Sonntag, 12. Februar 2017

Predigt am 12. Februar 2017 (Sonntag Septuagesimä)

Jesus sagte zu seinen Jüngern:
„Stellt euch vor, jemand von euch hat einen Sklaven und der kommt vom Pflügen oder Schafehüten nach Hause. Wird er wohl gleich als Erstes zu ihm sagen: ,Bitte, komm und setz dich zu Tisch‘? Gewiss nicht! Er wird ihm sagen: ,Mach mir das Essen fertig, binde dir die Schürze um und bediene mich bei Tisch! Wenn ich fertig bin, kannst du auch essen und trinken.‘ Wird er sich etwa bei dem Sklaven bedanken, weil der getan hat, was ihm befohlen war? So ist es auch mit euch. Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch befohlen hat, dann sagt: ,Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur getan, was uns aufgetragen war.‘“
Lukas 17, 7-10



Stellt euch vor, jemand von euch hat einen Sklaven!
Das wäre doch eigentlich ganz angenehm,
sagte eine im Bibelgespräch.
Ja, stell dir das mal vor: ein eigener Sklave.
Er würde dir das Essen machen und für dich einkaufen gehen.
Er würde dir die Wohnung putzen und den Müll wegbringen.
Er könnte dich chauffieren, wenn du gerade keine Lust zum Fahren hast oder mal etwas mehr getrunken hast.
Sicher würdest du ihn nett behandeln, deinen Sklaven.
Er würde ordentlich zu essen bekommen.
Hätte eine kleine, saubere Unterkunft.
Und auch ein paar Stunden Freizeit jede Woche.
Vielleicht würdest du aber manchmal auch stöhnen und klagen:
Vor allem über die Kosten, die so ein Sklave verursacht: Kost und Logis und noch ein Taschengeld.
Außerdem Versicherung – Haftpflicht, Krankenversicherung – und der horrende Steuersatz auf Sklaven.
Und wenn er mal krank wird, dann musst du noch extra jemanden anstellen oder deine Arbeit selber machen.
So ein Sklave, das ist schon Luxus.
Kann sich nicht jeder leisten.
Darum beschränken wir uns zum Beispiel auf eine Putzfrau, die regelmäßig zum Saubermachen kommt.
Das ist günstiger als so ein richtiger Haussklave.
So ein Sklave hat seine Aufgaben und seine Pflichten.
Die sind klar, da muss man nicht drüber diskutieren.
Klar, sagt man auch mal Danke – so wie zu einem Kellner oder einer Verkäuferin; aber eigentlich ist es schon klar, dass er nur seine Pflicht getan hat, und kein extra Dankeschön erwarten kann.
Natürlich bekommt er zu Weihnachten und zum Geburtstag ein kleines Geschenk von dir; das gehört sich so.
Aber sicher würdest du ihn nie zum Essen einladen. Oder mit ihm zusammen was unternehmen.
Er ist dein Sklave, er soll für dich da sein, aber sich ansonsten schön im Hintergrund halten.
Er ist, wie Aristoteles so schön formulierte, ein sprechendes Werkzeug.
Stellt euch vor, jemand von euch ist ein Sklave.
Stell dir vor, du bist ein Sklave.
Du müsstest für deinen Herrn Essen machen und für ihn einkaufen.
Die Wohnung putzen und den Müll rausbringen.
Du müsstest ihn in der Gegend rumfahren, und während er mit seinen Freunden feiert, müsstest du draußen warten, bis er nach Hause gefahren werden will.
Du hättest, was du zum Leben brauchst:
Eine kleine, sauber Unterkunft.
Sogar ein bisschen Freizeit.
Und ein kleines Taschengeld.
Wäre das ein Leben für dich?
Gewiss, du wärst ziemlich eingeschränkt.
Aber du brauchtest dich auch um wenig selbst zu sorgen.
Du gehörst ja deinem Herrn.
Er muss dich versorgen.
Er hat die Verantwortung.
Du musst nur seine Aufträge ausführen.
Als sprechendes Werkzeug sozusagen.
Ein Dankeschön, einen Lohn, eine Prämie – das dürftest du nicht erwarten.
Wenn es ein netter Herr ist, bekommst du vielleicht eine kleine Extra-Aufmerksamkeit zu Weihnachten oder zum Geburtstag; aber irgendeinen Anspruch darauf hast du nicht.
Überleg mal: vielleicht wäre das sogar angenehmer, als dich in irgendwelchen Arbeitsverhältnissen durchzuschlagen, die vielleicht nur befristet sind, wo du schlecht bezahlt wirst, wenig Urlaub hast und trotzdem funktionieren musst.
Und dein Chef sagt dir auch da nicht Danke.
So könnte das sein: mit den Sklaven und ihrem Herrn, wenn es das heute noch gäbe.
