Sonntag, 30. März 2014

Predigt am 30. März 2014 (Sonntag Lätare)

So spricht der HERR: Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich heimholen. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.
Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will.
Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.
Jesaja 54, 7-10


Liebe Schwestern und Brüder,
Ich bin dann mal weg. – Das war das Predigtmotto vor 14 Tagen beim Gemeindefest. Es ging um unsere Mobilität: Wir sind mal da, mal dort. Wir sind unterwegs auf den Pilgerpfaden des Lebens. Und unser Leben hat ein Ziel. Und wenn wir zum letzten Mal sagen: Ich bin dann mal weg, dann sind wir gleich angekommen – bei Gott.
Was aber, wenn Gott sagt: Ich bin dann mal weg? Und wir stehen da – ohne ihn.
Ich erinnere mich, wie das war, als ich Kind war, und meine Mutti hatte gesagt, sie wäre mal kurz weg: Ich komm gleich wieder. Nur mal schnell … einkaufen oder was auch immer … Natürlich konnte klein Roland schon allein zu Hause bleiben und wusste, dass man keine Dummheiten anstellen darf, das tat er auch nicht, er vertiefte sich ins Spiel mit seinen Autos oder Bausteinen. Aber irgendwann, nach einer ganzen Weile tauchte er aus dem Spielen wieder auf und merkte: Die Mutti war immer noch nicht wieder da. Dabei war sie jetzt schon ziemlich lange weg. Er wandte sich dem Spiel wieder zu, aber er war nicht mehr bei der Sache. Unruhig lief er hin und her, zur Tür, zum Fenster. Wo war sie? Wann kommt sie endlich? Wenn ihr etwas Schlimmes passiert ist? Wenn sie nie wieder kommt? Die Ängste wurden immer schlimmer. Die Tränen kamen. – Irgendwann nach endloser Zeit ging das Schloss und klein Roland warf sich seiner Mutti schluchzend an den Leib: „Warum warst du so lange weg?“ – Ja, irgendwas war noch. Ich weiß es nicht mehr. Nichts Schlimmes. Und so lange war sie am Ende gar nicht weg. – Sie hat mich auf den Arm und getröstet. Und bald war alles wieder gut.
Trotzdem: Irgendwas davon ist hängen geblieben. „Ich bring mal Müll raus“, sagt Andrea vor ein paar Tagen. Nach einer dreiviertel Stunde denke ich: Sie sollte langsam mal wieder kommen vom Müllrausbringen, und eine gewisse Unruhe bemächtigt sich meiner. Irgendwas ist da doch hängen geblieben von meiner Erfahrung als Kind. – Natürlich kommt sie wieder: mit Tüten bepackt, vom Mercadona. Naja, hätte sie ja sagen können, sage ich ihr. Und dass du nie dein Handy dabei hast, dann könntest du wenigstens anrufen, wenn was ist. Oder ich.
Es sind diese Urängste in mir, in uns: Der geliebte Mensch kommt nicht wieder. Verlassen da stehen.
Das Allerschlimmste aber ist, von Gott verlassen zu werden. Oder das Gefühl zu haben, von Gott verlassen zu sein.
Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, sagt Gott. Das ist entsetzlich! Was da alles passieren kann! Von Gott verlassen, kein Schutzengel weit und breit. Allein in der Wüste. Allein in der Hölle.
