Samstag, 4. Januar 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Samstag, dem 4. Januar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

unsere guten Vorsätzen zum neuen Jahr reichen meistens nicht sehr weit, habe ich gestern an dieser Stelle festgestellt.

Heute möchte ich deshalb lieber über Gottes gute Vorsätze sprechen.

Auch Gott hat sich etwas vorgenommen fürs Neue Jahr. Und wenn Gott sich etwas vornimmt, dann hat er keine Probleme damit, seine guten Vorsätze auch auszuführen. Das ist einer der vielen kleinen Unterschiede zwischen Gott und Mensch.

Gottes Vorsatz fürs neue Jahr heißt: Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.

Ok, ich habe ein bisschen gemogelt. Gott hat diesen Satz schon vor längerer Zeit gesagt, und auch zu jemand anderem als zu dir oder mir. Nämlich zu Josua (Josua 1, 5b). Der stand nicht am Anfang eines neuen Jahres, sondern am Anfang einer großen Aufgabe und an der Grenze eines unbekannten Landes. Als Mose gestorben war, der die Israeliten aus Ägypten geführt hatte, wurde Josua zum Anführer des Volkes, und er hatte die Aufgabe mit ihnen das Land Kanaan zu besiedeln. Vor der Größe dieser Aufgabe war er doch etwas erschrocken. Und genau da hat Gott zu ihm gesagt: Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.

Natürlich, es ist immer so eine Sache alte Bibelworte aus ihrem Zusammenhang zu reißen und einfach auf uns zu beziehen. Aber oft ist es doch richtig. Denn sie sagen uns etwas darüber, wie Gott grundsätzlich so ist. 

Und, ja, er ist grundsätzlich so, wie er es dem Josua sagt. Er will uns nicht verlassen, noch von uns weichen. Das ist geradezu seine Wesensart und sein Name. Denn so kann man auch den alten hebräischen Gottesnamen übersetzen: Ich bin für dich da. Das sagt Gott nicht nur einem einzelnen Menschen, sondern Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten.

Zu Weihnachten haben wir es besonders deutlich gesehen. Gott verlässt uns nicht, sondern – im Gegenteil – er kommt zu uns, er möchte bei uns sein.

Und dieses Versprechen, diesen seinen Vorsatz wird er auch dieses Jahr halten. Ganz gewiss.

Freitag, 3. Januar 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Freitag, dem 3. Januar 2014

Einen guten Morgen am dritten Tag des Jahres, wünsche ich Ihnen, liebe Hörer.

Was machen eigentlich Ihre guten Vorsätze aus der Neujahrsnacht? – Haben Sie die Zigaretten liegen lassen? Sind Sie joggen gewesen? Oder was war es doch gleich, was Sie an Ihrem Leben ändern wollten?

Wissen Sie, ich mache das schon lange nicht mehr. Am dritten oder vierten Tag des Jahres – oder wann auch immer – ist man dann enttäuscht von sich selber, dass man es wieder nicht geschafft hat, was man sich Gutes vorgenommen hat. Das Rauchen habe ich mal irgendwann im Oktober aufgegeben, nicht am Neujahrstag. Mich mehr zu bewegen, das nehme ich mir aller paar Wochen neu vor. Und freundlich zu sein, bestimmte Menschen anzurufen oder unangenehme Aufgaben wahrzunehmen, dazu muss ich mir sowieso immer wieder mal einen Stoß geben. Nicht nur am Neujahrstag.

Das Problem mit den guten Vorsätzen ist schon in der Bibel bekannt. Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner Briefe: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich (Römer 7, 18.19).

Denn das ist ein typisches Problem von uns Menschen: Wir schaffen es nicht, unseren eigenen guten Vorsätzen zu folgen, unseren inneren Schweinehund zu überwinden und bessere Menschen zu werden.

Gott sei Dank, der Apostel Paulus zieht aus dieser Tatsache die Schlussfolgerung, dass es gar keinen Sinn hat, sich selber besser machen zu wollen, als man ist. Und er sagt, dass wir das auch gar nicht nötig haben.

Ich glaube, gerade das ist ein ganz entscheidender Unterschied zwischen dem Christentum und allen anderen alten und neuen Religionen und Heilslehren: Sie geben uns Anleitungen, wie wir uns selber und die Welt verbessern können; wir müssen etwas dafür tun. Das Christentum lehrt uns, dass wir eigentlich nichts tun können, sondern dass Gott alles tut, um unser Leben entscheidend zu verbessern, ja es von Grund auf gut zu machen.

