Mittwoch, 5. Juni 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Mittwoch, dem 5. Juni 2013

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

ein Vater hatte zwei Söhne, der jüngere wollte in die weite Welt hinausziehen und ließ sich von seinem Vater das Erbe auszahlen. Aber innerhalb kurzer Zeit verprasste er alles, was er hatte, so dass er sich schließlich als Schweinehirte durchschlagen musste.

Als er da hungernd im Schweinestall saß, erinnerte er sich an sein Zuhause, an seinen Vater und dessen Hof, wo es, so lange er denken konnte, noch niemals Hunger gegeben hatte und wo selbst die Knechte und Tagelöhner ihr Auskommen hatten. Und er sagte sich: „Ich will mich auf den Weg machen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: ‚Vater, ich habe Unrecht getan. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; aber mach mich doch wenigstens zu einem deiner Tagelöhner!‘“ Nachdem er sich diese Worte zurechtgelegt hatte, ließ er die Schweine Schweine sein und machte sich auf den Weg zu seinem Vater.

Eigentlich ist es eine ganz einfache Sache, umzukehren, wenn man sich in die Sch..., in den Dreck manövriert hat. Zurück an den Anfangspunkt. Und doch ist es eine ganz, ganz schwere Sache. Denn man muss sich und anderen und – ja, letztlich Gott – eingestehen, dass man Mist gebaut hat, versagt hat, gescheitert ist. Es ist dieser schwere Moment, wo man sich sein Versagen nicht mehr schön lügen kann. Und wo man auch nicht mehr alles auf die Umstände schieben kann: Ich bin ausgenutzt worden. Ich hatte kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Sondern, wo man sagen muss: Ich habe es verbockt, ich habe es verkehrt gemacht.

Aber eigentlich sind Menschen bewundernswert, die an diesen Punkt kommen, dass sie es sich und anderen eingestehen. Es ist der Augenblick, wo etwas neues beginnen kann, wo es nicht mehr immer noch schlimmer wird, sondern wo ein Fünkchen Hoffnung aufglimmt.

Ich denke an Menschen mit Suchtproblemen, die endlich sagen konnten: Ich kann nicht mehr, ich brauche Hilfe. Ich denke auch an Menschen, die zu mir gekommen sind und zugeben mussten: Ich bin hier auf der Insel gescheitert; ich will nur noch in den nächsten Flieger und heim nach Deutschland. – Das haben wir zusammen möglich gemacht, und dann kam nach ein paar Wochen eine kurze Meldung aus Deutschland, dass es jetzt langsam besser wird.


Wie gut, wenn der Tiefpunkt zum Wendepunkt wird.