Donnerstag, 6. Juni 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Donnerstag, dem 6. Juni 2013

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

ein Vater hatte zwei Söhne, der jüngere wollte in die weite Welt hinausziehen und ließ sich von seinem Vater das Erbe auszahlen. Aber innerhalb kurzer Zeit verprasste er alles, was er hatte, so dass er sich schließlich als Schweinehirte durchschlagen musste. Als es ihm am schlechtesten ging, beschloss er, nach Hause, zu seinem Vater zurückzukehren.

Als er noch ein ganzes Stück entfernt war, sah in sein Vater schon weitem kommen und fiel ihm um den Hals, umarmte und küsste ihn, so dreckig und heruntergekommen er auch war. Und er, der dreckige und heruntergekommene und doch wieder heimgekehrte Sohn sprach die Worte aus, die er sich schon die ganze Zeit zurechtgelegt hatte: „Vater, ich habe Unrecht getan, ich habe gesündigt; ich bin nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.“

Jetzt ist er also wieder zu Hause angekommen, der verlorene  Sohn. Ganz anders, als er aufgebrochen war. Vor allem auch mit einer anderen Einstellung. War er losgezogen, als hätte er einen ganz selbstverständlichen Anspruch auf die Vorauszahlung seines Erbes, so steht er jetzt da mit leeren Händen, ohne Anspruch, angewiesen auf Gnade und Wohlwollen. Sein Vater hätte alles Recht ihn rauszuschmeißen. Er hatte seine Chance gehabt … Auf einen Neuanfang, auf eine zweite Chance besteht kein Anspruch.

„Ich habe mich doch entschuldigt“, höre ich manchmal sagen. Da artikuliert sich tatsächlich so was wie ein Anspruch auf Vergebung und eine zweite Chance. – Aber es stimmt ja nicht: Ich kann mich nicht entschuldigen. Ich kann nur um Entschuldigung bitten. Der andere, der, an dem ich schuldig geworden bin, mein Mitmensch und mein Gott, der kann mich entschuldigen, mir vergeben und einen neuen Anfang ermöglichen. Ich nicht, denn ich stehe in seiner Schuld.

Wenn ich um Entschuldigung bitte, dann übernehme ich die Verantwortung für das, was ich getan habe. Und damit zeige ich eine gewisse Größe, auch dort, wo ich gescheitert bin.

Joachim Gauck erzählte einmal, wie ihn einer seiner Stasi-Spitzel weinend und offensichtlich ehrlich erschüttert um Verzeihung bat; und die sei ihm in dieser Situation sehr leicht gefallen. Denjenigen, die so taten, als wäre nichts gewesen, denen konnte er nicht so einfach vergeben.


Nein, es ist keine Schande, sondern eine Chance, um Entschuldigung und Vergebung zu bitten.