Sonntag, 19. Oktober 2014

Predigt am 19. Oktober 2014 (18. Sonntag nach Trinitatis)

Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: nicht als Unweise, sondern als Weise.
Und kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit.
Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen.
Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Epheser 5,15-20


„Passen Sie gut auf sich auf!“ Vor vielen Jahren gab es mal einen Fernsehmoderator, der jede seiner Nachmittags-Talk-Sendungen mit diesem Satz beendete: „… und passen Sie gut auf sich auf!“ (Leider hat er selber nicht so gut auf sich aufgepasst und ist inzwischen ziemlich weit in die esoterische Ecke abgedriftet.)
Mir war das eigentlich immer ein bisschen zu wenig christlich, gerade von einem, der von Hause aus Pfarrer war.
Sollte ein Christ nicht lieber sagen:
„Gott soll gut auf dich aufpassen“?
Oder: „Der Herr segne dich“?
Oder: „Sein Engel beschütze dich“?
Wäre das nicht besser, als uns das Aufpassen selber zu überlassen?
Und nun stelle ich fest: In der Bibel stehen auch nicht nur Segenswünsche von den Engeln, denen Gott befohlen hat, dass sie uns auf den Händen tragen, sondern auch Sätze wie dieser:
Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt.
Mit anderen Worten: „Passt gut auf euch auf!“
*
„Pass gut auf dich auf!“, sagt die Mutter zu ihrer Tochter, als sie allein weggeht.
Das ist ein wichtiger Punkt in der Lebensgeschichte, wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr umfassend behüten können. Dann bleibt ihnen nur die Bitte: „Pass jetzt selber auf dich auf!“
Aber vielleicht geht es schief, und sie kommt dann zu zweit wieder, weil sie das Aufpassen an ihren Freund delegiert hat, und er hat das auch nicht so richtig hingekriegt mit dem Aufpassen.
Aber das müssen Eltern riskieren, wenn ihre Kinder groß werden...
*
Auch Gott riskiert etwas, wenn er seinen Menschenkindern sagt: „Passt gut auf euch auf!”
Das war schon bei Adam und Eva so:
„Passt gut auf euch auf!“, sagte Gott, als er die beiden im Garten Eden zurückließ. „Bewirtschaftet euren Garten, esst von den Bäumen – außer von dem einen. Und: Passt gut auf euch auf!“
Und dann haben sie nicht aufgepasst, und es ist schief gegangen.
Das war bei Kain und Abel so:
Kain war zornig, eifersüchtig, wütend auf seinen Bruder. Und Gott warnte ihn vor der Sünde, die wie ein böses Tier vor seiner Tür lauerte: „Pass gut auf dich auf!“
Er hat nicht auf sich aufgepasst, und es ist schief gegangen.
Es war immer und immer wieder so.
Jesus erzählt es in der Gleichnisgeschichte vom Verlorenen Sohn.
Der ist aus dem Haus gegangen, das Erbe des Vaters in der Tasche; und ich stelle mir vor, wie der Vater ihn zum Abschied umarmt, ihm auf die Schulter geklopft und gesagt hat: „Pass gut auf dich auf!“
Aber er hat nicht aufgepasst, und es ist schief gegangen.
*
So ist das bei uns Menschen, und so ist das bei Gott: Wir sind selber für unser Leben verantwortlich.
Wir gehen aus dem Elternhaus.
Wir treffen eigene Entscheidungen.
Oder wir lassen andere über uns entscheiden.
Und wir müssen selber auf uns aufpassen, sonst geht es schief.
Der Papa steht nicht mehr neben uns und hält uns fest, wenn wir ohne zu gucken über die Straße rennen wollen. Aber vielleicht haben wir seine Stimme noch im Ohr: „Pass auf dich auf!“
*
Wir können das. Eigentlich.
Wenn wir nachdenken, bevor wir den Mund aufmachen.
Wenn wir überlegen, bevor wir etwas tun.
Wenn wir unsere Fähigkeiten und unsere Grenzen einigermaßen kennen.
Dann können wir schon ganz gut auf uns aufpassen.
Dann geht es nicht so oft schief.
Führt euer Leben nicht als Unweise, sondern als Weise.
Wer auf sich selber aufpassen kann, der ist weise.
*
Wir wissen, was gut für uns ist. Eigentlich.
Vielleicht war ja nicht alles verkehrt, was unsere Eltern uns beigebracht haben.
Vielleicht ist ja nicht alles falsch, was Pfarrer und Lehrer uns gesagt haben.
Vielleicht sollten wir mal drüber nachdenken.
Und vielleicht sollten wir das mit unserem eigenen Kopf tun.
Eigene Entscheidungen treffen.
Selber auf uns aufpassen.
Selber herausbekommen, was Gottes Wille für unser Leben ist.
Werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Wer selber weiß, was gut für ihn ist, der ist verständig.
*
„Pass gut auf dich auf!“
Das ist Gottes Stimme in unserem Ohr.
Das ist Gottes Geist in unserem Herzen.
Das ist Gottes Engel an unserer Seite.
So passt Gott auf uns auf:
Indem er uns dran erinnert, dass wir selber aufpassen müssen.
*
Eigentlich können wir das.
Eigentlich wissen wir, was gut für uns ist.
Und trotzdem geht es immer wieder schief.
Seit Adam und Eva.
Bis zu uns und unseren verlorenen Söhnen und Töchtern.
Gott sei Dank, sagt Gott dann nicht: „Siehst du! Ich hab dir doch gesagt, dass du aufpassen sollst!“
Er sagt: „Komm her, steh auf, fang neu an!“
*
Weise ist nicht nur der, der immer auf sich selbst aufpassen kann.
Verständig ist nicht nur der, der immer weiß, was gut für ihn ist.
Geisterfüllt ist nicht nur der, der immer Gottes Stimme im Ohr hat.
Wirklich weise ist, wer nicht im Dreck liegen bleibt, wenn er gestrauchelt ist.
Wirklich verständig ist, wer Fehler zugeben kann.
Wirklich von Gottes Geist erfüllt ist, wer zu Gott zurückkehrt und mit seiner Hilfe neu anfängt.
*
In diesem Sinne:
Passt gut auf euch auf!
Und Gott segne euer Aufpassen!

