Freitag, 3. April 2015

Predigt am 2. April 2015 (Gründonnerstag – Tischabendmahl)

Bildkarte: Fußwaschung (bitte klicken)
Immer waren sie da, diese großen Glasfenster, links und rechts vom Altar, in der Kirche meiner Kindheit.
Nur im Heilig-Abend-Gottesdienst, da verschwanden die Bilder langsam im Dunkel der Nacht; nur schwarze Flächen blieben zurück.
Aber jeden Sonntag, wenn wir Kindergottesdienst feierten, waren sie da.
Und als ich größer wurde und während langweiliger Predigten meine Augen und Gedanken umherwanderten, da fanden sie Halt an diesen Bildern aus Glas.
Diesem Bild, wie Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht. (Und jenem anderen, wie er unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen ist.)
Links das Bild von der Fußwaschung:
Wie er da kniet mit hochgekrempelten Ärmeln. Fast sieht es aus, als benutzt er sein Gewand als Handtuch.
Und die Männer drumherum: wie sie aufgeregt hinschauen, reden, tuscheln, zweifeln oder genau sehen wollen, was da Unerhörtes vor sich geht.
Jetzt war es wieder da, dieses Bild, vor meinem inneren Auge, und ich bin glücklich, dass ich es im Internet gefunden habe. (Und dabei habe ich gleich noch gelernt, dass der Pfarrer, in dessen Amtszeit die neue Kirche gebaut wurde, mit auf dem Bild zu sehen ist – als einer der Jünger.)

Das Passafest stand nun unmittelbar bevor. Jesus wusste, dass für ihn die Zeit gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zu gehen. Darum gab er denen, die in der Welt zu ihm gehörten und die er immer geliebt hatte, jetzt den vollkommensten Beweis seiner Liebe.
Er war mit seinen Jüngern beim Abendessen. Der Teufel hatte Judas, dem Sohn von Simon Iskariot, bereits den Gedanken ins Herz gegeben, Jesus zu verraten. Jesus aber wusste, dass der Vater ihm Macht über alles gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und wieder zu Gott ging. Er stand vom Tisch auf, zog sein Obergewand aus und band sich ein leinenes Tuch um. Dann goss er Wasser in eine Waschschüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen, das er sich umgebunden hatte.
Simon Petrus jedoch wehrte sich, als die Reihe an ihn kam. „Herr, du willst mir die Füße waschen?“, sagte er. Jesus gab ihm zur Antwort: „Was ich tue, verstehst du jetzt nicht; aber später wirst du es begreifen.“ – „Nie und nimmer wäschst du mir die Füße!“, erklärte Petrus. Jesus entgegnete: „Wenn ich sie dir nicht wasche, hast du keine Gemeinschaft mit mir.“ Da rief Simon Petrus: „Herr, dann wasche mir nicht nur die Füße, wasch mir auch die Hände und den Kopf!“ Jesus erwiderte: „Wer ein Bad genommen hat, ist ganz rein; er braucht sich später nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, allerdings nicht alle.“ Jesus wusste, wer ihn verraten würde; das war der Grund, warum er sagte: „Ihr seid nicht alle rein.“
Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, zog er sein Obergewand wieder an und kehrte an seinen Platz am Tisch zurück. „Versteht ihr, was ich eben getan habe, als ich euch die Füße wusch?“, fragte er sie. „Ihr nennt mich Meister und Herr, und das mit Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“
Johannes 13,1-15


Wenn Andrea erschöpft nach Hause kommt, macht sie sich ein Fußbad.
Wenn ich erschöpft nach Hause komme, macht sie mir eine Fußmassage.
Manches Gute kommt von unten.
Von den Füßen.
Manche stehen ja richtig auf Füße.
Und alle stehen auf Füßen. (Wenn sie denn die nötige Kraft in den Füßen haben.)
Und dann gibt es die gebenedeiten Füße der Evangelisten:
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen.
Predigende Füße!
Jesus wäscht den Freudenboten die Füße.
Seinen Aposteln.
Die erschöpft nach Hause gekommen sind.
Und bald wieder losgehen werden.
Die Füße.
Nicht den Kopf.
Ihr seid schon rein, sagt er.
Gebadet im Wort.
Nur die Füße.
Die Füße, die macht ihr euch immer wieder dreckig. Auf den Bergen.
Auf den Wegen.
Beim Friedenverkündigen und Gutespredigen.
Ich weiß, was ihr braucht.
Ich weiß, was euch guttut.
Füße waschen.
Zum Beispiel.
Vor vier Wochen haben sie sich hier die Füße gewaschen.
Frauen, beim Weltgebetstag.
Als Zeichen dafür, was Jesus uns getan hat.
Als Zeichen, was Menschen einander tun können.
Erschöpften, Kranken, Armen, Flüchtlingen etwas von der Liebe Gottes zeigen.
So wie die Frauen von den Bahamas es uns erzählt haben.
Zum Beispiel.
Ich trau mich nicht.
Jedes Jahr denke ich:
Wir müssten uns am Gründonnerstag die Füße waschen.
Besser: Ich müsste euch die Füße waschen.
Steht ja da:
Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen.
Ein geradezu sakramentales Vermächtnis.
Vielleicht hat Johannes es so verstanden.
Wo die anderen Evangelisten vom Abendmahl erzählen, berichtet er vom Füßewaschen.
Einmal in der Taufe gebadet.
Und immer wieder die Füße gewaschen.
Nicht den Kopf.
Ein Sakrament der Liebe.
Die Kirche feiert mit Matthäus, Markus, Lukas und Paulus das Sakrament des Mahles.
Nicht das der Waschschüssel.
Aber das Beispiel, das Jesus gegeben hat, steht uns immer noch vor Augen.
So sollten Christen sein.
Wie ihr Herr und Meister.
Dienend.
Fußpfleger.
Denn manches Gute kommt von unten.
Heute feiern wir gemeinsam Abendmahl.
Wenn wir dabei auch die Füße unter den Tisch stecken, wollen wir sie nicht vergessen.
Sie sollen sich erholen.
Heute, hier.
Sie sollen gesegnet sein.
Bald werden sie wieder unterwegs sein:
Frieden verkündigen,
Gutes predigen,
Heil verkündigen.
Amen.