Der beste Vorsatz fürs neue Jahr kann eigentlich nur heißen: Gott nicht zu vergessen und ihm in allen Dingen zu vertrauen.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Donnerstag, dem 2. Januar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

am Anfang eines neuen Jahres wünschen wir uns Gesundheit – und Glück. Auch zum Anfang eines neuen Lebensjahres. Oder überhaupt. Herzlichen Glück-Wunsch! – Wir wünschen einander Glück.

Das ist schön. Denn stellen Sie sich vor, wir würden einander Unglück wünschen, Pech, Misserfolge und Krankheit! Was für eine grausame Welt! In einer freundlichen Welt wünschen wir uns Glück.

Die Kirchen im deutschsprachigen Raum haben für jedes Jahr ein besonderes Bibelwort als Jahreslosung. Und in der Jahreslosung für 2014 geht es auch um Glück. Gott nahe zu sein, ist mein Glück, heißt sie.

Das ist eine moderne, zeitgemäße und überraschende Übersetzung. Denn in unserer altgedienten Lutherübersetzung kommt das Wort Glück eher selten vor. Da ist von Freude die Rede oder von Seligkeit.
Aber nun eben so: Gott nahe zu sein, ist mein Glück.

Religion, christlicher Glaube wird mit allem möglichen in Verbindung gebracht, aber nur selten mit Glück. Glück – das ist ein Lottogewinn. Glück – das ist, wenn man eine schwere Krankheit überlebt hat, dem Tod von der Schippe gehüpft ist, wie man so sagt. Eben Schwein gehabt! Glück ist wohl auch, wenn man frisch verliebt ist. Glück empfinde ich vielleicht, wenn die Sonne aufs Meer scheint oder wenn ich eine Bergwanderung geschafft habe. Glück ist für manche nur Körperchemie: Wenn ich genug Endorphine im Blut habe, bin ich glücklich.

Alle diese Arten von Glück sind Gefühlszustände, die wieder vergehen. Sei es, dass der Endorphinspiegel sinkt, sei es, dass wir uns an den Partner gewöhnt haben, in den wir mal verliebt waren, sei es dass wir die Sonne jeden Tag aufs Meer scheinen sehen – so wie es vielen auf unserer Insel geht: man gewöhnt sich halt dran. – Unser Glück ist flüchtig.

Gott nahe zu sein, das ist kein dauernder Glückszustand. Der Glaube bewahrt uns auch nicht vor Verlusten, Niederlagen, Krankheiten und anderem Unglück. Das Glück, Gott zu kennen, Gott nahe zu sein, ist tiefer. Es ist immer mit dabei, es hält und trägt mein Leben im Glück und im Unglück.

Aber manchmal wird es mir wieder ganz stark bewusst: Gott ist mir nahe, und ich bin glücklich. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem neuen Jahr etwas von diesem großen Glück spüren können.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Mittwoch, dem 1. Januar 2014

Guten Morgen, liebe Hörer,

schön, dass Sie schon ausgeschlafen haben an diesem Neujahrsmorgen!

So ein Jahreswechsel ist eigentlich etwas Verrücktes. Wir tun so, als wäre das sonst was, dass wir jetzt eine neue Jahreszahl schreiben: zweitausendvierzehn, dos mil catorce.

Eigentlich ist das pure Willkür. Irgendwann hat mal irgendjemand irgendwo festgelegt, dass an diesem Tag das neue Jahr beginnt; es hätte auch jeder andere Tag sein können. Wir kennen das ja auch von ferne: das jüdische Neujahrsfest oder das chinesische Neujahrsfest sind an anderen Terminen im Jahr. Und das christliche Neujahrsfest war bis ins 16. Jahrhundert der Weihnachtstag. Das macht ja auch Sinn, wenn wir die Jahre ab Christi Geburt zählen. Martin Luthers bekanntestes Weihnachtslied Vom Himmel hoch, da komm ich her endet deshalb auch mit dem Vers: Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr.

Neujahr ist also reiner Zufall. Die Erde dreht sich weiter um die Sonne. Der Punkt, den sie am Jahreswechsel durchläuft, ist nicht irgendwie rot markiert. Nur unsere Kalender sind es. Und so organisieren wir einiges neu ab diesem Tag, ohne dass sich etwas Wesentliches ändert.

Darum feiert die Kirche am Neujahrstag eigentlich auch etwas ganz Anderes als den Jahresbeginn, nämlich die Beschneidung und Namensgebung von Jesus. Im Lukasevangelium, gleich nach der bekannten Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, 21) heißt es: Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

Jesus, das war damals ein ganz normaler Name. Viele Kinder hießen so. Und doch hat er eine besondere Bedeutung: Jesus, hebräisch Jeschua, bedeutet Heil, Hilfe, Rettung. Er drückt genau das aus, wozu Jesus in die Welt gekommen ist: um zu heilen, zu helfen und zu retten. Jesus ist unser Heiland, wie es das alte deutsche Wort sagt.