Sonntag, 12. Oktober 2014

Predigt am 12. Oktober 2014 (17. Sonntag nach Trinitatis)

(Der Apostel schreibt:) Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.
Epheser 4, 1-6

Liebe Schwestern und Brüder,

als ich letzte Woche hier unten am Strand lang ging, waren wieder Sandkünstler am Werk. Sie hatten kunstvolle Gebilde geformt: eine Burg; und auch ein christliches Motiv war dabei: eine Pietà – Maria mit ihrem verstorbenen Sohn. Sandkunst. Schneller und einfacher zu erschaffen als ein Kunstwerk aus Holz, Stein oder Bronze. Aber auch vergänglicher. Der Sand trocknet, beginnt zu bröckeln, der Wind weht drüber und bläst die Körner weg, vielleicht kommt sogar eine Wasserwoge und das ganze Gebilde löst sich auf. Oder einfach nur ein böser Mensch, der mit ein paar Fußtritten alles zerstört. Dann ist der Sand wieder bloßer Sand. Jedes Körnchen für sich.

Was diese Kunstwerke – und das gilt für jedes Kunstwerk – zu dem machen, was wir darin erblicken – eben nicht nur Sand –, was diese Kunstwerke zu etwas Besonderem machen, das ist der menschliche Geist. Er gestaltet Bilder – und sei es aus Sand – nach anderen Bildern, die er im Kopf hat. Und der menschliche Geist ist es auch, der in diesen Kunstwerken das erblickt, was sie darstellen sollen: Für eine Möwe oder ein Hund ist das auch nur ein Haufen Sand, sie werden sich respektlos daraufsetzen oder hineinspringen. Ihnen fehlt halt der Geist.

*

Als Gott – ganz am Anfang seiner Schöpfung – über die Erde ging – wir haben vor 14 Tagen davon gehört –, da war die Erde noch wüst und leer: keine Sträucher, keine Kräuter, keine Bäume – nur Stein und Sand, staubige Erde. Und dann wurde Gott selber zum Künstler: Aus nebelbefeuchtetem Erdenstaub formte er den Menschen: nach seinem Bilde, nach dem Bild, das er im Sinne hatte. Gottes Geist gab dem Menschen seine Gestalt. Der Mensch ein Sandkunstwerk. Nicht aus Stein gemeißelt, nicht in Bronze gegossen, aus keinem Holz geschnitzt, sondern Erde von Erde. Eine Wasserwoge – und schon ist er weggeschwemmt. Ein Windhauch – und seine Gestalt löst sich auf: Staub zu Staub. Verletzlich. Vergänglich.

