Sonntag, 21. Februar 2016

Predigt am 21. Februar 2016 (Sonntag Reminiszere)

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.
Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.
Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung haben.
Römer 5, 1-11
*
„Früher war Krieg – was ist heute?“
Als wir Kinder waren, war das ein Scherzrätsel.
„Früher war Krieg – was ist heute?“
Die richtige Antwort heißt: „Heute ist Sonntag.“
Je nachdem konnte sie auch heißen: „Heute ist Dienstag“ oder „Freitag“.
Früher war Krieg – was ist heute?
Dieses Früher ist uns ganz weit weg gerückt.
Einige von euch haben den Krieg noch erlebt, als Kinder.
Für uns war er schon immer ganz, ganz früher, der Krieg, als wir noch lange nicht geboren waren.
Seitdem haben wir die längste Zeit ohne Krieg, die es in unseren Gefilden jemals gegeben hat.
Früher war Krieg.
Ganz früher.
Und wir – und noch weniger unsere Kinder – können uns vorstellen, wie es anders sein könnte.
Früher war Krieg – was ist heute?
Heute ist Krieg.
Eigentlich war fast immer irgendwo Krieg, so lange ich mich erinnern kann:
In Vietnam, in und um Israel, zwischen Iran und Irak, in Afghanistan, in Angola, in Kuwait, in Jugoslawien, und wieder in Afghanistan und im Irak, jetzt in Syrien, aber auch in der Ukraine.
Früher war Krieg – und heute ist Krieg.
Wir merken es in Deutschland: Die Menschen fliehen zu uns, weil bei ihnen Krieg ist – oder so was ähnliches.
Wir merken es hier: Die Menschen kommen zu uns, die Touristen, weil unsere Inseln der Seligen zu den letzten sicheren Urlaubszielen gehören.
Früher war Krieg – und heute ist Krieg.
Er kommt näher, und er kriecht langsam in uns hinein.
Der Hass auf der Straße.
Die bösen Worte im Netz.
Die Risse, die durch Familien und Freundeskreise gehen.
Und die Unduldsamkeit derer, die immer alles genau wissen und andere Meinungen und Argumente gar nicht erst hören wollen.
Ein falscher Satz, und der Kontakt wird abgebrochen (habe ich gerade erlebt).
Vor zwanzig Jahren haben wir uns gewundert, wie etwa in Bosnien Nachbarn, die friedlich zusammengelebt haben, zu Kriegsgegnern werden konnten.
Wie weit sind wir davon noch entfernt?
Vor ein paar Tagen erreichte mich ein Brief, in dem eine Gruppe besorgter Menschen aus Deutschland anfragt, ob sie im Falle eines Bürgerkrieges bei uns Zuflucht finden könnten …
Früher war Krieg – und was ist heute?
Und was ist morgen?
*
Früher war Krieg, schreibt der Apostel Paulus.
Krieg zwischen Gott und Menschen.
Wir waren Feinde.
Zuerst haben sie aufgehört miteinander zu reden, die Menschen und Gott.
Dann sind sie aufeinanderlosgegangen:
Die Menschen aufeinander.
Aber mit jedem Menschen, den sie verletzt haben, haben sie auch Gott verletzt.
Mit jedem Menschen, den sie getötet haben, haben sie auch Gott getötet.
Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Und Gott hat zurückgeschlagen.
Mit Plagen und Katastrophen, mit der großen Flut.
Aber das hat nichts genützt.
Wenn Gott gegen die Menschen kämpft, dann stellen einige sich auf die Seite Gottes und kämpfen mit ihm gegen die anderen Menschen, gegen die gottlosen.
So haben es viele getan, und tun es bis heute:
„Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss
oder „Allahu akbar – Gott ist groß“ auf den Lippen.
So war es früher:
Krieg zwischen Gott und Mensch.
Krieg zwischen Mensch und Mensch.
So soll es heute nicht mehr sein.
Denn Gott hat Frieden gemacht.
Er hat angefangen aufzuhören.
Er hat aufgehört zurückzuschlagen.
Er hat sich lieber selber töten lassen, als andere zu töten.
„Stecke das Schwert an seinen Ort; denn wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen“, hat er gesagt und ließ sich widerstandslos gefangen nehmen.
Die Engellegionen blieben in den himmlischen Kasernen und mussten tatenlos mit ansehen, wie ihr Oberkommandierender hingerichtet wurde.
„Sie wissen ja nicht, was sie tun“, hat er gesagt. Und hat ihnen vergeben. Den Menschen. Den Sündern. Seinen Feinden.
Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Das ist der Wochenspruch.
Der Lernspruch für diesen Sonntag in der Passionszeit.
Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Früher war Krieg.
Jetzt ist Frieden.
Versöhnung.
Liebe.
Von Gott aus.
Und von uns aus?
Wir können weiter Krieg führen gegen Gott.
Und gegeneinander.
Wir haben es ja getan: Jahrhunderte lang, bis heute.
Oder wir können seinem Friedensangebot trauen.
Seine Liebe in unserem Herzen spüren.
Uns leiten lassen von seinem Geist.
Geduldig bleiben, auch wo es uns schwer wird.
Die Hoffnung nicht aufgeben, wo immer noch Unfriede herrscht.
*
Wir haben heute ein Kind getauft.
Hinein in die Liebe Gottes.
Hinein in Tod und Auferstehung Jesu.
Auch für dich bin ich gestorben, sagt er.
Auch für dich lebe ich.
Du sollst in meinem Frieden leben.
Und im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung.
*
Früher war Krieg.
Und was ist morgen?
Wir wissen es nicht.
Heute ist Angst vor dem Krieg.
Er kriecht langsam in unsere Herzen und Gedanken.
Wir trauen dem Frieden nicht.
Wir trauen den Menschen nicht, die zu uns kommen.
Wir trauen den Menschen nicht, die anders denken, fühlen, handeln, als wir selbst.
Wir trauen uns selber nicht mehr.
Erschrecken vielleicht, hoffentlich über die Härte, die da manchmal in uns ist.
Heute ist Angst vor dem Krieg.
Und was ist morgen?
Heute ist auch Frieden.
Frieden mit Gott.
Höher als alle Vernunft.
Dem lasst uns trauen.
Lasst uns hoffen, dass seine Liebe, die er in unsere Herzen gegossen hat, stärker ist als der Tod, als die Verletzungen, als die Verhärtungen.
Lasst uns hoffen, denn:
Hoffnung lässt nicht zuschanden werden.
Früher war Krieg.
Heute ist Frieden – trotz allem Krieg.
Und einmal wird ewiger Friede sein.
*
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.