Ein Lied (EG 62), das nach der Verschiebung des Neujahrsfestes auf diesen Tag entstanden ist, verbindet beide Anlässe:
Jesus soll die Losung sein,da ein neues Jahr erschienen;Jesu Name soll alleindenen heut zum Zeichen dienen,die in seinem Bunde stehnund auf seinen Wegen gehn.

Ja, das finde ich gut. Jesus will mit uns durch das neue Jahr gehen. Er möge uns begleiten, und wir ihn nicht vergessen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

Dienstag, 31. Dezember 2013

Predigt am 31. Dezember 2013 (Altjahrsabend)

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Hebräer 13, 8-9b

Liebe Schwestern und Brüder,
die Zeiten ändern sich, und Jesus Christus bleibt derselbe. Die Jahre kommen und vergehen. Die Trends und Moden wandeln sich, Gottes Wort steht fest. Wo alles in Bewegung ist, da bleibt wenigstens ein Halt: der christliche Glaube! – So könnte man dieses kurze Bibelwort verstehen und sich am Jahreswechsel die kalten Füße dran wärmen.
Es mag sein, dass alles fällt, / dass die Burgen dieser Welt / um dich her in Trümmer brechen. / Halte du den Glauben fest, / dass Gott dich nicht fallen lässt: / er hält sein Versprechen. – So dichtete Rudolf Alexander Schröder 1939 in bewegter Zeit.
Und daran ist nichts falsch; im Gegenteil: Es ist genau richtig, dass wir unseren festen Halt im Wandel der Zeiten dort und nur dort suchen und finden – bei Jesus Christus.
Und trotzdem wollen solche Worte eingeordnet sein. Sie stehen nicht im luftleeren Raum. Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit – dieser Glaubenssatz selber steht nicht im luftleeren Raum. Sondern im Hebäerbrief, im 13. Kapitel. Mitten unter anderen Sätzen. Sätzen, in denen das Leben konkret wird: Sätzen über Gastfreundschaft – wörtlich: Fremdenfreundlichkeit, über die Solidarität mit Gefangenen und Misshandelten, über die Reinheit der Ehe, die Schädlichkeit der Geldgier und über den zweifelhaften Nutzen von Ernährungsvorschriften. Das sind die Alltagsthemen, in denen Glauben konkret werden kann, damals wie heute: Kein Jesus Christus, der als Lehrgebilde über den Wolken schwebt, sondern Jesus Christus, der im gelebten Glauben lebendig und gegenwärtig ist. Und dann steht da ein Satz, den wir gut kennen, vielleicht noch im Ohr haben – als Jahreslosung dieses zu Ende gehenden Jahres 2013: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Wenn es also um den festen Halt des christlichen Glaubens, um das Festhalten an Jesus Christus geht, dann hat das wenig mit einem starren und unbeweglichen Felsen in der Brandung der Zeiten zu tun. Es hat viel mehr mit dem zu tun, der mit uns unterwegs ist auf dem Weg zur Ewigkeit. Das Bild für die christliche Gemeinde, das der Hebräerbrief uns vor Augen malt, ist das Bild vom wandernden Gottesvolk: Wir sind unterwegs. Und unterwegs, da bleibt nichts, wie es ist. Da gibt es keine bleibende Stadt, keinen Ort, wo wir auf Dauer bleiben können, keinen Felsen, an dem wir uns ständig festhalten könnten – denn dann kämen wir nicht mehr voran.
Ich habe nach einem anderen Bild gesucht für den festen Halt auf unserer Wanderung. Und da ist mir der Wanderstab eingefallen: Stab, an dem ich geh. – Ich fand das ja früher albern, wenn die Leute mit Skistöcken durch die Landschaft gelaufen sind. Im ersten Jahr auf der Insel haben wir uns dann doch selber solche Wanderstöcke gekauft. Ich habe sie ausprobiert und war begeistert: Es läuft sich leichter und ich habe wirklich besseren Halt. – Das wäre ein Bild für uns: der Glaube an Jesus Christus als unser Wanderstab, wenn wir unterwegs sind durch die Zeiten. Er ist dabei, er entlastet uns, er gibt uns Halt.