Aber Gott tat, was kein Sandstrandkünstler kann: Er hauchte seinem Werk Leben ein. Odem des Lebens. Und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen. Nicht nur ein totes Bild. Nein, ein lebendiges Gegenüber, das sich selbst erkennt – im Spiegel seines Schöpfers. Und in dem sich der Schöpfer selber erkennt. Geist. Leben.

Erdenstaub – Wasser – Gottesgeist: das ist der Mensch. Ein lebendiges Wesen.

Ein Leib und ein Geist.

Die alten Griechen sprachen von der Seele. Was unterscheidet einen toten Leib von einem lebendigen? Die Seele. Wo eine Seele ist, wird tote Materie lebendig. Wenn die Seele den Körper verlässt, zerfällt er. Löst sich auf. Wird zu Staub und Asche.

Die Juden sprachen vom Geist. Gottes Geist. Wo der Geist ist, da ist Leben. Wo Gottes Geist fehlt, da endet das Leben. Da zerfällt alles. Löst sich auf. Wird wieder zu Erde.

Nicht nur der Leib des Menschen zerfällt, wenn der Geist fehlt. Auch menschliche Gemeinschaften: Familien, Völker, Staaten, Zivilisationen.

Wahrscheinlich erleben wir das gerade: wie diese Gemeinschaften, in denen wir leben, sich mehr und mehr auflösen: Weil Gottes Geist nicht mehr weht bei uns. Oder nur noch wenig.

*

Als Gott – vor zwei Jahrtausenden – wieder über die Erde ging, da sah er, wie menschliche Gemeinschaften bedroht waren vom Zerfall: Gottes Volk gefangen in hartherzigem Streit um die richtige Auslegung von Gottes Geboten. Überzeugt, dass Gottes Geist seit den Zeiten der Propheten von ihnen gewichen war. Unterdrückt von den Römern, die sie am liebsten in die große Völkergemeinschaft ihres Imperiums hinein assimilieren wollten. Und Gott wurde wieder zum Künstler: Aus Menschen, die jeder für sich ihr Leben lebten, formte er die Kirche: eine Gemeinschaft nach seinem Bilde. Einige berief er zu Aposteln, seinen persönlichen Gesandten, andere rief er einfach so in seine Nachfolge. Seine Worte und seine Taten verbanden sie miteinander zu einem Leib. Sein Leben, das er für sie gab, wurde ihr Leben. Zuletzt hauchte er ihnen seinen Geist ein – Odem des Lebens. Und so wurde die Kirche ein lebendiger Organismus.

Ein Leib und ein Geist.

Die christliche Kirche: Leib Christi, belebt von Gottes Geist.
Berufen, die anderen menschlichen Gemeinschaften – Familien, Völker, Staaten und Zivilisationen – zu beleben, zu durchgeistigen.

*

Wenn bei uns, in der Kirche Gottes Geist nicht mehr wehen würde, dann würde auch sie, die Kirche, sterben. Würde zerfallen und zerbröseln wie eine Sandburg.

Das soll nicht sein. Darum muss die Kirche beieinander bleiben. All die einzelnen Sandkörner, aus denen Gott sie als sein Kunstwerk zusammengefügt hat. All die verschiedenen Glieder, die gemeinsam ihren Leib bilden.

Das Wasser der Taufe hat uns zu einem Leib zusammengefügt. Die Wasserwogen des Zeitgeistes sollen uns nicht auseinanderspülen.

Der Glaube an den einen Herrn ist in uns allen. Die Glaubensunterschiede zwischen den vielen einzelnen Christen, sollen uns nicht voneinander trennen.

Der eine Geist Gottes atmet in uns allen und lässt uns lebendig sein. Wir sollen uns die Gegenwart des Gottesgeistes nicht gegenseitig absprechen.

Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens, schreibt der Apostel.

Die Einheit der Kirche beginnt im allerkleinsten: indem wir einander ertragen, es miteinander aushalten, den anderen als Bruder, als Schwester annehmen. – Und wenn ich unsere bunte Gemeinde anschaue, dann scheint mir: Oft gelingt uns das schon ganz gut. Oft ist da Geist und Leben. Und Hoffnung.

Genau dazu sind wir berufen: Geist und Leben und Hoffnung in die Welt zu bringen. Ganz im Kleinen. Und dann auch ganz im Großen

Denn solange die Kirche als der Leib Christi lebt, solange Gottes Geist sie durchdringt, solange sie dem einen Herrn und Gott in Glaube und Taufe verbunden ist, solange gibt es Hoffnung für unsere Welt.



