Sonntag, 1. November 2015

Zündfunke (Rundfunkandacht) am 1. November 2015

„… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ – so, liebe Hörer, beten wir im Vaterunser. Vielleicht ist das die wichtigste Bitte in diesem Gebet der Christen. Jedenfalls ist es die einzige, zu der Jesus eine ausdrückliche Erklärung gibt: Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben, sagt er (Matthäus 6, 14.15).
Und er spricht das Thema immer wieder an. Im Evangelium des heutigen Sonntags (Matthäus 18, 21-35), fragt Petrus: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Und Jesus antwortet ihm: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.
Siebzigmal siebenmal, also 490-mal dem Bruder oder der Schwester vergeben, die uns immer wieder ärgern, uns wehtun, uns verletzen. Wer kann das? Wer hält das aus? – Manche reden seit Jahren nicht mehr miteinander, weil es einmal ein böses Wort gegeben hat, vielleicht war es auch nur ein Missverständnis. 490-mal, das kann man ja gar nicht zählen! Soll man auch nicht. Jesus sagt, wir sollen einander immer vergeben.
Und warum? – Weil Gott uns immer vergibt. Mehr als 490-mal. Davon leben wir. Nur wir denken nicht immer daran. Vielleicht hilft es uns, wenn wir das Vaterunser beten, dass wir auch an den Bruder, die Schwester, den Mitmenschen denken, denen wir noch nicht vergeben haben. Und vielleicht finden wir den Mut, den Schritt auf ihn zu zu gehen, den Schritt zur Versöhnung.

Liebe Hörer, an dieser Stelle noch ein Wort in eigener Sache: Den Zündfunken in dieser Form werden Sie ab jetzt nur noch an den Sonntagen und kirchlichen Feiertagen hören. An den Wochentagen gibt es an dieser Stelle dann kirchliche Veranstaltungsinformationen. Diakon Bertram Bolz und Andrea Bolz von der katholischen Kirche, die jahrelang den Hauptanteil der Zündfunken auf Radio Megawelle gesprochen haben, haben ihren Dienst auf der Insel beendet und sind nun wieder in Deutschland. Wir sind jetzt nur noch drei Sprecher, von denen zwei als Ruheständler im Nebenamt den Seelsorgedienst auf der Insel versehen. Im Moment ist es für uns nicht zu schaffen, täglich eine Rundfunkandacht zu produzieren. Wolfgang Gerth von der evangelischen Gemeinde in Puerto de la Cruz, Hansjörg Rasch von der katholischen Kirche und ich, wir werden uns an den Sonntagen mit einem geistlichen Wort abwechseln. Wir hören uns dann, wenn Sie wollen, in drei Wochen wieder.