Aber noch wichtiger ist mir, wenn ich unterwegs bin, die Begleitung: dass einer dabei ist, der mich im Ernstfall auch stützen und festhalten kann, wenn es zu steil oder zu schwierig wird. Und so könnte ich mir Jesus auch vorstellen: als Wanderführer, als mein Freund, Begleiter und Helfer auf meinem Weg durch die Zeiten: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Ja, er ist und bleibt derselbe; und doch ist und bleibt er vor allem der Lebendige. Und lebendig ist, wer sich verändert. Jesus Christus bleibt derselbe, indem er sich verändert. Indem er sich auf uns und auf unsere jeweilige Situation einstellt. Wenn unser Wanderweg eben und einfach ist, dann ist er vielleicht ein guter Geprächspartner oder einer, neben dem man auch mal eine Weile schweigend gehen kann oder von dem man sich mal ein paar Meter entfernen kann – so lange man auf Sichtweite bleibt. Wenn es schwierig wird, dann muss er uns Mut machen oder uns an die Hand nehmen. Im Extremfall wird er uns stützen und weiter tragen, dass wir nur ja nicht auf der Strecke bleiben, dass wir nur ja unser Ziel erreichen. Mit ihm zusammen.
Jesus Christus – ich staune, auf wie vielfältige Weise er uns begegnet, für uns da ist. Weihnachten ist er uns das Kind in der Krippe. Dann ist er der Lehrer und Geschichtenerzähler; der Heiler und Helfer; er ist der Rebell, der sich gegen die althergebrachte Ordnung stellt und der die Händler aus dem Tempel jagt, und dann ist er der, der sich abführen, verhören, verspotten und kreuzigen lässt, der leidende Gottesknecht, Gottes Lamm; er ist es, der hinabsteigt ins Totenreich, in die Hölle, und er ist es der hinauffährt zum Himmel, der an Gottes Seite sitzt, der König ist und Richter über alle Welt, der wiederkommen wird am Ende der Zeiten; und dann doch einfach wieder mein Freund und Bruder, mein Gefährte und mein Helfer auf der Wanderung durchs Leben. Jesus Christus – immer derselbe, und doch immer wieder ganz anders. So wie es für uns gut ist. Manchmal so, dass wir uns ganz eins wissen mit ihm. Manchmal ganz anders, so dass wir ihn nicht verstehen.
Jesus Christus – derselbe, ja. Aber er lässt sich nicht festnageln auf eine bestimmte Rolle. Er lässt sich nicht einfangen in Glaubenslehren und einsperren in Kirchenmauern.
Das Wichtige, das Entscheidende für uns ist, dass er die Hauptperson unseres Glaubens und Lebens bleibt. Wir sollen uns nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben lassen. Denn wir haben an ihm genug, mehr als genug. Wenn manche meinen, Jesus reicht nicht, wir brauchten auch noch ein bisschen Buddha und Mohammed dazu oder wen auch immer, dann möchte ich sagen: Werde erstmal mit Jesus fertig, habe ihn wirklich verstanden, habe ihn im Herzen und lebe mit ihm – und dann kannst du dich immer noch anderswo umschauen, ob du etwas Besseres findest. – Ich bin mit Jesus noch lange nicht fertig. Ich möchte ihn weiter und besser kennenlernen, in seiner ganzen Größe und Vielfalt, in seiner Menschlichkeit, in seiner Göttlichkeit.
Unser Herz soll fest werden durch Gnade. Das darf man nicht verwechseln: Unser Herz soll nicht hart werden. Also auch hier taugt das Bild vom Felsen nicht so viel. Unser Herz wird fest, wenn wir einem anderen vertrauen. Unser Herz wird fest, wenn wir diesem Jesus Christus vertrauen. Dass er in seiner Größe und Vielfalt für uns da ist. Dass er mit uns geht. Und dass er uns ans Ziel bringt. Zur bleibenden Stadt unseres Gottes.
Zur Größe und Vielfalt Jesu gehört es, dass er uns seine unmittelbare Nähe anbietet in seinem Wort und Sakrament. Nicht, dass er eingesperrt wäre in den Worten der Bibel oder den Gaben des Abendmahls. Nein, er ist viel größer. Aber hier lässt er sich finden, hier will er bei uns sein. Hier will er unser Herz fest machen durch seine Gnade. Gestern und heute und in Ewigkeit. Darum werden wir zu allen Zeiten Gottesdienst feiern, sein Wort hören und sein Mahl halten. Das wird auch im neuen Jahr nicht anders sein, was immer auch kommen mag. Amen.

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Dienstag, dem 31. Dezember 2013

Guten Morgen liebe Hörer,

kennen Sie die größte Lüge im Evangelischen Gesangbuch? Sie steht unter Nummer 63 und heißt: Das Jahr geht still zu Ende. – Falls das früher mal so gewesen sein sollte, unsere Silvesterbräuche sind inzwischen anders. Das Jahr geht laut zu Ende und feuchtfröhlich.