Ich sitze in einem Polizeiwagen. Der junge Polizist neben mir sagt: „Das sind diese Scheiß-Momente in meinem Dienst, immer wieder. Sie haben wenigstens Ihren Glauben.“ „Aber in solchen Momenten weiß ich auch nicht mehr, was ich sagen soll“, antworte ich, „da verstehe ich meinen Gott nicht.“ Und dann stehen wir gemeinsam vor einem Häuschen im Erzgebirge, der Polizist und der Pfarrer. Und den beiden, die die Tür öffnen, ist schon die Angst im Gesicht geschrieben. „Er ist tot?“, ruft die Frau. „Dürfen wir bitte reinkommen“, fragt der Polizist. Und dann muss er ihnen berichten von dem Unfall, den ihr Sohn nicht überlebt hat. Er war zusammen mit seiner Freundin unterwegs zu den Eltern, und dann war da ein Fahrzeug auf der falschen Fahrbahn – Geisterfahrer… – Und jetzt nur noch: Schreien, Schweigen, Schluchzen. Und nichts. Keine Antworten, keine Erklärungen. Da bleiben dir auch als Pfarrer nur wenige Worte, ein Gebet, das Vaterunser. – Wenigstens das! Und wenigstens konnten sie in diesem Augenblick mitbeten.
Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, sagt Gott. – Und wir werden fast wahnsinnig! Hast du gerade ein Nickerchen gemacht, Gott? Warst du mit was anderem beschäftigt? Wo waren deine Schutzengel?
Das ist sie wohl, unsere eigentliche Urangst: Die Angst von Gott verlassen zu werden. Denn das ist die Hölle.
Das sagen wir so: Das ist die Hölle. Der musste die Hölle durchleben. Gemeint ist damit genau das: von Gott verlassen zu sein. Nichts anderes ist die Hölle: Der Zustand, von Gott verlassen zu sein. Der Ort, wo Gott nicht ist.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? – Ein Gebet aus der Hölle, es steht in der Bibel.
Jesus hat diese Worte gebetet. Als er die Hölle erlebt hat. Als Gott weggeschaut hat. Als die Schutzengel weg blieben. Gekreuzigt, gestorben und begraben – hinabgestiegen zur Hölle.
Ja, Gott hat weggeschaut – wahrscheinlich konnte er gar nicht hinschauen, wie sein Sohn leiden musste. Ja, Gott hat ihn verlassen. Und Jesus hat die Hölle erlebt…
… für einen Augenblick, für einen langen Augenblick.  Am dritten Tage ist er auferstanden von den Toten. Auferweckt: Gott schaute ihn wieder an, und er lebte auf. Gott kehrte zurück, und die Hölle war gebannt.
Wenn Gott sagt: Ich bin dann mal weg, dann ist das furchtbar. Aber wenn Gott sagt: Ich bin dann mal weg, dann sagt er auch: Ich komme wieder. Wenn Gott dich verlässt, dann ist das niemals für immer. Und wenn du die Hölle durchlebst, dann wird er zu dir kommen und dich in den Himmel retten.
So ist es immer. So ist Gott immer. Das erzählt uns die Bibel.
Die Bibel erzählt von Noah. Der erlebte den Weltuntergang, und er erlebte den Neuanfang nach dem Ende.
Die Bibel erzählt von Gottes Volk Israel. Diese Geschichte geht weiter bis zum heutigen Tag. Gottes Volk erlebte immer wieder Verfolgung, Zerstörung und Vernichtung – bis hin zur Hölle von Auschwitz. Und es erlebte immer wieder die Auferstehung. – Vielleicht ist das überhaupt die wichtigste politische Botschaft der Bibel: Gott steht zu seinem Bund mit seinem Volk. Und wer sich heute gegen Gottes Volk, gegen die Juden, und gegen ihren Staat, dort im Land der Verheißung stellt, der muss wissen, gegen wen er sich da stellt.
Die Bibel erzählt uns von Jesus Christus. Der für uns und mit uns durch die Hölle gegangen ist, und der uns voran geht ins Leben. Es gibt ein Leben nach der Hölle.
Wenigstens konnten sie in diesem Augenblick mitbeten, die Eltern, denen ich die Nachricht vom Tode ihres Sohnes bringen musste. Sie konnten es, weil in ihnen diese Hoffnung und Glaubensgewissheit war: Auch wenn alles zusammenbricht, auch wenn wir nichts mehr verstehen und Gott ganz weit weg ist – er kommt wieder. Und es gibt ein Leben nach der Hölle.