Sonntag, 5. Oktober 2014

Predigt am 5. Oktober 2014 (Erntedanktag)

Lasst uns nun durch Christus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.
Hebräer 13, 15-16


Liebe Schwestern und Brüder,
es war immer so: Sie brachten Körbe mit Obst und Gemüse, Kofferräume voll Marmelade und Kompott, Nudeln und Mehl, sie brachten Unmengen von Blumen, große Sonnenblumen, Astern und Dahlien, sie brachten Ährenbündel und Maiskolben, und riesige Kürbisse natürlich. Sie flochten einen Blütenkranz und zogen die Erntekrone hoch. Sie legten Brot und Weintrauben auf den Altar. Und die Kirche begann zu duften: nach Obst und Korn – nach Erntedank. Und dann, am Sonntagmorgen sangen sie miteinander, begleitet vom Posaunenchor: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn. Drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt, und hohohofft auf ihn.
Es war immer so: In dem Ort, wo ich aufgewachsen bin, der sich gerne Gartenstadt nannte und vor hundert Jahren noch ein Bauerndorf gewesen war.
Es war immer so oder so ähnlich: In den verschiedenen Orten, wo ich Vikar oder Pfarrer war.
Hier ist es ein bisschen weniger. Die Bewohner von Apartmentanlagen und Hotels können natürlich keine üppigen Erntegaben bringen. Aber der eine oder andere, der einen Garten hat, hat etwas beigesteuert. Und manche industriell gefertigten Lebensmittel, die haben wir halt im Laden gekauft und hierher gebracht. Ob nur geerntet oder zu fertigen Speisen verarbeitet, es ist, wie wir gesungen haben: Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.
Es war immer so. Auch 2002, kurz nachdem das Hochwasser viele Gärten überschwemmt und zerstört hatte, das Korn auf den feuchten Feldern verschimmelte und die Kartoffeln faulten. Trotzdem haben wir Erntedank gefeiert. Oder erst recht.
Meine Erinnerung reicht nur ein knappes halbes Jahrhundert zurück. Aber ich weiß, dass auch in den Jahre des Krieges, des Mangels und der Not Erntedank gefeiert worden ist. Vielleicht mit weniger Erntegaben, aber die waren dann um so wertvoller. Was haben wir manchmal geklagt über die riesigen Kürbisse – was sollte man damit tun? – Vor 65 oder 70 Jahren haben sie es sicher gewusst.
Erntedank ist nie ausgefallen. Nicht, weil es zu wenig gab zum Danken. Auch nicht, weil es zu viel gab und wir uns die Ernteerfolge selber auf die Fahnen geschrieben hätten. Nach dem Motto von Ulbricht: „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.“ Es ist ihm jedenfalls nicht gelungen, Erntedank abzuschaffen. Die Erntekapitäne auf den Mähdreschern, die einen unter der Woche von den Zeitungsseiten anschauten, waren häufig genug am Erntedanksonntag dann doch in der Kirche zu sehen.
Lasst uns nun durch Christus Gott allezeit das Lobopfer darbringen!
Allezeit! Es war immer so, es soll immer so sein.
Gott hat versprochen, dass nicht aufhören soll Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht – solange die Erde steht (Gen 8,22).
Und es hat nicht aufgehört. Es gab gute Jahre und schlechte Jahre. Es gab Hunger und Elend. Und doch immer wieder eine neue Saat, eine neue Hoffnung, eine neue Ernte.
So lasst uns Gott versprechen, dass auch unser Dank nicht aufhören soll: solange die Erde steht, solange Lebensodem in uns ist! In guten und in bösen Tagen. Auch dann, wenn Danken zum Opfer wird. Aber darum heißt es ja auch Dank-Opfer.