Und es gibt viele Gründe, Silvester so zu feiern:
Wenn das alte Jahr gut war – warum soll man es dann nicht mit einer fröhlichen Party verabschieden! Wenn das alte Jahr nicht so gut war – warum sollte man es sich dann nicht am letzten Abend noch schön trinken! Wenn wir hoffnungsvoll ins neue Jahr aufbrechen, warum sollen wir dann nicht drauf anstoßen! Und wenn uns das neue Jahr eher wenig Gutes verheißt, dann wollen wir es uns wenigstens heute noch gut gehen lassen!

Trotzdem finde ich es gut, wenn dieser letzte Tag auch seine stillen Momente hat. In unseren Kirchen feiern wir Gottesdienst, um uns daran erinnern zu lassen, was bleibt und ewigen Wert hat im Wandel der Zeiten. Silvestergottesdienste sind eher ernst und besinnlich.

Und auch die ersten Augenblicke des Neuen Jahres habe ich schon manches Mal eher stille erlebt. Bevor das Feuerwerk anhebt und die Böller krachen, ist da ein Moment der Stille, da ist der Kuss und der gute Wunsch für den liebsten Menschen, und dann beginnen draußen die Kirchenglocken zu läuten in die Stille hinein. Manchmal standen wir in unserer alten Heimat in Deutschland auf dem Kirchturm in Eis und Schnee, und während es um uns herum krachte und blitzte und neben uns die Glocken dröhnten, hielten wir uns an der Hand und waren einander und der Ewigkeit nahe. Auch das ist für mich Silvester.

Ich wünsche Ihnen frohes Feiern, viel Spaß, einen guten Rutsch. Und ich wünsche Ihnen auch ein paar Augenblicke der Stille, der Besinnung, der Liebe und der Dankbarkeit.

Montag, 30. Dezember 2013

Zündfunke (Rundfunkandacht) am Montag, dem 30. Dezember 2013

Guten Morgen, liebe Hörer,

der vorletzte Tag des Jahres ist angebrochen. Die meisten Jahresrückblicke sind schon gesendet.

Ja, das sind die großen Rückblicke auf Politik und Zeitgeschehen. Unser eigener Jahresrückblick sieht meistens ganz anders aus.

Dass Marcel Reich-Ranicki und Nelson Mandela gestorben sind, das mag ja ganz interessant sein. Wirklich berührt haben uns andere Todesfälle in diesem Jahr. Namen, die nie in irgendwelchen Nachrichten aufgetaucht sind und niemals in den Geschichtsbüchern stehen werden. Aber uns waren sie nahe und wichtig, und nun sind sie in diesem Jahr von uns gegangen.

Stürme wie auf den Philippinen sind schrecklich. Solche Katastrophen berühren auch uns – gerade in einer klein gewordenen Welt. Und doch bewegen uns viel mehr andere Stürme, die durch unser Leben gefegt sein mögen: Krisen, Katastrophen, Unfälle in unserem Umfeld. Ehen und Beziehungen, die zerbrochen sind; Pläne, die gescheitert sind; Krankheiten, die uns unsere Grenzen aufgezeigt haben. Jeder wird in seiner näheren oder weiteren Umgebung solche Stürme erlebt haben.

Neuwahlen, Regierungswechsel – die Folgen politischer Entscheidungen berühren uns meistens nicht unmittelbar, auch wenn sie mittelfristig Auswirkungen haben werden auf unser Leben und unsere Lebensqualität. Viel wichtiger, als wer für uns im Bundestag sitzt und Reden hält, ist, wer mit uns am Tisch sitzt, mit wem wir in diesem Jahr geredet haben, Freude und Leid geteilt, gelacht und geweint haben.

Ich möchte Sie einladen, bevor Sie sich morgen in die Silvesterfeiern stürzen, heute so was wie einen persönlichen Jahresrückblick zu halten. Was ist nach diesem Jahr 2013 anders in meinem Leben als es Ende 2012 war? Wer war für mich in diesem Jahr der wichtigste Mensch? Wer hat mir am meisten gegeben, und wer hat mir am meisten abverlangt? Von wem musste ich Abschied nehmen? Und wer ist neu in mein Leben getreten? Und ich selber: Bin ich noch der Alte von vor einem Jahr, oder habe ich mich verändert?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei Ihrem persönlichen Jahresrückblick auch Gutes entdecken können. Und dass Sie Gott dafür danken können.