Liebe Schwestern und Brüder, ich verstehe nicht, warum Gott manchmal wegschaut. Ich verstehe nicht, warum er manchmal einfach weg ist. Ich verstehe nicht, warum manche das aushalten müssen, diese entsetzliche Gottesferne. Aber ich weiß: Er wird nicht weg bleiben. Er kommt wieder. Er nimmt mich in den Arm, und alles wird gut.

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Sonntag, dem 30. März 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

zu meinen eindrücklichsten Erlebnissen hier auf Teneriffa gehören Seebestattungen. So etwas hatte ich zuvor noch nie mitgemacht. Und dann baten mich die Angehörigen eines Verstorbenen, seine Asche im Meer bei Los Gigantes beizusetzen. Sie hatten ein Ausflugsschiff gemietet, mit dem sind wir hinausgefahren, haben miteinander gesungen und gebetet und die Asche dem Wasser übergeben. Die Angehörigen haben Blumen hinterhergeworfen und Tausende von Blütenblättern; ein richtiger Blütenteppich schwamm auf dem Wasser in der Abendsonne. Das Boot drehte eine große Runde um diesen Blütenteppich, dann fuhren wir zurück an Land.

Inzwischen haben wir schon von einigen Menschen auf diese Weise Abschied genommen. Und ich hatte immer das Gefühl: Es war gut so. Hinausfahren, Abschied nehmen, den Verstorbenen da lassen und zurückkehren an Land, und dann muss das Leben hier weitergehen. Das weite Meer – so scheint mir – ist ein großes Symbol für die Weite und Ewigkeit Gottes, der wir unsere Toten anvertrauen. Aus dem Wasser ist das Leben gekommen, ins Wasser kehrt es zurück.

Manchen ist das aber auch unheimlich: wenn die Überreste eines Menschen sich im endlosen Meer verteilen. Wo ist er dann, der Verstorbene? Wie kann es für ihn eine Auferstehung geben? – Am Ende der Bibel lese ich einen interessanten Satz: Das Meer gab die Toten heraus, die darin waren (Offenbarung 20,13). Bei Gott ist kein Verstorbener verloren, ob er nun begraben oder verbrannt und seine Asche in den Bergen verstreut oder dem Meer übergeben worden ist. Auch das Meer wird unsere Toten aufbewahren, und wann und wo immer wir ans Meer kommen, können wir an sie denken.


Am Ende sollen wir aber wissen: Das Leben ist mehr als Wasser, und die Ewigkeit ist mehr als das Meer. Himmel und Erde und das Meer werden vergehen, sagt die Bibel: Gott aber bleibt in Ewigkeit und wir in ihm.

Samstag, 29. März 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Sonnabend, dem 29. März 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. – So hieß ein Lied, das vor ungefähr 40 Jahren in unseren Kirchengemeinden populär war. – Das Bild, das da besungen wurde, ist wesentlich älter. Viele meiner christlichen und theologischen Bücher ziert ein Verlagslogo mit einem Schiff, das ein Kreuz als Mast hat. Es ist ein altes Symbol für die Kirche: Unter dem Kreuz mit Jesus im Boot ist die Gemeinde Gottes unterwegs durch die Zeiten.

Eine Schiffsreise ist nicht ungefährlich – davon habe ich die letzten Tage schon gesprochen –, der Ozean ist wild, und manchmal hat man das Gefühl, dieses Schiff, das sich Gemeinde nennt, wäre nur eine Nussschale. Aus dem Lied von damals spricht in der Tat eine gewisse Verzagtheit, jedenfalls klingt der Refrain doch schon ziemlich verzweifelt: Bleibe bei uns Herr, bleibe bei uns Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer, o bleibe bei uns Herr!

Ich finde: Die Lage der christlichen Kirche ist seither nicht besser, nicht einfacher geworden. Die jüngste Mitgliederbefragung der Evangelischen Kirche hat es deutlich zutage gefördert: Atheismus und Religionslosigkeit sind echte Optionen geworden. Unter jungen Leuten muss man eher begründen, warum man noch an Gott glaubt, als warum man nicht an Gott glaubt. Die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation funktioniert kaum noch. Und wo Glaubenstraditionen abgebrochen sind, gelingt es kaum noch, Menschen neu für den Glauben zu begeistern. Wie viele Jahrzehnte wird es da noch brauchen, bis die christliche Kirche ganz verschwunden sein wird oder nur noch eine winzige Sondergruppe sein wird? Das frage ich mich in Momenten des Zweifels und des Kleinglaubens.

Das Bild vom Gemeindeschiff stammt aus der Bibel (Markus 4/Matthäus 8/Lukas 8). Jesus ist mit seinen Jüngern im Schiff unterwegs über den See Genezareth. Da kommt ein Sturm auf, Wellen schlagen ins Boot; die Jünger bekommen es mit der Angst zu tun; aber Jesus schläft im Heck des Bootes. Seine Jünger wecken ihn: „Ist es dir denn wirklich egal, dass wir umkommen?“ Und Jesus sieht sie an und fragt sie: „Warum seid ihr so furchtsam? Wo ist eigentlich euer Glaube?“ Und er gebietet dem Wind und den Wellen aufzuhören, und da ist es stille.


Ja, frage ich mich, warum bin ich so furchtsam? Wo ist mein Glaube?

Freitag, 28. März 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 28. März 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

die Geschichte einer dramatischen Seereise erzählt uns die Bibel in der kleinen Novelle von dem Propheten Jona (im Deutschen nennen wir ihn auch gerne Jonas, aber das ist egal).

Jona hatte einen Auftrag von Gott, aber er hatte keine Lust ihn auszuführen. Gott hatte ihm gesagt: „Geh nach Ninive und predige den Leuten dort!“ Jona lief in die entgegengesetzte Richtung – und kam ans Meer, wo es nicht weiter ging. Jedenfalls nicht zu Fuß. So ging er auf das nächstbeste Handelsschiff und machte sich auf die Reise übers Meer. Eine Reise, die am Ende wesentlich unangenehmer für ihn wurde, als es der Gang nach Ninive hätte werden können.

