Mittwoch, 14. Januar 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 14. Januar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

im alten Orient hielten sich die Herrscher häufig einen oder mehrere Hofpropheten. Geistliche Ratgeber sozusagen. Im Grunde genommen war das ein riskanter Job. Gleichzeitig dem König verpflichtet zu sein und Gott. Was war, wenn Gott was anderes wollte, als der König? Das konnte den Propheten seinen Posten kosten – oder gleich seinen Kopf.

Auch König David hatte einen Hofpropheten. Nathan hieß er.

Der kam eines Tages zu ihm und erzählte ihm eine Geschichte:

Ein armer und ein reicher Mann wohnten in derselben Stadt: „Der Reiche besaß sehr viel Vieh, Schafe und Rinder. Der Arme hatte nur ein einziges Schäflein; das zog er ganz liebevoll auf und behandelte es wie sein eigenes Kind. Als der Reiche eines Tages Besuch bekam, mochte er keines von seinen eigenen Tieren schlachten, sondern nahm stattdessen dem Armen sein einziges Schäfchen weg und bereitete daraus das Gastmahl zu.“

König David wurde sehr zornig, als er das hörte: „Wer so was tut, soll sterben! Und das Schaf soll er vierfach ersetzen.“ – Er meinte, Nathan hätte ihm eine Begebenheit aus seinem Königreich erzählt.
Nathan antwortete: „Du bist der Mann, der das getan hat! Du hast dir selber das Urteil gesprochen.“

Tatsächlich hatte David unlängst seinem Nachbarn Uria, einem Soldaten im Dienste des Königs, die Frau weggenommen, mit ihr geschlafen, ein Kind gezeugt, und um die ganze Sache zu vertuschen, hatte er den Uria umbringen lassen; ihn ganz geschickt an der Kriegsfront ins Verderben laufen lassen.

Was passiert mit einem, der dem Mächtigen seine Verbrechen auf den Kopf zu sagt? – Nathan spielt mit seinem Leben. Aber es ist kein Spiel, denn er kann nicht anders. Gott treibt und drängt ihn zur Wahrheit, auch zur unbequemen, gefährlichen, ja tödlichen Wahrheit.

Nathan hat Glück; David ist im Grunde ein gottesfürchtiger Mann, er kommt zur Einsicht und bereut bitter, was er getan hat.

Andere in ähnlichen Situationen haben kein Glück gehabt und mussten mit ihrem Leben bezahlen.

Propheten wie Nathan sind Menschen, die Gottes Sicht der Dinge offen aussprechen. Gott sei Dank, gab es immer wieder solche Menschen.