Sonntag, 13. März 2016

Predigt zum Gemeindefest am 13. März 2016 (Sonntag Judika)


Liebe Freunde, Schwestern, Brüder,
auch in diesem Jahre wieder
feiern wir in großem Kreise
und in altbewährter Weise,
dass der Frühling uns beglückt –
und die Stunde näher rückt,
da wir auseinandergehen,
uns im Herbst erst wiedersehen,
nachdem wir – wie in allen Jahren –
zwischendurch in Deutschland waren
(oder Schweiz und Österreich –
doch am Ende ist das gleich):
Über Länder, übers Meer
reisen wir stets hin und her,
nehmen Abschied, sehn uns wieder,
bleiben Freunde, Schwestern, Brüder.
*
Schon immer ist es so gewesen,
das könn’ wir in der Bibel lesen:
dass man an einem Ort nicht weilte,
von da nach dort oft weitereilte,
dort, wo man war, nicht lange blieb,
weil etwas einen weitertrieb,
oder Gott selber es so wollte,
dass man nicht länger bleiben sollte,
da, wo man grade heimisch war.
Die Wege sind oft wunderbar,
die Gott die Menschen führt und leitet,
denn er hat sie schon vorbereitet.
*
Die Bibel ist von vorn bis hinten
ein Reisebuch. Da kann man finden
gleich auf den allerersten Seiten
die Story von den ersten beiden
Menschen, die auf Erden lebten,
nach Früchten und Erkenntnis strebten:
sie mussten in den Apfel beißen
und aus dem Paradies abreisen.
*
Gott fand bald vieles nicht mehr gut
und schickte eine große Flut.
Und Noah wurde Kapitän,
damit nicht alle untergehn,
sondern im Arche-Schiff bewahrt
bewältigten die große Fahrt.
Das Schiff war nur ein großer Kasten,
ganz ohne Segel oder Masten.
Es war nicht so gut wie Aida,
drum gab’s die Reise auch nie wieda.
*
In einer Stadt, die hieß Haran,
da lebte ein berühmter Mann –
das heißt: berühmt war er erst nicht,
wir haben aber den Bericht,
wie er die Stimme Gottes hörte
und ihm vertraute, sich nicht wehrte,
als Gott ihm sagte: „Gehe los!
Ich mach die Zahl der Kinder groß,
die einst von dir werden abstamm’.”
Der gute Mann hieß Abraham.
Er war schon damals ziemlich alt.
Doch packte er die Sachen bald,
nahm seine Frau und nahm sein Vieh
und reiste weit, so weit wie nie:
Vom Zweistromland – dort liegt Haran –
reiste er nach Kanaan.
Er hatte Schafe, Ziegen, Rinder,
doch leider keine eignen Kinder.
Und trotzdem hat er Gott vertraut.
Als er einst nachts zum Himmel schaut,
da hört er wieder Gottes Wort:
„Siehst du die vielen Sterne dort?
So viele Stern’ dort oben sind,
so viele Kind’ und Kindeskind’
sollst du einst haben, glaube mir.
So großen Segen geb ich dir.“
Und Abraham – so wunderbar –
bekam ‘nen Sohn mit hundert Jahr.
Er ist Gottes Weg gegangen,
und so hat sie angefangen,
die Geschichte Israel,
von der ich gleich noch mehr erzähl.
*
Als mal im Lande Hunger war,
da reiste Josefs Brüderschar
hinunter nach Ägyptenland,
wo sie auch was zu essen fand,
und ihren Bruder, den vor Jahren
sie ließen in die Fremde fahren,
verschachert wie vom Vieh ein Stück,
sie dachten: der kommt nie zurück.
Jetzt war er dort der starke Mann,
und sie sah’n sich betreten an,
denn eins war ihnen allen klar:
dass jetzt die Rache fällig war.
Doch Josef hat darauf verzichtet
und diesen schönen Reim gedichtet:
„Ihr habt es böse ausgedacht,
doch Gott hat alles gut gemacht.“
*
Vierhundert Jahre später dann
reist man zurück nach Kanaan:
Von Josefs Brüdern die Nachfahren,
die seitdem in Ägypten waren,
die ziehn fast ohne Vorbereitung
unter des Moses kluger Leitung
durchs Rote Meer und Wüstensand
in das verheißne Gottesland.
*
Danach in all den langen Jahren
haben sie viel von Gott erfahren.
Sie lernten glauben, hoffen, beten,
nicht selten auch von den Propheten.
Die mussten auch sehr häufig reisen,
um andern Gottes Weg zu weisen.
