Dienstag, 13. Januar 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 13. Januar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

was ist ein Prophet? Einer, der die Zukunft vorhersagt?

Einer der bekanntesten Propheten der Bibel – jedenfalls der, der die meisten Kapitel in der Bibel hat –, das ist Jesaja.

Jesaja ist Ihnen vielleicht gut bekannt aus dem Weihnachtslied: Es ist ein Ros entsprungen. Das geht in der zweiten Strophe so: Das Röslein, das ich meine, davon Jesaja sagt… – Ja, Jesaja sagt einiges, worin die Christen späterer Jahrhunderte Jesus wiedererkannt haben. Zum Beispiel die Stelle, wo er von dem Reis (nicht Ros) gesprochen hat, das aus dem Stamm Isai hervorgehen sollte. Isai heißt auch Jesse. Deshalb auch im Weihnachtslied: von Jesse kam die Art.

Jesaja hat auch den berühmten Satz gesprochen: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen. – Natürlich ist auch dieser Satz auf Jesus Christus und die Jungfrau Maria bezogen worden.

Wenn wir uns aber die Geschichte im Zusammenhang anschauen, ging es um etwas ganz anderes: Das Königreich Juda war von mächtigen Feinden bedroht, den Aramäern im Bunde mit den israelitischen Brüdern aus dem Norden. Und dem König Ahas schlotterten die Knie, weil er ihnen nicht genug Heeresmacht entgegensetzen konnte. In dieser Situation trat der Prophet Jesaja auf und rief seinen König auf, doch auf Gott zu vertrauen. Jesaja versprach dem König ein Zeichen: Eine junge Frau (eine Jungfrau wurde erst in einer späteren Fehlübersetzung daraus), eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären… und ehe der Knabe Gut und Böse unterscheiden kann, wird das Land der beiden feindlichen Könige verödet sein, und ehe er Vater und Mutter sagen kann, sollen sie entmachtet sein. – Und so kam es dann auch, weil sich die politischen Machtverhältnisse durch das erstarkende Ägypten in ganz kurzer Zeit radikal veränderten.

Jesaja hat also keine Vorhersagen für eine ferne Zukunft gegeben, sondern die Gegenwart und die allernächste Zukunft verstanden und gedeutet. Er hatte einen Durchblick für seine Zeit, wie andere ihn nicht hatten.

Er hat diesen Durchblick auf Gott zurückgeführt. Gott hatte ihm gezeigt, wie die Dinge wirklich standen.

Möge Gott auch uns Propheten schenken, die die Zeichen der Zeit erkennen und richtig deuten!