unscheinbar es geboren wird, in tiefster Armut, am Rande der Welt, so sehr ist es für die, die ihm begegnen, ein göttliches Kind, der Hoffnungsträger. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden – das war seiner Mutter vom Engel des Herrn gesagt worden (Lukas 1, 32). Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr – das war den Hirten draußen vor Bethlehem verkündet worden, ebenfalls vom Engel des Herrn (Lukas 2, 11). Den neu geborenen König der Juden suchten die Weisen aus dem Osten, geleitet von einem Stern (Matthäus 2, 1f).

Es waren lauter Licht- und Hoffnungszeichen, die auf dieses Kind hinwiesen. Und es waren die alten Schriften der Propheten, die von einem Kind sprachen, das Gottes Kind sein würde und ein König der Freude, der Freiheit und des Friedens. Durch dieses Kind würde es licht werden in einer dunklen Welt, in einer dunklen Zeit.

Und das haben sie gesehen und gespürt: Maria war tief bewegt in ihrem Herzen (Lukas 2, 19). Die Hirten lobten und priesen Gott mit lauter Stimme (Lukas 2, 20). Die Weisen wurden hocherfreut (Matthäus 2, 10). – Und wir, wir begehen diesen Tag ebenfalls mit weihnachtlicher Freude und versuchen Freude zu verbreiten. Wir stimmen ein und loben und preisen Gott mit unseren Weihnachtsliedern. Und wir spüren in unseren Herzen dem Besonderen dieses Tages nach.

Das ist doch erstaunlich an Weihnachten: Weihnachten ist und bleibt ein besonderes Fest für uns. Ein Lichtblick, ein Hoffnungszeichen. Wir mögen noch so aufgeklärt und nüchtern sein: Weihnachten geht zu Herzen. Wir mögen Schnee und Kälte daheimlassen: aber wir kommen zur Kirche und singen die Weihnachtslieder. Wir mögen uns große Geschenke unter den Baum legen oder wir mögen darauf verzichten, uns überhaupt noch Geschenke zu machen: aber wir spüren immer noch etwas davon, dass Gott uns beschenkt.

Man könnte meinen, mit Weihnachten, mit der Geburt dieses Kindes sei Gott hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Der Friede-Fürst hat nicht den Weltfrieden gebracht, damals nicht und bis heute nicht. Der Gott-Held hat die Menschen damals nicht von der Fremdherrschaft befreit, und bis heute leben Menschen unter unsäglichen Bedingungen. Die Freude über die Geburt Jesu hat nicht lange angehalten; Leiden und Trauer gehören bis heute zur menschlichen Existenz dazu.

Ja, und doch hat mit Weihnachten etwas angefangen, die Verwandlung der Welt. Sie geschieht vielleicht anders, als wir uns das wünschen oder vorstellen würden. Nicht mit einem Schlag, nicht damit, dass ein Herrscher einfach Frieden befiehlt oder mit Waffengewalt für Ruhe sorgt: Das wäre dann doch nur ein Friedhofsfrieden. Nicht so, dass ein Revolutionär die Verhältnisse umkehrt und die Unterdrückten die neuen, vielleicht noch schlimmeren Unterdrücker werden. Und nicht so, dass Freude und Jubel verordnet und inszeniert wird. Das alles haben wir gesehen und erlebt: faulen Frieden; Knechtschaft, die sich Volksherrschaft nannte; und Frohsinn hinter Stacheldraht. Und in manchen Weltgegenden sehen und erleben wir es immer noch.

Die Verwandlung der Welt, die zu Weihnachten angefangen hat geschieht anders. Nicht schlagartig, nicht auf Befehl, nicht mit Zwang und Gewalt. Sie geschieht weniger sichtbar, aber dafür, um es mit einem Modewort zu sagen: nachhaltiger.

Denn so ist es ja: Weihnachten wirkt nach, wirkt weiter bis heute, bis zu uns.

Überall, wo Menschen Weihnachten feiern, da werden sie auch heute froh und frei und friedlich. Friede, Freiheit und Freude breiten sich aus, wo Christus der Retter geglaubt und angebetet wird – so wie damals im Stall von Bethlehem. Denn das Kind in der weihnachtlichen Krippe ist das Zeichen der Hoffnung, der Lichtblick für die Welt. Sein Lichtglanz fällt heute in unsere Herzen hinein und strahlt morgen und übermorgen aus unseren Herzen heraus – hinein in unsere Welt. So ist es. So sei es. Amen.