Es war immer so, und es ist auch bei uns so: Zum Erntedankfest bringen wir unsere Früchte zur Kirche. Die Früchte des Feldes und des Gartens, die Früchte der menschlichen Arbeit. Alles ist durch unsere Hände gegangen, alles ist von Gott gekommen: der Wachstum und Gedeihen schenkt und seinen Segen gar zart und künstlich einwickelt in unser Feld und Brot. Wir wickeln ihn aus und bringen ihn heute zurück zu Ihm, von dem er gekommen ist. Hierher in die Kirche.
Und dann nehmen wir ihn wieder mit zu denen, die ihn noch brauchen. Was hier vorn steht, das ist bestimmt für unser Partnerprojekt in Valle San Lorenzo, wo Kinder und Jugendliche aus problematischen Verhältnissen unterstützt werden.
Es war immer so: Am Erntedankmontag sind Autoladungen voll Obst und Gemüse, Marmelade und Kompott, Nudeln und Mehl und vieles vieles mehr in Einrichtungen der Diakonie gebracht worden, wo sie verzehrt wurden und zu wirtschaften halfen.
In einem unserer Dörfer im unteren Erzgebirge, da war es immer so, dass am Freitag vor dem Erntedanktag die Kinder von der benachbarten Grundschule in die Kirche kamen und in einer kleinen Erntedankfeier ihre Gaben nach vorn brachten. Fast jedes Kind hatte ein paar Dinge, die Kinder gerne essen: Müsli und Nutella, Nudeln und Tomatensoße in Dosen, Kekse und Süßigkeiten und vieles, vieles mehr. – Das war für ein christliches Sozialprojekt in Chemnitz, wo vor allem Kinder betreut wurden, die mehr oder weniger auf der Straße lebten und von zu Hause kaum das Nötigste bekamen.
So oder so ähnlich war und ist Erntedank immer. Wir teilen, die Erntegaben. Gaben, die wir empfangen haben. Gaben, die wir gegeben haben.
Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Dankopfer. Gott fordert keine Opfer für sich selbst. Die hat er nicht nötig. Nicht mehr. Seitdem Jesus sein Leben für alle geopfert hat.
Gott gefallen Opfer, die anderen nützen und helfen. Und so tragen wir die Früchte des Feldes und der menschlichen Arbeit in die Kirche hinein und mit Gottes Segen wieder aus der Kirche heraus zu den anderen, denen sie guttun. Heute symbolisch die Lebensmittel, sonst meistens Geld, das für die Früchte unserer Arbeit steht und kaufen kann, was Menschen zum Leben brauchen.

Aber nicht nur die Früchte des Feldes und der menschlichen Arbeit bringen wir als Dankopfer. Sondern auch unsere Gebete und unseren Lobgesang: Die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gerade am Erntedanktag.
Wir sagen Danke und wir singen Danke.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn...
So war es immer.
So ist es auch bei uns heute.
So soll es sein, solange Lebensodem in uns ist.

Sonntag, 28. September 2014

Predigt am 28. September 2014 (15. Sonntag nach Trinitatis)

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land.
Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Und es ging ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilte sich von da in vier Hauptarme. Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila, und dort findet man Gold; und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.
Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
1. Mose 2, 4b-15


