Samstag, 8. Juni 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Sonnabend, dem 8. Juni 2013

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

es war einmal ein Vater, der hatte zwei Söhne – zwei! Der eine war in die weite Welt gezogen, gescheitert und wieder heimgekehrt. Umkehr, Buße, Vergebung, Freude: „Die Heimkehr des verlorenen Sohnes“ – Ende gut, alles gut – für ihn!

Und der andere Sohn, der ältere? Er war die ganze Zeit daheim geblieben bei seinem Vater. Hatte nichts Böses gemacht, kein Geld verplempert, nicht gesoffen, nicht gehurt, treu und brav auf dem Hof des Vaters mitgearbeitet.

Als er von weitem hört, dass im Hause eine Party steigt, wundert er sich: Das ist nicht üblich! Was ist da los? Von einem aufgeregten Mitarbeiter erfährt er: „Denk dir, dein Bruder ist heimgekehrt und dein Vater ist überglücklich und hat das Kalb geschlachtet und gibt ein großes Fest, weil er ihn gesund wiederhat.“ – Und da ist er sauer. Zu diesem Fest geht er nicht!

Sein Vater geht zu ihm hin, lädt ihn noch mal ganz persönlich ein, dabeizusein und mitzufeiern. Aber er entgegnet bitter: „Ich bin die ganze Zeit bei dir und lebe und arbeite auf deinem Hof; und für mich und meine Freunde gibt es nie ein Fest. Aber wenn der da, dein Sohn, der dein ganzes Geld mit Huren durchgebracht hat, wiederkommt, dann ist Party angesagt?“

Liebe Hörerinnen und Hörer, ein bisschen kann ich ihn schon verstehen, diesen älteren Sohn. Da kann man doch eifersüchtig werden, wenn nicht das eigene Wohlverhalten honoriert wird, sondern im Grunde genommen das Fehlverhalten des anderen!

So ähnlich habe ich es vor Jahren in einer Kirchengemeinde erlebt: Da kamen Leute von außen in die Gemeinde, wollten wieder in die Kirche eintreten und wurden von mir mit Freude und Wohlwollen aufgenommen. Und andere, die schon lange dabei waren, zogen sich zurück: „Wir haben die ganzen schweren Jahre in der DDR in der Gemeinde mitgemacht und immer treu zur Stange gehalten. Und die, die haben sich angepasst, waren in der Partei und hatten keine Probleme. Und jetzt werden sie hier hofiert. Ohne uns!“ – Tragisch, wenn die Eifersucht so weit geht, dass man sich nicht mehr mitfreuen kann, wenn jemand anders auf den rechten Weg zurückfindet. – Ihr habt ja vielleicht Recht, habe ich ihnen gesagt, aber sollen wir nicht vor allem da sein für die Sünder, die Buße tun?