Samstag, 17. Januar 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 17. Januar 2015

Guten Morgen, liebe Hörer,

wir haben in den letzten Tagen verschiedene Typen von Propheten aus der Bibel kennengelernt: Da gab es die Propheten, die den Menschen Hoffnung gemacht haben in schwerer Zeit. Die Visionen von einer besseren Zukunft hatten und zum Gottvertrauen in der Gegenwart aufgerufen haben: So war es zum großen Teil beim Propheten Jesaja. Und dann gab es Propheten, die den Menschen Unheil ankündigten. Die ihnen auf den Kopf zu sagten, dass sie gegen Gottes Gebote handelten und Gottes Strafe zu erwarten hätten. So war es bei Nathan oder Micha, oder auch bei Jona. Sie hatten die unangenehmere Aufgabe. Gutes zu verkündigen und den Menschen Hoffnung zu machen, ist meistens leichter, als ihnen zu sagen: „Es wird alles noch viel schlimmer, als ihr denkt.“

Einer, der immer wieder Unheil ankündigen musste, das ihn dann auch selber mit traf, das war Jeremia.

Es wird erzählt, wie Jeremia mit einem Holzjoch herumlief als Zeichen dafür, wie die Völker unter dem Joch der Babylonier zu leiden hätten. Ein anderer Prophetenkollege trat ihm entgegen, nahm das Joch von seinem Nacken und zerbrach es: „So soll das Joch Nebukadnezzars, des Babylonier-Königs zerbrochen werden innerhalb von zwei Jahren“, sagte er. Jeremia konnte nur antworten: „Gebe Gott, dass du Recht hast.“ – Aber dann hörte Jeremia Gottes wahre Botschaft wieder und ging zu seinem Kollegen und sagte ihm: „Du hast das hölzerne Joch zerbrochen; Gott wird uns ein eisernes Joch auferlegen.“

Jeremia hat Recht behalten. Die babylonische Fremdherrschaft hatte gerade erst begonnen und sollte noch mehrere Jahrzehnte währen.

Jeremia war eine wirklich tragische Prophetengestalt. Er warnte vor der Flucht nach Ägypten; und seine Landsleute nahmen ihn als Gefangenen mit – nach Ägypten. Dort verlieren sich seine und ihre Spuren.

Was ist einfacher? Heil zu verkündigen oder Unheil? – Heute hat man fast den Eindruck, dass die Unheilspropheten lieber gehört werden.

Entscheidend ist allemal, was Gott zu sagen hat. Und ich frage mich nicht ohne Sorge: Wo sind die wahren Propheten, die uns heute sein Wort sagen?