Montag, 12. Januar 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 12. Januar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

das Jahr ist noch jung. Und was es bringen wird, wissen wir nicht. So viele offene Fragen haben wir mitgenommen aus dem alten Jahr. So viele ungelöste Probleme. Griechenland und der Euro sind wieder mal  Thema. Russland und die Ukraine beschäftigen uns weiter. Terroristenarmeen, die sich auf die islamische Religion berufen. Und Menschen, die Angst haben vor Gewalt und Überfremdung oder auch nur vor Veränderungen vor ihrer Haustür. – Was wird aus all dem werden im neuen Jahr?
Wir wissen es nicht. Und ich weiß es auch nicht. Ich bin ja kein Prophet.

Manche meinen, wir von der Kirche müssten so was wie Propheten sein. Denn Prophetie ist ja eine Gottesgabe. Und wir, die wir mit dem lieben Gott auf Du und Du stehen, wir müssten doch den Durchblick haben und sagen können, was die Zukunft bringt.

Tatsächlich ist das, was die Kirchen über die Zukunft sagen, nicht viel besser oder genauer als das, was andere auch denken und sagen. Manche betätigen sich als Unheilspropheten, malen zum Beispiel die ganz große Klimakatastrophe an die Wand. Aber genau genommen hat das weniger mit Prophetie zu tun als mit nachgeplapperten Prognosen anderer Herkunft. Und vor allem: Mit den viel dringenderen Problemen der Gegenwart haben solche Prognosen, wie die Welt in 30 oder 80 Jahren aussehen könnte, wenig zu tun. Wir wissen noch nicht mal, wie die Welt in einem Jahr aussehen wird.

Ich möchte Ihnen in den nächsten Tagen ein paar Propheten aus der Bibel vorstellen. Dabei werden Sie feststellen, dass diese Propheten meistens gar nicht viel über die Zukunft verraten haben. Sie haben meistens über ihre Gegenwart gesprochen. Und sie haben ihre Zeit anders gesehen als die meisten anderen. Weil sie von Gott her einen besonderen Durchblick hatten.

Ich befürchte, auch von diesem prophetischen Durchblick für unsere Gegenwart sind wir als Kirchen und Pfarrer oft meilenweit entfernt. Uns einfach selber zu Propheten aufschwingen – das können wir nicht. Bitten wir Gott um den richtigen Durchblick für das, was heute dran ist.