Zu meinen frühesten Erinnerungen gehört der Garten, gleich neben dem Haus, in dem wir wohnten: mit Rasenfläche und Blumenrabatten, mit Gemüsebeeten und Komposthaufen, mit einer Wassertonne und mit einem Sandkasten zum Spielen und Bauen für den kleinen Roland.
Da draußen im Garten konnte ich mich frei bewegen, auch ohne dass Mutti oder Vati in unmittelbarer Nähe waren.
Umzäunt und geschützt, so dass ich nicht davonlaufen konnte, nicht auf der Straße unter die Räder kam und auch kein böser Mensch mich wegfangen konnte.
Klein-Roland mit der Kindergießkanne beim Blumengießen – da gibt’s noch alte Fotos.
Ganz ungefährlich war es trotzdem nicht im Garten. Ich sage nur: Wassertonne. – Klar, dass ich da mal reingefallen bin!
Aber wirklich allein gelassen war ich zum Glück ja nie: Die Eltern oder die Großmutter waren immer in Rufweite.
Der Garten war ein schöner Ort: Ich begann die  Welt zu entdecken und war doch behütet.
*
Später gehörte zu meinen unbeliebtesten Schulfächern der Schulgartenunterricht.
Da musste man gerade Beete anlegen, Radieschen oder Möhren säen, Unkraut jäten, sich die Finger dreckig machen. Die Stunden waren endlos, und am Ende bekam ich doch nur eine Drei, weil die Abstände zwischen den Pflänzchen zu ungleichmäßig waren oder das Beet zu schief, oder einfach nur weil ich weniger geschafft hatte als andere.
Spaß machte das nicht.
Auch um die Arbeit im Garten meiner Eltern habe ich mich nicht gerissen. Aber es musste eben sein: Unkrautziehen, Gießen, Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen oder Pflaumen pflücken und im Herbst umgraben.
Ein Garten erfordert Arbeit, sonst verwildert er: Bebauen und Bewahren.
*
Vor ein paar Jahren haben K. und B., beide in unserem Alter, sich einen Garten gekauft: mit einer bewohnbaren Hütte drauf, Rasenflächen, Obst- und Ziergehölzen, ein paar Beeten. Schön fürs Wochenende. Da kann man am Tag was tun und am Abend Bratwürste grillen und Bier trinken.
Es war eine Fehlinvestition.
Die ersten zwei Jahre haben sie oft Würste gegrillt und Bier getrunken; B. hat manchmal den Rasen gemäht; aber dann ist der Garten mehr und mehr verwildert. Sie hatten keine Lust oder zu wenig Energie, um ihren Garten wirklich zu pflegen und schön zu erhalten. Jetzt ist er von Unkraut überwuchert. Und auch zum Grillen und Biertrinken gehen sie nicht mehr dorthin.
Schade um den schönen Garten!
*
Zu den frühesten Erinnerungen der Menschheit gehört ein Garten: der Garten Eden.
Wonnegarten kann man das übersetzen.
Das Paradies.
Von Gott gepflanzt, von Gott beschützt, von Gott bewässert.
Draußen war die Wüste: Das karge Nichts aus Stein und Sand.
Aber wir kannten sie noch nicht, denn als wir die Augen aufschlugen, fanden wir uns in einem Garten, wo alles da war, was wir zum Leben brauchten.
Draußen war der Dschungel: Die grüne Hölle, wo es wild wucherte und das Gesetz des Fressens und Gefressenwerdens galt.
Aber davon wussten wir noch nichts, denn wir fanden uns in einer heilen Welt: dem Garten der Wonne, und wussten noch nichts von Gut und Böse.
Nur von unzähligen verlockenden Früchten, die darauf warteten, von uns gepflückt zu werden; jede versprach einen neuen Geschmack.
Und vor uns lag eine unendliche Zeit, sie zu entdecken, sie zu genießen.
Alles war leicht, alles war ein Spiel...
Mit der Zeit lernten wir, dass ein Garten Pflege braucht.
Wenn wir nichts taten, verwilderten die ersten Ecken.
Wo wir nicht begossen, da vertrockneten Pflanzen. Wo wir nicht mähten und jäteten, da überwucherten Gräser und Kräuter alles andere. Wo wir nicht ernteten, da verfaulten die Früchte auf oder unter den Bäumen. Die Wüste und der Dschungel drangen ein in unseren Garten.
Aber wir lernten auch, was wir tun konnten: Bebauen und Bewahren - unseren Lebensraum kultivieren, damit die zerstörerischen Kräfte der Natur nicht die Oberhand gewönnen.
*
Inzwischen sind wir herausgewachsen aus dem Kindesalter.
Wir leben nicht mehr im Paradies.
Unsere Welt ist groß und weit geworden.
Wir haben die Wüste kennengelernt und den Dschungel.
Wir haben Gutes entdeckt und Böses.
Da draußen.
Und auch da drinnen (aufs Herz zeigen).
Die Gefahren sind real.
Das Leben ist lebensgefährlich, und der Gott, der uns einst behütete, meistens außer Rufweite.
Das Paradies ist nur noch eine Ahnung von ganz, ganz ferne her.
Manchmal wünschen wir uns, es möge wieder so sein.
Dann kaufen wir uns vielleicht einen Garten (oder irgendwas anderes) und versuchen es uns schön zu machen, und es gelingt uns doch nicht.
Manchmal sagen wir uns auch:
So schön kann es ja gar nicht gewesen sein.
Das Paradies ist nur die Projetion einer Heimat, in der noch niemand gewesen ist.
Manchmal aber stellen wir erstaunt fest, dass sich unser Leben gerade so anfühlt wie im Paradies.
Manchmal, in einem glücklichen Augenblick.
Wenn unser Bebauen und Bewahren Früchte trägt, und wir brauchen sie nur noch zu ernten.
Wenn wir merken, dass wir nicht allein sind, und es ist gut so.
Und wenn Gott da ist, auch hier, jenseits von Eden.
*
Nein, wir leben nicht mehr im Paradies.
Aber etwas vom Paradies ist noch da in unserem Leben.
Oder wieder da.

