Montag, 11. Juli 2011

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Montag, dem 11. Juli 2011


Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

wofür leben Sie eigentlich? – Zugegeben, eine solche Frage am Montagmorgen ist eine ganz schöne Zumutung. Ich würde auch, ehrlich gesagt, von niemandem erwarten, dass er mir auf Anhieb sagen kann, was für ihn der Sinn des Lebens ist.

Aber ich vermute, jeder von uns hat bestimmte Ziele. Das können große Ziele sein, eine Karriere, ein Lebensplan. Das können kleine Ziele sein: das, was ich mir für den heutigen Tag vornehme. Dafür lebe ich: für die großen und kleinen Ziele, die ich erreichen möchte.

Und jeder hat bestimmte Werte, Lebenswerte. Ich meine damit das, was es mir wert ist, dass ich dafür lebe.
Ich möchte in dieser Woche mit Ihnen über verschiedene Lebenswerte nachdenken. Denn, so höre ich es immer wieder, das ist ja unsere Aufgabe als Kirche, Werte zu vermitteln.

Werte können sehr verschieden sein: Der Wert von Wertpapieren oder von Immobilien. Oder das hohe Gut Gesundheit, das mir viel wert ist. Liebe und Geborgenheit in der Familie. Oder meine persönliche Freiheit. Alles das können Lebenswerte sein.

Welche Werte sind die wahren Werte?

Ich musste an ein Gedicht von Eva Strittmatter denken. Es heißt auch: Werte.

Die guten Dinge des Lebens
sind alle kostenlos:
die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
Das kommt vom frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
die Luft nach ihrem Werte
und Wasser als Lebensgewinn,
und Liebe, die unbegehrte,
nahmen wir herzleicht hin.
Nur selten noch atmen wir richtig
und atmen die Zeit mit ein,
wir leben eilig und wichtig
und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
wir eine Pflicht und Last.

Und das Leben kommt dem zu teuer,
der es zu billig auffasst.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie für sich die lebenswerten Lebenswerte gefunden haben oder noch finden werden.