Auf dem Meer kam ein gewaltiger Sturm auf. Selbst die erfahrenen Seeleute, eine internationale Mannschaft, gerieten in Furcht und Panik, warfen die Ladung über Bord, um das Schiff zu erleichtern und verfielen auf die Idee, einer an Bord müsse den Zorn eines Gottes auf sich gezogen haben. Wer war der Schuldige? Darüber ließen sie das Los entscheiden, und das Los fiel – wir ahnen es schon – auf Jona. Sie fragten ihn aus und fanden es bestätigt, dass Jona auf der Flucht vor seinem Gott war, der kein geringerer war als der Herr, der Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat. Am Ende sahen sie keine Rettung für sich, als Jona zu opfern, ihn den Wellen zu übergeben, um selber gerettet zu werden. Und in diesem Moment legte sich der Sturm, und die Wellen beruhigten sich, und sie konnten sicher weiter reisen.

Wie die Geschichte weitergeht, wissen Sie sicher: Nämlich sehr wundersam. Jona wurde von einem großen Fisch verschlungen und schließlich lebendig wieder an Land gespuckt. Und er ging nach Ninive und tat, was Gott ihm aufgetragen hatte.

Das wütende Meer und der Bauch des Fisches sind Bilder für höchste Not und Todesangst. Aber gerade da – so zeigt sich – ist Gott nahe. Jona betete: Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme.

Die Erzählung vom Propheten Jona ist eine beinahe märchenhafte Geschichte. Aber wahr ist, dass Gott auch in Schuld und Not und Todesrachen das Rufen eines Menschen hört und ihn rettet.

Donnerstag, 27. März 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Donnerstag, dem 27. März 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

auf hoher See und vor Gericht bist du in Gottes Hand, weiß der Volksmund, und meint damit, dass es Bereiche gibt, wo unsere Macht und unsere Möglichkeiten am Ende sind.

Vor Gericht weiß man nie genau, welches Urteil am Ende gefällt werden wird.

Auf hoher See weiß man auch nie genau, ob und wie man am Ziel ankommt. Wenn es harmlos ist, dann vielleicht etwas grün im Gesicht, weil die Wellenschaukelei einen krank macht. Ernster wird es, wenn Schiffe durch Sturm und Wellen zum Kentern, zum Zerbrechen, zum Scheitern an irgendwelchen Klippen gebracht werden.

Scheitern, Schiffbruch erleiden – das sind bis heute gängige Metaphern in unserer Umgangssprache. Schiffskatastrophen wie der Untergang der Titanic haben sich tief ins kollektive Gedächtnis gefressen. Der Untergang der Costa Concordia vor zwei Jahren hat viele noch lange beschäftigt. Eine Seefahrt, die ist nicht nur lustig, sondern auch gefährlich. Wasser hat keine Balken, die uns Halt geben. Im Ernstfall bleibt hoffentlich ein Rettungsboot, eine Schwimmweste oder vielleicht nur ein Wrackteil, an das sich die Ertrinkenden noch klammern. – Wir sind in Gottes Hand, weil unsere Macht und Möglichkeiten am Ende sind.

In alter Zeit hatten die Menschen noch viel mehr Respekt vor Wasser, Wind und Wellen. In einem Psalm (107) wird die Gefahr einer Schiffsreise vor Augen gemalt – und das Gefühl der Rettung, wenn man wieder festen Boden unter den Füßen hat:

Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und trieben ihren Handel auf großen Wassern, die des HERRN Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer, wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob, und sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken, dass ihre Seele vor Angst verzagte, dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wussten keinen Rat mehr, "die dann zum HERRN schrien in ihrer Not", und er führte sie aus ihren Ängsten und stillte das Ungewitter, dass die Wellen sich legten und sie froh wurden, dass es still geworden war und er sie zum erwünschten Lande brachte: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.


Wenn unser Leben so einer Seefahrt gleicht, dann sollen wir wissen: Wir sind in Gottes Hand.

Mittwoch, 26. März 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Mittwoch, dem 26. März 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

wo das Meer beginnt, kommen wir nicht mehr weiter. Das ist trivial. Die Grenze zwischen Land und Wasser stellt ein ernsthaftes Hindernis dar. Ich kann vielleicht ein kleines Stückchen ins Meer hinausschwimmen, aber nicht weit. Die Nachbarinsel wäre fast unerreichbar, wenn es nicht spezielle Fortbewegungsmittel für das Wasser gäbe. Meere und selbst Flüsse haben Menschen und Völker voneinander getrennt. Jahrtausendelang wusste niemand, dass auf der anderen Seite des Ozeans eine Neue Welt liegt, wo auch Menschen leben. Das weite Meer war eine unüberwindliche Grenze.

