Mittwoch, 29. Februar 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Mittwoch, dem 29. Februar 2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

der christliche Glaube ist vor allem für das zuständig, was man nicht sehen, nicht hören, nicht messen, nicht berechnen kann. Und was wir trotzdem zum Leben brauchen: Glauben und Vertrauen, Liebe und Zuneigung, Sinn und Hoffnung. Der christliche Glaube ist zuständig nicht nur für diese Welt, in der wir jetzt für eine gewisse Zeit leben, sondern vor allem für Gottes Welt, zu der wir schon gehören und in der wir ewig leben werden.


Ich erlebe in unseren Kirchen und Gemeinden eine große Zurückhaltung, wenn es darum geht über den Himmel, das ewige Leben und die Auferstehung der Toten zu reden, also über das, was wir nicht sehen und doch glauben – oder glauben sollen – oder glauben wollen – und vielleicht kaum glauben können.


Es ist in gewisser Weise tröstlich, dass schon die Apostel in biblischen Zeiten ein Problem damit hatten, glaubwürdig von der Auferstehung und dem ewigen Leben zu reden. Über eine Begegnung zwischen Paulus und den gebildeten Athenern wird bezeichnenderweise berichtet: Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiter hören (Apostelgeschichte 17, 32). – Offensichtlich konnte sich Paulus in diesem Punkt nicht verständlich machen.


Er muss weiter darüber nachgedacht haben. Im 1. Brief an die Korinther findet er Bilder und Beispiele für das, was wir uns eigentlich gar nicht vorstellen können. Er vergleicht unseren irdischen Leib mit einem Weizenkorn, mit einem Samen, der in die Erde fällt und der sich durch Wärme, Feuchtigkeit und die nötigen Nährstoffe in eine Pflanze verwandelt. Dem Samenkorn sieht man nicht an, was in ihm steckt. So sieht man es auch uns nicht an, was in uns steckt und was aus uns werden kann in Gottes Ewigkeit. Es übersteigt unsere Vorstellungskraft.


In den Herrnhuter Losungen steht heute ein Vers aus diesem Kapitel: Gesät wird in Niedrigkeit, auferweckt wird in Herrlichkeit. Gesät wird in Schwachheit, auferweckt wird in Kraft (1. Korinther 15, 43).


Vielleicht können uns solche und ähnliche Bilder helfen zu glauben, was wir nicht sehen und doch zum Leben brauchen: dass wir zu Gottes Welt gehören und bei ihm ewig leben werden.