Der Lebensstrom, der von Eden ausgeht, fließt ja weiter in unsere alte, weite Welt hinein, teilt sich in Ströme und Bäche, fließt durch unsere Wüsten und Dschungel, erhält uns am Leben und erzählt uns von der Quelle, aus der alles Gute fließt, und von dem Ort, wo wir einmal zu Hause waren und es irgendwann wieder sein werden: bei Gott.

Sonntag, 21. September 2014

Predigt am 21. September 2014 (14. Sonntag nach Trinitatis)

Wir ermahnen euch, liebe Schwestern und Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt.
Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.
1. Thessalonicher 5, 14-24


„Bin ich jetzt drin, oder was?“ – Da gab es mal so einen Werbespot; 15 Jahre ist das her. Da ging’s darum, wie leicht und schnell man ins Internet kommt. Und dann sitzt Boris Becker glücklich vor seinem Computerbildschirm, auf dem groß AOL steht. – Und weiter?
Damals hatten noch nicht sehr viele Leute einen Plan, was sie da drin sollten, im Internet. Ok, sie sind dann mal reingegangen, haben sich dies und das angeguckt, E-Mails abgeholt und verschickt, vielleicht mal ein paar Informationen gesucht, und dann sind sie wieder rausgegangen. Einkaufen im Internet? – Nee. Online-Banking – zu unsicher. Chatten? – Was is’n das?
Das Internet – das war ein fremder Ort, in den man sich mal für ein paar Minuten oder vielleicht auch mal eine Stunde begab – über Modem oder ISDN, und dann war man wieder draußen, im normalen Leben.
Für viele, zum Beispiel für meine Eltern, ist das heute noch so.
Für meine Kinder ist das eher komisch. Und für mich inzwischen auch. Das Internet ist kein Ort, den ich mal für kurze Zeit betrete. Das Internet ist einfach da. Da muss ich nicht erst hineingehen. Mein Computer muss sich schon lange nicht mehr einwählen ins Netz. Und ich brauche auch gar keinen Computer mehr, um drin zu sein. Das Internet ist in meiner Hosentasche. Es macht Pling, wenn ein Freund was über Facebook teilt. Es macht Pling, wenn jemand mir eine Nachricht schickt. Ich kann es fragen, wenn wir uns in einem Gespräch nicht einig sind, wie alt Roland Kaiser ist, oder Margot Käßmann (beides schon vorgekommen). Ich kann nachschauen, wo wir gerade sind oder wie wir an ein bestimmtes Ziel kommen. Es sagt mir, was das für ein Flieger ist, der da gerade über Las Galletas einschwebt – weil mich das halt interessiert. Es zeigt mir die neuesten Nachrichten und die Meinungen von Leuten, die mir wichtig sind; dafür brauche ich kein Radio, kein Fernsehen und keine Zeitung mehr. Oder anders: Radio, Fernsehen oder Zeitung habe ich auch im Internet.
Das Internet ist keine andere Wirklichkeit neben der normalen, sondern es ist ein Teil unserer Wirklichkeit. Ob wir wollen oder nicht: Wir sind drin.
„Ich bin nicht im Internet“, sagte mir jetzt jemand. Ich widersprach: Wenn du ein Bankkonto hast, eine Kreditkarte, eine Versicherung, oder wenn du schon mal geflogen bist, dann bist du auch im Internet. Was denkst du, wo die Daten über dich aufbewahrt werden?
Früher ist man reingegangen ins Internet – und wieder raus. Heute bist du drin, immer.
*
Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. – So schreibt es der Apostel.
Früher habe ich mich gefragt, wie das gehen soll: allezeit – ohne Unterlass – in allen Dingen. Ich kann mich doch nicht immer freuen, nicht ununterbrochen beten, nicht für alles dankbar sein!
Dann habe ich gemerkt: Es ist wie mit dem Internet. Da bin ich allezeit drin, da habe ich unablässig Kontakt zur Welt, da bin ich in allen Dingen und mit allen Dingen verbunden.
In Gott bin ich auch allezeit. Unablässig in Kontakt mit ihm. In allen Dingen ihm verbunden.
Ich muss nicht erst reingehen zu Gott: In die Kirche. Oder in die Bibel. Oder zum Pfarrer.
Ich bin schon drin. Allezeit, unablässig, in allen Dingen.
*
Darum kann ich das sein: Allezeit fröhlich. – Was um mich herum geschieht, was mich erreicht und bewegt, ist nicht immer fröhlich, kann nicht immer fröhlich sein. – Aber Gott ist da, allezeit, ganz nahe. Und das macht mich froh: Freude, die von innen kommt, haben wir ganz am Anfang gesungen. In dir ist Freude in allem Leide, singen wir ein andermal wieder. Gottes Gegenwart macht mich froh; ich schalte sie nicht ab.
Darum kann ich das tun: Beten ohne Unterlass. – Es ist nicht nur das bewusste Gebet. Sondern auch das automatische Statusupdate zu Gott hin. Gott sieht mich und weiß, wo ich bin: Du kennst meine Gedanken von ferne. – Und ich weiß jeden Augenblick: Gott ist da, und kann sich bei mir melden. Ich schalte ihn nicht ab.
Darum kann ich so leben: Dankbar in allen Dingen. – Wo ich auch immer drin bin gerade, in welche Dinge ich verwickelt bin oder verstrickt: Ich bin immer auch in Gott. Ich bin immer Teil einer größeren Wirklichkeit – der allergrößten Wirklichkeit, die es gibt. Und darum bin ich gewiss, dass am Ende immer alles irgendwie gut wird. Und das macht mich dankbar. Nicht dankbar für das, was nicht gut ist. Aber dankbar dafür, dass es gut wird, weil es in Gott ist. Und ich auch. Ich bleibe in ihm.
*
Ich muss nicht immer erst an Gott denken. Gott denkt schon zuvor an mich. Und wenn ich dann an ihn denke, weil ich ihn brauche, ist er schon da.
Und wenn er mir etwas sagen will, dann macht er Pling – auf seine Weise. Und wenn ich drauf geachtet habe, dann schaue ich nach, was er von mir will.
Da ist diese Begegnung: ein Mensch, der mich offenbar braucht. Und ich habe ihn wahrgenommen, habe mich nicht verschlossen oder zurückgezogen. Habe mein Ohr geöffnet, ein gutes Wort gefunden, eine gute Tat getan. Irgendwie hat es Pling gemacht. Gottes Nachricht ist angekommen.