Damals jedenfalls, als Jesus dieses Beispiel erzählt, war das nicht unbedingt das Schlechteste, als Sklave zu leben.
Jedenfalls sicherer und oft auch angenehmer denn als Tagelöhner – so wie wir es im Evangelium gehört haben: Wer da keinen Job für den Tag fand oder erst Mittag eingestellt wurde, der hatte einfach nicht genug zum Leben.
Ein Sklave schon.
Der war fest angestellt, und sein Herr war daran interessiert, dass es ihm nicht zu schlecht ging, denn er wollte ja gute Arbeit von ihm.
*
Und wie ist das jetzt mit euch und Gott?
Seid ihr Gottes Sklaven?
Und wollt ihr das gerne sein?
Des Christen Leben soll ja ein Gottesdienst sein.
Alles was ihr tut, das tut ihr für den Herrn.
Das kann er von euch erwarten.
Ihr seid schließlich sein Eigentum.
Martin Luther im Kleinen Katechismus:
„Ich glaube, dass Jesus Christus … sei mein Herr,
der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei …“
Ja, wenn er mein Herr ist, wenn er mich erworben hat und ich sein eigen bin, was bin ich dann anderes als sein Sklave?
Ja, was hast du und bist du ohne Gott?
Wem verdankst du, was du hast und bist?
Wer erhält und bewahrt dein Leben?
Und was soll aus dir werden ohne ihn?
Er ist dein Herr und dein Gott.
Kannst du was besseres sein als sein Sklave?
*
Vor ein paar Tagen bin ich auf eine christliche Gemeinschaft aufmerksam gemacht worden, die hier auf der Insel aktiv ist.
Die reden davon, dass das Himmelreich nach dem Prinzip Säen und Ernten funktioniert:
Du gibst viel, und du bekommst viel.
Du tust was für Gott, und Gott tut entsprechend viel für dich.
Du hast einen Anspruch auf Gottes Segen.
Und so weiter.
Es gibt viele, die dir so was erzählen wollen.
Und schon vor 2000 Jahren gab es diese Leute, die sowas gelehrt haben:
Religion funktioniert nach dem Schema Do ut des.
Ich gebe, damit du gibst.
Leistung für Gegenleistung.
Ich gebe Gott etwas – oder wahlweise der Welt, der Erde, dem Universum –, bzw. am besten gebe ich gleich dieser Glaubensgemeinschaft, und dann gibt Gott oder das Universum mir dafür seinen Segen.
Jesus sagt ihnen allen:
Was bildet ihr euch ein, wer ihr seid?
Was denkt ihr, womit ihr Ansprüche gegen euren Herrn und Schöpfer geltend machen könnt?
Meint ihr, ihr könnt euch Gottes Segen als Lohn für eure Leistungen erkaufen?
Nein, wenn ihr getan habt, was Gott euch aufgetragen hat, dann sagt: Wir sind Diener, weiter nichts.
Es war unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, mehr nicht.
*
Und, wie sieht das aus bei dir, der du Gott gehörst mit Leib, Seele und Geist?
Gehörst du ihm nur oder gehorchst du ihm auch?
Bist du sein Diener, sein Sklave, sein Knecht, seine Magd?
Hältst du ihm vor, was er für dich tun sollte: dich führen, dich bewahren, dich gesund und zufrieden erhalten?
Oder bedenkst du und tust du, was du für ihn tun solltest?
Unbequeme Fragen.
*
Und wo ist dabei das Evangelium, die Gute Nachricht für uns?
Naja, nicht direkt in diesem Abschnitt.
Aber zum Glück steht ja noch mehr in der Bibel.
Und Gott sei Dank hat Jesus noch mehr dazu gesagt.
Da spricht er davon, dass der Herr, egal wann er kommt, seine Sklaven dienstbereit vorfinden möchte. Aber dann kommt die Überraschung:
Jesus sagt: Der Herr wird sich die Schürze umbinden, sie zu Tisch bitten und sie selber bedienen. (Lukas 12,37)
Das, was keiner mit seinem Haussklaven machen würde, das tut Gott für seine Diener.
Er wird ihr Diener.
Er bedient, die ihm dienen.
Der Herr macht sich zum Knecht, zum Sklaven.
Und seinen Jüngern sagt er:
Ich nenne euch nicht mehr Diener; ich nenne euch Freunde. (Johannes 15,15)
Und Paulus, der das verstanden hat, schreibt im Galaterbrief:
Durch Jesus bist du kein Sklave mehr, sondern Gottes Kind und Erbe. (Galater 4,7)

Darum:
Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch geboten hat, dann sagt: Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur getan, was uns aufgetragen war.
Und dann wird er sagen: Nein, ihr seid viel mehr für mich als Sklaven und Diener; ihr seid meine geliebten Kinder.