Noch heute sind Meere schwer zu überwinden. Ich denke an die Flüchtlinge, die in überfüllten Booten an Europas Südgrenze zu gelangen suchen und dabei ihr Leben riskieren.

In der Bibel wird erzählt, wie das Meer zu einer unüberwindlichen, ja tödlichen Grenze für Menschen, für Flüchtlinge geworden wäre, wenn sie nicht durch ein Wunder gerettet worden wären:

Die Israeliten, die aus Ägypten entkommen waren, wurden von der Streitwagenarmee des Pharaos verfolgt und eingeholt, als sie gerade am Meer angekommen waren; es gab kein Entkommen mehr. Ihre Verfolger wollten sie ins Meer treiben. Aber gerade da zog sich das Wasser zurück, und wo eben noch Meer war, konnten die Flüchtlinge trockenen Fußes weiterziehen. Die Verfolger mit ihren Streitwagen blieben im Schlamm und Schlick stecken; das Wasser kehrte zurück und sie ertranken. So ähnlich mag es gewesen sein. Die Legende hat daraus Wassermassen gemacht, die wie die Wände rechts und links der israelitischen Flüchtlinge gestanden hätten und dann über den Ägyptern wieder zusammengeschlagen wären. – Wie auch immer: Das war das große Wunder, aus der Falle zwischen tödlichem Meer und tödlichen Verfolgern entronnen zu sein; das wurde gefeiert und von Generation zu Generation weitererzählt – bis heute.

Es ist das Wunder, dass eine unüberwindliche Grenze überwunden werden konnte, dass eine ausweglose Gefahr gebannt wurde, dass es einen Weg in auswegloser Situation gab.

Gott sei Dank, erleben immer wieder Menschen dieses Wunder: Wo wir nicht mehr weiter kommen, kann es dennoch weiter gehen.

Dienstag, 25. März 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Dienstag, dem 25. März 2014

Guten Morgen liebe Hörer,

auf einer steilen Insel leben wir. Da erheben sich die Los-Gigantes-Felsen hunderte Meter senkrecht aus dem Meer. Da sind es nur wenige Kilometer von der Küste bis zum Teide-Gipfel. Und dabei sehen wir noch nicht mal, dass es unter Wasser genau so steil weiter abwärts geht bis zu einer Tiefe von über 2000 Meter. Dass unsere Insel so steil ist, hat den Vorteil, dass Wasser und Land deutlich getrennt sind. Wir brauchen uns um einen möglichen Anstieg des Meeresspiegels nicht zu sorgen. Wir brauchen keine Deiche, die uns vor Fluten schützen; unsere Küsten sind steil genug.

Irgendwie ist die Welt ja doch sehr praktisch eingerichtet. Steile Inseln, Kontinente, die Kilometer höher liegen als der Meeresgrund: So haben Mensch und Tier einen sicheren Lebensraum, der normalerweise nicht von den Wasserfluten der Meere und Ozeane bedroht ist.

Das fanden die Menschen schon vor Jahrtausenden erstaunlich und erzählten sich, wie Gott am dritten Schöpfungstage Wasser und Land voneinander getrennt und dem Meer besondere Orte zugewiesen habe.

Heute weiß man, dass die Erdkruste der Kontinente leichter ist als die Erdkruste unter dem Ozeanboden; deshalb schwimmen die Kontinentalplatten gewissermaßen höher auf dem flüssigen Erdinneren. So sind Ozeane und Kontinente deutlich getrennt.

Einmal nur, so erzählen es die alten Überlieferungen, sei die ganze Welt vom Wasser überflutet worden und nur ein Mensch mit seiner Familie sei gerettet worden.

Das Gebenüber von Wasser und Land, von Meer und Kontinenten ist ein Beispiel dafür, wie erstaunlich, sinnvoll und wunderbar unsere Welt geschaffen ist. Die Sintflutgeschichte zeigt, wie entsetzlich, wie tödlich eine Welt wäre, die aus den Fugen der Schöpfungsordnung geriete. Die Ängste vor Fluten, Tsunamis und steigendem Meeresspiegel sind Urängste, die an die Grundsubstanz unserer Existenz gehen.

Nach der biblischen Überlieferung verspricht Gott, die Ordnung der Welt zu erhalten. In der Tat: Es spricht alles dafür, dass wir auch am Rande der Ozeanfluten sicher leben können.

So blicke ich auch heute Morgen frohen Herzens hinaus auf das Meer.