Da sind meine Freunde und Glaubensgeschwister. Und immerzu macht es Pling. Bei Facebook, Whatsapp, Twitter oder Skype. Und wir sind nicht nur durchs Internet verbunden, sondern durch Gottes Geist. Wir sind drin. In Christus. Und auch im Glauben miteinander verbunden. Pling.
*
Die Bibel hat einen Spezialausdruck für dieses Drin-Sein. Er steht in unserem Abschnitt und heißt: heilig.
Wer bei Gott drin ist, der ist heilig.
Gott ist heilig.
Und alles, was in Verbindung steht mit ihm, das ist heilig.
Und jeder, der mit ihm in Verbindung steht, der ist heilig.
Jeder, der sich nicht ausgeloggt hat aus der Verbindung mit Gott.
Heilig wird man nicht erst, wenn man sich viel Mühe gibt, sondern heilig ist man, wenn man bei Gott drin ist. Das bist du normalerweise schon seit deiner Taufe.
Digital Natives nennen wir die Generation, die eine Welt ohne Internet nicht mehr kennt. Unsere Kinder sind Eingeborene des Internets. Für sie ist Drinsein oder Draußensein kein Thema mehr.
Wir sind Spiritual Natives, Eingeborene des Reiches Gottes. Wir sind getauft, und Drinsein oder Draußensein, das sollte für uns gar kein Thema mehr sein.
Wir sind Heilige qua Neugeburt in der Taufe.
Und dass wir Heilige bleiben und immer noch heiliger werden, dass wir allezeit in der Verbundenheit mit Gott leben, darum kümmert er sich in erster Linie selber; jedenfalls betet der Apostel darum:
Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
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Wenn wir bewusst reingehen – in die Kirche, in die Bibel, zum Pfarrer – dann werden wir eigentlich nur immer wieder neu daran erinnert, dass wir schon drin sind.
An uns ist es nur noch, hin und wieder den Status unserer Verbindung zu Gott zu überprüfen, die Nachrichten zu checken, den Ort zu bestimmen, wo wir gerade sind und uns Vorschläge machen zu lassen, wo wir hingehen sollten, mit wem wir uns befreunden sollten oder was wir uns anschauen sollten. Pling.
Den Geist dämpft nicht. – Das heißt dann: Schaltet die Verbindung zu Gott nicht ab. Bleibt drin!