Einen – er ist uns gut bekannt –,
den schickte Gott ins Nachbarland:
„Ins große, ferne Ninive“,
sprach Gott, „mein lieber Jona, geh!
Sag dort den Menschen in der Stadt,
was sie bald zu erwarten hat:
die Strafe für die bösen Sachen,
die dort die Leute täglich machen:
Ein jeder denkt dort nur an sich,
die Armen lassen sie im Stich,
wer Schulden hat, der wird zum Knecht,
den Fremden geht es extra schlecht.
Sag ihnen: Ich hab das gesehen,
und so kann es nicht weitergehen.”*
Und Jona macht sich auf die Reise,
doch allerdings auf seine Weise:
Statt Richtung Osten, Ninive,
geht er nach Westen, fährt zur See,
will sich vor Gottes Auftrag drücken:
Soll der doch einen andern schicken.
Wir wissen, wie die Sache lief:
Als Jona noch im Schiffsbauch schlief,
da kam ein Sturm, so stark wie nie,
und allen schlotterten die Knie.
Sie glaubten, Jona wäre der,
der unter ihnen schuldig wär,
weil Gott ihm zürnt für seine Flucht
und ihn selbst auf dem Meer noch sucht.
So warfen sie ihn in die Flut,
und schon war für sie alles gut:
Das Meer war plötzlich wieder stille;
dann war das wohl so Gottes Wille.
Die Reise war noch nicht zuende:
Für Jona kam die große Wende,
als ihn ein großer Fisch verschluckte
und irgendwann ans Ufer spuckte.
Das war, soweit ich davon weiß,
die allerwundersamste Reis’,
von der die Bibel uns berichtet.
Und, ja, vielleicht ist das erdichtet.
Doch lernen wir daraus sehr viel:
Gott kommt mit jedem an sein Ziel.
Denn Jona ging am Ende doch
nach Ninive, ins Sündenloch.
Er hat die Leute dort belehrt
und die ham’ sich zu Gott bekehrt.
*
Auch Jesus war ein Reisemann.
schon bei den Eltern fing es an:
Nach Bethlehem warn sie geschickt,
wo er das Licht der Welt erblickt,
der selber ist das Licht der Welt,
der sie geschaffen und erhält.
Doch halt, jetzt keine Weihnachtspredigt!
Das hab ich neulich schon erledigt.
Ich will von Jesu Reisen sagen:
Damals in seinen Erdentagen
zog er von ein’ zum andern Ort,
kaum war er da, schon ging es fort,
denn überall wollte er lehren
und alle sollten sein Wort hören
vom Himmelreich und Gottes Segen,
dass Herzen sich zu Gott bewegen.
Das letzte Ziel wurde ihm schwer:
Jerusalem – dahin zog er.
Dort wartete der Tod auf ihn.
Und trotzdem ging er grad dorthin.
Ging an das Kreuz, ging in den Tod,
ging in die allertiefste Not.
Hat sich und alles hingegeben.
Am Ende ging er in das Leben.
Noch wunderbarer war die Reis’
als die, die ich von Jona weiß.
Und die ist sicher nicht erdichtet;
von so vielen wird berichtet,
wie Er ihnen begegnete,
der tot war, und sie segnete,
lebendig, und ihnen versprach:
„Ich bin bei euch jeden Tag.
Ist die Reise noch so weit,
ich geh mit euch durch die Zeit,
geh mit euch an jeden Ort,
sage euch mein gutes Wort:
Deutschland, Schweiz und Österreich,
Teneriffa, alles gleich.
Ich geh mit euch, wenn es gut ist,
wenn das Leben voller Mut ist.
Ich geh mit euch, auch wenn’s schwer ist,
wenn der Hoffnungsakku leer ist,
Ich geh mit euch in der Not,
ich geh mit euch in den Tod,
Ich geh mit euch in das Leben,
das will Gott euch allen geben.”
*
Liebe Freunde, Schwestern, Brüder,
und so feiern wir jetzt wieder,
heut in diesem großen Kreise
und in altbewährter Weise,
dass der Frühling uns beglückt
und der Abschied näher rückt,
doch vor allem, dass Gott da ist,
uns auf unsren Reisen nah ist,
uns begleitet, uns begegnet
und uns immer wieder segnet.
*
Friede nun auf unsern Wegen
und zu allem Gottes Segen,
dass wir treu mit Christus gehen
und den Herrn am Ende sehen.
Amen.
___________________
* Zwei Verse im Jona-Teil habe ich bei Klaus-Peter Hertzsch entwendet.