Dienstag, 28. Februar 2012

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Dienstag, dem 28. Februar 2012

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

manchmal klingen Bibelworte überaus aktuell. So steht heute in den Herrnhuter Losungen der folgende Satz: Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen. (1. Timotheus 6,10)


Europa, vielleicht sogar die Welt, befindet sich in einer ernsten Finanzkrise, und woran das liegt, ist schnell ausgemacht: an der Geldgier. Gierige Banker, gierige Manager, gierige Spekulanten – sie sind Schuld an der Krise. So heißt es. Oder gleich das ganze Finanzsystem.


Ich muss gestehen, mir ist diese Erklärung zu einfach, zu einäugig. Ich sehe die Geldgier viel weiter gestreut: auch bei uns, auch bei mir. Wenn ich mich nach einer möglichst ertragsstarken Anlage für mein Vermögen umsehe, dann bin ich selber auch ein Spekulant, der möglichst viel rausholen will aus seinem eingezahlten Kapital. Mein Fondsmanager spekuliert halt in meinem Auftrag, und ich bin Teil des Systems.


Und auch als Steuerzahler und Staatsbürger, der ich versuche, so wenig wie möglich einzuzahlen, aber so viel wie möglich herauszuholen aus den staatlichen Leistungen und den Sozialkassen, handle ich im Grunde genommen geldgierig und trage mit zum Staatsschuldendesaster bei.


Man kann sagen: Das ist ökonomisch gesehen ein ganz rationales Verhalten. – Oder man nennt es eben Geldgier.


Das Problem daran ist: Der Mensch ist so. Er handelt gewinnorientiert. Und es ist nahezu unmöglich, aus diesem System auszusteigen. Ganz und gar unmöglich ist es, es abschaffen zu wollen. Dann müssten wir den Menschen abschaffen. Entsprechende Experimente sind bereits gescheitert.


Was uns helfen könnte, das liegt auf einer anderen, auf der persönlichen Ebene. Stellen wir uns einfach immer mal wieder die folgenden Fragen: Ist das Geld für uns Lebensinhalt oder Lebensmittel? Hängen wir unser Herz ans Geld oder an Gott? Geht für uns die Welt unter, wenn wir finanziell und materiell Verluste machen, oder wissen wir uns so oder so in Gottes Hand? Können und wollen wir teilen und abgeben von dem, was wir haben?



Der Gegensatz zur Gier ist Großzügigkeit. Wer Gott vertraut, kann sich Großzügigkeit leisten.