Samstag, 29. März 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Sonnabend, dem 29. März 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. – So hieß ein Lied, das vor ungefähr 40 Jahren in unseren Kirchengemeinden populär war. – Das Bild, das da besungen wurde, ist wesentlich älter. Viele meiner christlichen und theologischen Bücher ziert ein Verlagslogo mit einem Schiff, das ein Kreuz als Mast hat. Es ist ein altes Symbol für die Kirche: Unter dem Kreuz mit Jesus im Boot ist die Gemeinde Gottes unterwegs durch die Zeiten.

Eine Schiffsreise ist nicht ungefährlich – davon habe ich die letzten Tage schon gesprochen –, der Ozean ist wild, und manchmal hat man das Gefühl, dieses Schiff, das sich Gemeinde nennt, wäre nur eine Nussschale. Aus dem Lied von damals spricht in der Tat eine gewisse Verzagtheit, jedenfalls klingt der Refrain doch schon ziemlich verzweifelt: Bleibe bei uns Herr, bleibe bei uns Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer, o bleibe bei uns Herr!

Ich finde: Die Lage der christlichen Kirche ist seither nicht besser, nicht einfacher geworden. Die jüngste Mitgliederbefragung der Evangelischen Kirche hat es deutlich zutage gefördert: Atheismus und Religionslosigkeit sind echte Optionen geworden. Unter jungen Leuten muss man eher begründen, warum man noch an Gott glaubt, als warum man nicht an Gott glaubt. Die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation funktioniert kaum noch. Und wo Glaubenstraditionen abgebrochen sind, gelingt es kaum noch, Menschen neu für den Glauben zu begeistern. Wie viele Jahrzehnte wird es da noch brauchen, bis die christliche Kirche ganz verschwunden sein wird oder nur noch eine winzige Sondergruppe sein wird? Das frage ich mich in Momenten des Zweifels und des Kleinglaubens.

Das Bild vom Gemeindeschiff stammt aus der Bibel (Markus 4/Matthäus 8/Lukas 8). Jesus ist mit seinen Jüngern im Schiff unterwegs über den See Genezareth. Da kommt ein Sturm auf, Wellen schlagen ins Boot; die Jünger bekommen es mit der Angst zu tun; aber Jesus schläft im Heck des Bootes. Seine Jünger wecken ihn: „Ist es dir denn wirklich egal, dass wir umkommen?“ Und Jesus sieht sie an und fragt sie: „Warum seid ihr so furchtsam? Wo ist eigentlich euer Glaube?“ Und er gebietet dem Wind und den Wellen aufzuhören, und da ist es stille.


Ja, frage ich mich, warum bin ich so furchtsam? Wo ist mein Glaube?